Krisenhelfer Roboter - TU-Studie: Akzeptanz von Robotern steigt in Zeiten der Pandemie

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23.06.2020 15:44

Krisenhelfer Roboter - TU-Studie: Akzeptanz von Robotern steigt in Zeiten der Pandemie

Mareike Hochschild Stabsstelle Kommunikation und Medien
Technische Universität Darmstadt

    Darmstadt, 23. Juni 2020. Sie bewähren sich in der Krise und bauen so Vorbehalte ab: Die Akzeptanz von Robotern steigt in Zeiten von Corona. Das ergeben zwei Studien der TU Darmstadt, die den Einsatz von Robotern im Kundenkontakt und in Teams in Unternehmen seit Ausbruch der Coronavirus-Pandemie untersuchen. Die Unterstützung durch Roboter wird demnach begrüßt und die Zusammenarbeit mit ihnen in Teams als effizient und produktiv eingeschätzt. Die Sorge um soziale Aspekte bleibt jedoch. Unternehmen müssten nun schnell reagieren.

    Am Fachgebiet für Marketing und Personalmanagement am Fachbereich Rechts- und Wirtschaftswissenschaften der TU erforschen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler die Rolle von Robotern in unserem Berufsleben und welche Faktoren für eine erfolgreiche Zusammenarbeit von Mensch und Roboter wesentlich sind. Die aktuelle Corona-Pandemie hat einige Entwicklungen deutlich beschleunigt, zum Beispiel den Einsatz von Service-Robotern im Einzelhandel. In einer vom hessischen Kompetenzzentrum für verantwortungsbewusste Digitalisierung unterstützten Studie untersuchten TU-Forscherinnen und -Forscher nun die Akzeptanz von Robotern in Zeiten der Pandemie. Dazu führten sie von Anfang April 2020 bis Ende Mai 2020 mehrere Online-Studien anhand des in Europa einzigartigen androiden Roboters „Elenoide“ (https://www.youtube.com/watch?v=EU44rXOdL5Y) sowie des humanoiden Roboters Pepper mit rund 250 Befragten in Deutschland und weiteren 475 in den USA durch. Sollten Service-Roboter während der Pandemie vermehrt eingesetzt werden? Für welche Aufgaben im Service-Bereich wäre das denkbar? Wie wohl würde man sich im Umgang mit den Robotern fühlen?

    Die Ergebnisse sind eindeutig. Mehr als zwei Drittel der Befragten sehen deutliche Vorteile von Service-Robotern. So lasse sich das Infektionsrisiko durch eine zwischenmenschliche Begegnung vermeiden. Service-Roboter beugten aber auch dem Fachkräftemangel vor und reduzierten eine Überbelastung der menschlichen Arbeitskraft – so die Einschätzung der Befragten. Auch wenn die Mehrheit eine menschliche Interaktion vorzieht, kann sie sich den Einsatz von Robotern unter anderem in den Bereichen Bezahlung (76,4 Prozent), Auskunft (74,8 Prozent) und Bereitstellung von Schutzmaßnahmen wie Gesichtsmasken und Desinfektionsmitteln (76,4 Prozent) gut vorstellen. Weitere Einsatzmöglichkeiten sehen die Befragten beispielsweise beim Reinigen und Desinfizieren der Ladenflächen, beim Auffüllen der Regale, bei der Warenannahme oder im Bereich Sicherheit. Im Vergleich fühlen sich die Befragten in den USA wohler im Umgang mit Robotern als in Deutschland. Bei der Einschätzung, wann diese Szenarien Realität werden könnten, sind sich die Studienteilnehmerinnen und -teilnehmer aber weitestgehend einig und gehen von rund acht Jahren aus – deutlich schneller als noch vor der Pandemie angenommen. „In der aktuellen Situation können wir sehen, dass wir Roboter früher brauchen als wir bisher erwartet haben. Es ist zu vermuten, dass die aktuelle Situation noch einige Zeit anhalten und es auch in Zukunft zu Situationen kommen wird, in denen die bisher gewohnten Abläufe eingeschränkt werden. Um dafür gewappnet zu sein, sollten wir jetzt weiter forschen und den Einsatz von Robotern vorantreiben“, so Professorin Ruth Stock-Homburg vom Fachgebiet Marketing und Personalmanagement.

    Team-Mitglied Roboter
    In einer zweiten Studie haben die Forscherinnen und Forscher im selben Zeitraum die Rolle von Robotern als Team-Mitglied in Unternehmen untersucht. In zwei Wellen wurden Führungskräfte unterschiedlichen Alters und Geschlechts aus den USA befragt. Die erste Welle (596 Befragte) untersuchte die Akzeptanz von Robotern seit Ausbruch der Pandemie, die Gründe für den Einsatz von Robotern und die passenden Arbeitsbereiche. Auch hier zeigt sich, dass die Corona-Pandemie die Akzeptanz von Robotern deutlich erhöht. Mehr als 52 Prozent sprechen sich generell für eine Unterstützung durch Roboter in Unternehmen aus und wünschen sich in der aktuellen Situation sogar einen vermehrten Einsatz. In den Bereichen Kunden- und Besucherkontakt und Bereitstellung von Sicherheitsanweisungen und Produkten war die Akzeptanz mit jeweils rund 60 Prozent hoch. Die Gründe hierfür sind ebenfalls das reduzierte Risiko einer Ansteckung und die Entlastung der menschlichen Arbeitskraft.
    Als potenzielle Einsatzgebiete können sich die Befragten außerdem strukturierte Aufgaben wie zum Beispiel Bereitstellung von Information, Ausstellung von Dokumenten oder Moderation von Sitzungen vorstellen.

    In der zweiten Welle der Studie (362 Befragte) wurde unter anderem danach gefragt, für wie realistisch man den Einsatz von Robotern in unterschiedlichen Rollen hält, wie Roboter in diesen Rollen wahrgenommen würden und welche Charakteristika besonders wünschenswert wären. Die Mehrheit, 64 Prozent beziehungsweise 53 Prozent, hält den Roboter insbesondere als Team-Assistenten und als Wissensexperten für realistisch. Aber auch Roboter als Koordinatoren (scrum master) und Projektleiter sind für 49 Prozent beziehungsweise 42 Prozent vorstellbar. Die Befragten glauben außerdem, dass der Ausbruch der Pandemie diese Szenarien noch wahrscheinlicher macht. Besorgt zeigen sie sich, dass in der Zusammenarbeit mit Robotern soziale Aspekte verloren gehen könnten. „Die Studie zeigt, dass Roboter vielfältige Rollen in Unternehmen einnehmen können. Roboter ist dabei aber nicht gleich Roboter, ganz entscheidend ist zum Beispiel die Menschenähnlichkeit“, erläutert Franziska Wolf, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Fachbereich Rechts- und Wirtschaftswissenschaften.
    Das Team um Professorin Stock-Homburg arbeitet an der Weiterentwicklung von Elenoide, die 2019 vorgestellt wurde und einer Mitarbeiterin des Labors nachempfunden ist. Die Ergebnisse der beiden Studien fließen bereits in die Forschung an Elenoide ein.

    Über die TU Darmstadt
    Die TU Darmstadt zählt zu den führenden Technischen Universitäten in Deutschland. Sie verbindet vielfältige Wissenschaftskulturen zu einem charakteristischen Profil. Ingenieur- und Naturwissenschaften bilden den Schwerpunkt und kooperieren eng mit prägnanten Geistes- und Sozialwissenschaften. Weltweit stehen wir für herausragende Forschung in unseren hoch relevanten und fokussierten Profilbereichen: Cybersecurity, Internet und Digitalisierung, Kernphysik, Energiesysteme, Strömungsdynamik und Wärme- und Stofftransport, Neue Materialien für Produktinnovationen. Wir entwickeln unser Portfolio in Forschung und Lehre, Innovation und Transfer dynamisch, um der Gesellschaft kontinuierlich wichtige Zukunftschancen zu eröffnen. Daran arbeiten unsere 308 Professorinnen und Professoren, 4.500 wissenschaftlichen und administrativ-technischen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie 25.200 Studierenden. Mit der Goethe-Universität Frankfurt und der Johannes Gutenberg-Universität Mainz bildet die TU Darmstadt die strategische Allianz der Rhein-Main-Universitäten.

    www.tu-darmstadt.de

    MI-Nr. 34/2020, mho


    Wissenschaftliche Ansprechpartner:

    Ansprechpartnerinnen
    Technische Universität Darmstadt
    Prof. Dr. Dr. Ruth Stock-Homburg
    Fachgebiet Marketing und Personalmanagement

    M.Sc. Franziska Wolf
    Fachgebiet Marketing und Personalmanagement

    E-Mail: rsh@bwl.tu-darmstadt.de


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten, Wissenschaftler
    Informationstechnik, Recht, Wirtschaft
    überregional
    Forschungsergebnisse
    Deutsch


    Der in Europa einzigartige androide Roboter „Elenoide“.


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