Digitalisierung in der Pflege – Fluch oder Segen?

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08.06.2020 12:51

Digitalisierung in der Pflege – Fluch oder Segen?

Gabriele Stegers Stabstelle Strategische Kommunikation und Marketing
Hochschule Rhein-Waal

    Wie steht es mit der Digitalisierung in der ambulanten Pflege? Welche Chancen und vor allem welchen Nutzen bietet sie? Dazu befragte eine Projektgruppe der Hochschule Rhein-Waal in Zusammenarbeit mit der Deutschen Seniorenliga insgesamt 674 Beschäftigte im ambulanten Pflegedienst. Das Ergebnis: Ob Digitalisierung in der Pflege hilft, belastende Arbeit abzunehmen, ist sehr umstritten.

    Kleve/Kamp-Lintfort, 8. Juni 2020: Die Digitalisierung revolutioniert unterschiedlichste Bereiche in Wirtschaft und Gesellschaft. Experten sehen viele Möglichkeiten, wie sich auch die Pflege mit der intelligenten Nutzung von Daten und Technologien verbessern lässt. Aber welche Chancen und vor allem welchen Nutzen bietet die Digitalisierung nach Ansicht der Pflegenden? Ob Digitalisierung ihnen in der Pflege hilft, belastende Arbeit abzunehmen, ist sehr umstritten. So lautet das Ergebnis einer Umfrage unter insgesamt 674 Beschäftigten im ambulanten Pflegedienst. Entwickelt und durchgeführt wurde die Befragung von der Hochschule Rhein-Waal unter Beteiligung von Studierenden und in Zusammenarbeit mit der Deutschen Seniorenliga. Ausgewertet wurden 548 Fragebögen.

    Jede*r Zweite (43 Prozent) sieht die These, Digitalisierung würde die administrative Arbeit erleichtern, als nicht zutreffend an. Stattdessen befürchten vier von fünf Befragten zumindest teilweise mehr Leistungskontrolle. „Die Digitalisierung in der Pflege steckt noch in den Kinderschuhen und wird entsprechend skeptisch gesehen“, erläutert Professor Dr. Frank Schmitz, Professor für Betriebswirtschaftslehre an der Hochschule Rhein-Waal, die Ergebnisse. „Die Mitarbeitenden hoffen allerdings auf körperliche Entlastung durch intelligente Robotik und auf Zeitgewinn, der bestenfalls auch den Bewohner*innen der Heime zugutekommen könnte.“ Entsprechend stimmen über 73 Prozent der Befragten der Aussage zu, dass durch digitale patientenbezogene Technologien die Qualität der Patientenbetreuung verbessert wird.

    Die digitale Dokumentation findet inzwischen bei 71 Prozent der Befragten Anwendung, von denen immerhin 72 Prozent diese täglich während der Arbeit nutzen. Die Teilnehmenden sehen in der digitalen Dokumentation eine Erleichterung administrativer Tätigkeiten, Kommunikationsverbesserung und vereinfachtere Leistungskontrolle. Digitale Anwendungen für die Bereitstellung ergänzender Services zur Lebens- und Haushaltsführung hingegen spielen in der Praxis nur eine untergeordnete Rolle. Bei lediglich einem Zehntel der Befragten existiert in diesem Bereich eine digitale Lösung.

    Grundsätzlich bietet demnach die Digitalisierung das Potenzial, Pflegende zu entlasten. Trotz einschränkender Aspekte wie gleichbleibender Arbeitsbelastung und möglicher Leistungskontrolle ist die Nutzeneinschätzung und Anwendungsbereitschaft für digitale Lösungen sehr hoch. „Bis jetzt liegt der Fokus bei der Digitalisierung auf der Optimierung bestehender Abläufe, was aber aufgrund der Bedienungsfreundlichkeit bzw. Benutzbarkeit bei den Mitarbeitenden nur bedingt als Entlastung wahrgenommen wird“, fasst Professor Schmitz zusammen. „Dass Digitalisierung auch zusätzliche Angebote bzw. Services ohne administrativen Aufwand ermöglicht, wird überwiegend noch nicht richtig wahrgenommen“, so Schmitz: „Da besteht noch viel Potenzial für Innovation zum Nutzen aller Beteiligten.“


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten, jedermann
    Ernährung / Gesundheit / Pflege
    überregional
    Forschungsergebnisse
    Deutsch


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