Online-Umfrage zu Riech- und Schmeckstörungen bei COVID-19

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30.04.2020 10:49

Online-Umfrage zu Riech- und Schmeckstörungen bei COVID-19

Kim-Astrid Magister Pressestelle
Technische Universität Dresden

    Ein internationales Team hat eine weltweite Onlinebefragung zu Riech- und Schmeckstörungen im Zusammenhang mit COVID-19 zusammengestellt. Die Umfrage soll dabei helfen, die Symptome einer Infektion mit dem neuartigen Corona-Virus von anderen Atemwegserkrankungen abzugrenzen – und gegebenenfalls die medizinische Betreuung der Betroffenen unterstützen. An dem Projekt sind über 500 Wissenschaftler, Kliniker und Patientenvertreter aus 38 Ländern beteiligt. Unter den Initiatoren der Online-Umfrage ist auch Prof. Thomas Hummel, Leiter des Interdisziplinären Zentrums für Riechen und Schmecken des Universitätsklinikums Carl Gustav Carus Dresden.

    Das Dresdner Forschungsteam ist zudem an dem Projekt „SmellTracker“ als Partner für Deutschland beteiligt, mit dem sich die individuelle Riechwahrnehmung anhand von Haushaltsgegenständen online erfassen und sich so frühzeitig ein Verlust des Riechvermögens feststellen lässt, welches als eines der frühen Symptome des neuartigen Corona-Virus (COVID-19) gilt.

    Ein trockener Husten und Fieber gelten als die typischsten Anzeichen für eine mögliche Infektion mit dem neuartigen Corona-Virus. Manche Menschen jedoch zeigen gar keine Symptome, obwohl sie sich mit dem Virus angesteckt haben – und ihn auch weiterverbreiten können. In den letzten Wochen tauchte immer wieder ein mögliches weiteres Symptom auf: Der plötzlich aufgetretene teilweise oder vollständige Verlust von Riech- und Schmecksinn.

    Gesundheitsorganisationen in verschiedenen Ländern haben bereits empfohlen, den Verlust des Riech- und Schmecksinns als Hinweis auf eine COVID-19-Infektion zu sehen, selbst wenn keine anderen Symptome vorliegen. Entsprechend wird Betroffenen geraten, sich vorsichtshalber freiwillig in Quarantäne zu begeben. Bisher gibt es jedoch keine breit angelegte wissenschaftliche Studie, die belegt, dass diese Art von Beeinträchtigung ein klares Anzeichen für eine Infektion ist. Schwierig ist dabei die Abgrenzung von andern Riechstörungen - in der Gesamtbevölkerung können etwa fünf Prozent gar nicht riechen.

    Bisherige Berichte sind im Wesentlichen anekdotisch. Deshalb hat sich eine Gruppe internationaler Riech- und Schmeckforscher zusammengeschlossen, um zu untersuchen, wie, wann und warum diese Beeinträchtigungen auftreten – und was sie über das Corona-Virus aussagen. Das Global Consortium for Chemosensory Research (Globales Konsortium für chemo-sensorische Forschung), abgekürzt GCCR, besteht aus Teilnehmern der offenen Wissenschaft: Transdisziplinäre Wissenschaftler, Kliniker und Patientenvertreter aus der ganzen Welt. Das GCCR, zu dessen Führungsteam Prof. Hummel gehört, hat mehr als 500 Mitglieder aus 38 Ländern. Damit sollen weltweite, evidenzbasierte Informationen zu kurz- und langfristigen Folgen von COVID-19 gesammelt und im Vergleich zu anderen Atemwegserkrankungen analysiert werden.

    Das GCCR hat deshalb eine weltweite Onlinebefragung zusammengestellt, um Antworten auf wichtige Fragen zu finden: Welche Auswirkungen hat das Corona-Virus? Ist der Verlust des Geruchssinns ein häufiges Symptom? Geht er mit einem Schmeckverlust einher? Wie lange halten die Symptome an? Haben Betroffene dauerhafte Störungen? Die Teilnehmer der Befragung sollen dabei ihre Riech- und Schmeckfähigkeit mithilfe von Computerskalen abschätzen und Fragen zu Ihrer Symptomatik, Gesundheit und zum Lebensstil beantworten.

    Die Onlineumfrage wird in mehr als 20 Sprachen übersetzt und Einzelpersonen und Klinikern auf der Website des GCCR zur Verfügung gestellt.

    Es ist auch bereits ein zweiter Teil des Projekts in Planung. Dabei wird es sich um einen praktischen Riech- und Schmecktest handeln, mit Anleitung für zu Hause. Dabei werden die Teilnehmer im Haushalt vorhandene Dinge (z.B. Shampoo, Zimt oder Knoblauch) riechen oder Zucker, Salz, Zitrone und Kaffee oder Tee schmecken und dann online beurteilen.

    Link zur Onlinebefragung des Global Consortium for Chemosensory Research
    https://sites.google.com/view/gcchemosensr/

    Smelltracker des Weizmann Institute of Science
    Die Wissenschaftler des Weizmann Institute of Science in Rechovot bei Tel Aviv, Israel, erforschen den Geruchssinn des Menschen. Um eine große Zahl an Forschungsdaten zu erfassen, nutzen die Wissenschaftler den SmellTracker, der online die Riechwahrnehmung von Probanden erfasst. Dazu werden verschiedene gut verfügbare Lebens- und Hilfsmittel wie Gewürze, Essig, Zahnpasta oder Erdnussbutter genutzt. Die Plattform basiert auf einem Algorithmus auf der Basis eines mathematischen Modells, das als “Riechfingerabdruck” zur genauen Charakterisierung des Geruchssinns einer Person fähig ist. SmellTracker, in neun Sprachen verfügbar, fordert Benutzer auf, fünf gängige Lebens- und Hilfsmittel auszuwählen und diese anhand ihrer eigenen Geruchswahrnehmung anhand vorformulierter Fragen zu bewerten.

    Die Forscher betonen, dass der SmellTracker keine offizielle medizinische Diagnose ersetzt. Dennoch hoffen sie, dass das Tool zumindest dabei hilft, den einzigartigen olfaktorischen Fingerabdruck zu charakterisieren, der zur Früherkennung der neuen Viruserkrankung führen könnte. Partner des Projekts in Deutschland ist Prof. Thomas Hummel.

    Das Global Consortium for Chemosensory Research
    Die über 500 Mitglieder des GCCR haben es sich zur Aufgabe gemacht, die globale Zusammenarbeit in der Erforschung der chemischen Sinne (Geruch und Geschmack) zu fördern, in Abstimmung mit lokalen Labors, Wissenschaftlern und Kliniken. Die Projekte des GCCR wollen die Umsetzung offener wissenschaftlicher Praktiken unterstützen, sowie seinen Mitgliedern und der internationalen Forschergemeinschaft den Zugang zu Protokollen und Daten ermöglichen. Die Mitglieder der GCCR möchten darüber hinaus mithilfe von offen zugänglichen wissenschaftlichen Artikeln auf Grundlage der gesammelten Kerndaten die Entwicklung und Verbreitung von neuem Wissen erleichtern und fördern.

    Initiiert wurde das GCCR von einer kleinen Gruppe von Wissenschaftlern, zu deren Aufgaben nun gehört, die Kommunikation innerhalb des Konsortiums zu erleichtern, GCCR-Meeting zu organisieren und die Bemühungen der Gruppe zu koordinieren. Der Führungsausschuss (in alphabetischer Reihenfolge) setzt sich derzeit zusammen aus:

    John Hayes, PhD, Penn State, USA
    Thomas Hummel, MD, Technische Universität Dresden, Deutschland
    Chrissi Kelly, Founder, AbScent.org, Großbritannien
    Steve Munger, PhD, University of Florida, USA
    Masha Niv, PhD, The Hebrew University of Jerusalem, Israel
    Kathrin Ohla, PhD, Forschungszentrum Jülich, Deutschland
    Valentina Parma, PhD, Temple University, USA
    Danielle Reed, PhD, Monell Chemical Senses Center, USA
    Maria Veldhuizen, PhD, Mersin University, Türkei

    Von deutscher Seite sind Dr. Kathrin Ohla (Jülich) und Prof. Thomas Hummel (Dresden) im Führungsteam vertreten. Gemeinsam mit Prof. Antje Welge-Lüssen Lemcke (Basel), Dr. Michael Schmuker (Hatfield), Prof. Jessica Freiherr (Erlangen/Freising) haben Sie die Umfrage in deutscher Sprache auf den Weg gebracht.


    Wissenschaftliche Ansprechpartner:

    Universitätsklinikums Carl Gustav Carus Dresden
    Klinik für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde
    Interdisziplinäres Zentrum Riechen und Schmecken
    Leiter: Prof. Dr. med. Thomas Hummel
    Telefon: 0351 458-4189
    E-Mail: thummel@msx.tu-dresden.de

    Forschungszentrum Jülich
    Institut für Neurowissenschaften und Medizin (INM-3)
    Arbeitsgruppe "Kognitive Neurophysiologie"
    Leiterin: Dr. Kathrin Ohla
    Telefon: 02461 61-4548
    E-Mail: k.ohla@fz-juelich.de


    Weitere Informationen:

    https://gcchemosensr.org/ Webseite des GCCR
    https://smelltracker.org/de/node/18874 Link zum Online-Test „SmellTracker“
    https://smelltracker.org/content/about-us Website zum SmellTracker


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten, Wissenschaftler
    Medizin
    überregional
    Forschungsprojekte, Kooperationen
    Deutsch


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