Coronavirus: Internationale Logistik im Stresstest - Wissenschaftler*innen der TU Berlin bieten Lösungsansätze

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01.04.2020 11:38

Coronavirus: Internationale Logistik im Stresstest - Wissenschaftler*innen der TU Berlin bieten Lösungsansätze

Stefanie Terp Stabsstelle Kommunikation, Events und Alumni
Technische Universität Berlin

    Stresstest für die internationale Logistik

    Wie die Corona-Krise internationale Warenströme herausfordert und welche Lösungsansätze die Wissenschaft bietet

    „Die internationale Logistik steht aktuell vor großen Herausforderungen, die Industrie, Politik und Forschung nur gemeinsam lösen können“, so Prof. Dr.-Ing. Frank Straube, Leiter des Fachgebiets Logistik an der TU Berlin. Bereits im Januar 2020, als das Corona-Virus die Produktivität Chinas stark dämpfte, wurde klar, dass internationale Logistiknetze vor neuen Herausforderungen stehen.

    China zählt nicht nur zu den bedeutendsten Beschaffungsmärkten, sondern auch zu den wichtigsten Absatzmärkten der Welt. Mittlerweile ist das Virus ein globales Thema und nahezu jedes Logistiknetz spürt die Auswirkungen – selbst dann, wenn es keine Verbindung zu China aufweist. Überall auf der Welt entstehen Lieferunterbrechungen, die gesamte Logistiknetze zum Erliegen bringen und die Verfügbarkeit von Endprodukten gefährden. „Wir müssen feststellen, dass etablierte Prognosemodelle für Kundennachfrage, Rohstoffbedarfe, Kapazitäten, Lieferzeitpunkte und damit verbundene Produktionsplanungen an ihre Grenzen stoßen“, beschreibt Frank Straube. Dabei sind diese Themen für die Logistik-Wissenschaft nicht neu – wenn auch in dem jetzigen Ausmaß einzigartig. „Lösungsansätze zur Planung und Steuerung widerstandsfähiger Logistiknetze existieren und wurden bereits in schwierigen Situationen erprobt. Sie müssen nun auf den aktuellen Prüfstand gestellt werden“, so Frank Straube.

    Frei zugängliches Logistik-Planungstool

    Dabei sollten Unternehmen im Umgang mit der Krise vor allem die Robustheit ihrer Logistiknetze analysieren, ein dynamisches Störfall- und Risikomanagement etablieren sowie intelligente Zuverlässigkeitsprognosen entwickeln, rät Frank Straube, dessen Fachgebiet bereits seit Jahren an Lösungsansätzen für die Planung und Steuerung robuster, internationaler Logistiknetze arbeitet. Er leitet unter anderem das von der Schweizer Kühne-Stiftung geförderte Competence Center for International Logistics Networks. Dessen Forschungsergebnisse, wie zum Beispiel ein Mess- und Management-Instrumentarium für den Umgang mit starken Schwankungen, wurden bereits erfolgreich in Industrieunternehmen eingesetzt. Daraus entstanden ist ein frei zugängliches Logistik-Planungstool, der „TUB Logistics Navigator“ (https://navigator.logistik.tu-berlin.de/), welches Optimierungen akteursübergreifend fördert und Benchmark-Lösungen bereithält. So ermöglicht es verschiedenen Unternehmen, ihre aktuellen Ansätze auf den Prüfstand zu stellen und an die Gegebenheiten anzupassen.

    Ein weiteres Forschungsthema ist das dynamische Event- und Risikomanagement, welches Störungen in Lieferketten frühzeitig erkennt und Gegenmaßnahmen ableitet. In dem Zusammenhang hat das Fachgebiet Logistik im Rahmen des Forschungsprojekts „Smart Logistic Grids“ ein Konzept für einen smarten Supply Chain Operations Room (Lieferketten-Leitstand) und eine globale Lieferketten-Cloud zur Bereitstellung und Verarbeitung von Echtzeitinformationen über Störfälle entwickelt und in der Praxis erprobt.

    Intelligentes Assistenzsystem für maritime Transportketten

    „Viel wird in der Zukunft von intelligenten Zuverlässigkeitsprognosen abhängen“, so Frank Straube. Wenn Logistiknetze ins Wanken geraten und die Warenverfügbarkeit nur schwer sichergestellt werden kann, sind dynamische Prognosemodelle immer relevanter, um Planungssicherheit zu generieren. Im Forschungsprojekt „Smart Event Forecast for Seaports“ (SMECS) entwickelte das Fachgebiet Logistik durch die Anwendung von Verfahren der künstlichen Intelligenz (Machine Learning) ein intelligentes Assistenzsystem für maritime Transportketten. Die Prognosegenauigkeit der Ankunftszeit globaler Lieferketten beim Endkunden konnte durch diese Anwendung drastisch erhöht werden. Die entwickelten Algorithmen werden bereits in der Praxis eingesetzt und die Anpassung auf weitere Anwendungsgebiete wird aktuell erprobt. „Wir planen noch vor Ostern einen frei zugänglichen KI-Prototypen dieser Logistik auf unserer Webseite zu veröffentlichen, der dann von Unternehmen und Institutionen genutzt werden kann“, so der Logistik-Experte

    Mehr Informationen: https://www.logistik.tu-berlin.de/menue/fachgebiet_logistik/

    Weitere Informationen erteilen Ihnen gern:
    Prof. Dr. Frank Straube
    TU Berlin
    Fachgebiet Logistik
    Tel.: 030/314 22877
    E-Mail: straube@logistik.tu-berlin.de


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten, Wirtschaftsvertreter, Wissenschaftler
    Gesellschaft, Informationstechnik, Verkehr / Transport, Wirtschaft
    überregional
    Forschungs- / Wissenstransfer, Forschungsprojekte
    Deutsch


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