Alte Münzen als präzise Chronisten von Machtverhältnissen in Arabien

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16.01.2004 13:00

Alte Münzen als präzise Chronisten von Machtverhältnissen in Arabien

Stefanie Hahn Abteilung Hochschulkommunikation/Bereich Presse und Information
Friedrich-Schiller-Universität Jena

    Göttinger schenkt Orientalischem Münzkabinett der Universität Jena Sammlung jemenitischer Münzen aus dem Mittelalter

    Jena (16.01.04) Dass Geld seinen Besitzer wechselt, ist ein alltäglicher Vorgang. Wenn jedoch 307 wertvolle mittelalterliche Münzen aus dem Jemen durch eine Schenkung in den Besitz der Friedrich-Schiller-Universität Jena gelangen, ist dies eine kleine Sensation. Der Ingenieur Christof Baum aus Göttingen hat jetzt seine private Sammlung dem Orientalischen Münzkabinett der Jenaer Universität geschenkt. Dessen Bestand an jemenitischen Münzen zählt damit zu den bedeutendsten Sammlungen außerhalb der Herkunftsregion.

    "Diese Schenkung stärkt den Forschungsschwerpunkt Jemen des Lehrstuhls für Semitische Philologie und Islamwissenschaft", ist sich PD Dr. Stefan Heidemann sicher. "Der islamische und vorislamische Jemen gehört zu den Ländern, in denen durch Inschriften und Münzen derzeit wesentliche neue Entdeckungen gemacht werden", berichtet der Oberassistent am Lehrstuhl. Münzen sind nicht nur ehemalige Zahlungsmittel, sondern häufig sogar die einzigen Dokumente, die Aufschluss über die politische, Wirtschafts- und Sozial-Geschichte der arabischen Halbinsel geben. "Bis zu 150 Worte zieren manche Münzen und geben Auskunft, wer zum Zeitpunkt ihrer Prägung wo herrschte", so Heidemann. Gesamte Herrschaftshierarchien vom lokalen Gouverneur bis hin zum Kalifen sind ihnen "eingeprägt". "Als politische Urkunden geben sie die Machtverhältnisse sogar genauer wieder, als spätere Chronisten es vermochten", begeistert sich der Jenaer Orientalist.

    Diese präzisen Protokolle machen auch die neu erworbenen mittelalterlichen Münzen aus dem Jemen so informativ: "Im Gegensatz zu den Bildern antiker Münzen sind islamische Münzen Textdokumente - mit Staatsbulletins vergleichbar", berichtet Heidemann. Ihre Entzifferung sei eher Sache der Sprachwissenschaftler denn der Numismatiker. Um die Information vollständig zu erschließen, ist eine Zusammenarbeit über die Disziplingrenzen hinweg notwendig. In Jena herrschen dafür denkbar gute Voraussetzungen. Die neue jemenitische Sammlung enthält viel neues und unveröffentlichtes Dokumentenmaterial, das im Rahmen von Forschungsprojekten wissenschaftlich erschlossen werden kann.

    Zum Orientalischen Münzkabinett der Universität Jena:
    1840 als Großherzoglich-Orientalisches Münzkabinett gegründet, wurde die Jenaer Sammlung ständig erweitert. Seit 1994 wird es als Forschungseinrichtung des oben genannten Lehrstuhls wieder aufgebaut. Die Jenaer Sammlung konnte seitdem auf etwa 15.000 Objekte fast verdoppelt werden. Nachdem sich etwa 90 Jahre lang in Europa die universitäre Islamwissenschaft nicht mehr mit der Quellengattung "islamische Münzen" beschäftigt hatte, lebte die Forschung an ihnen erst in den 90er Jahren wieder auf. Der Impuls ging von der Islamwissenschaft aus. Aus ihrem neuen Verständnis als interdisziplinäre Regionalwissenschaft heraus, war die historisch orientierte Islamwissenschaft auf der Suche nach neuen Arbeitswerkzeugen. Daher und wegen der notwendigen interdisziplinären Herangehensweise harren auch heute noch große Teile der Sammlungen ihrer wissenschaftlichen Erschließung.

    Kontakt:
    PD Dr. Stefan Heidemann
    Institut für Sprachen und Kulturen des Vorderen Orients
    Lehrstuhl für Semitische Philosophie und Islamwissenschaft
    Sellierstr. 6, 07745 Jena
    Tel.: 03641 / 944864
    E-Mail: x7hest@uni-jena.de


    Weitere Informationen:

    http://www2.uni-jena.de/philosophie/iskvo/omj.htm


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Geschichte / Archäologie, Sprache / Literatur
    überregional
    Forschungsprojekte, Organisatorisches
    Deutsch


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