Soziales Engagement: Welchen Stellenwert hat es für junge bildungsnahe Musliminnen und Muslime?

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08.07.2020 11:00

Soziales Engagement: Welchen Stellenwert hat es für junge bildungsnahe Musliminnen und Muslime?

Regina Schneider Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Pädagogische Hochschule Karlsruhe

    Wie und warum sich junge bildungsnahe Musliminnen und Muslime sozial engagieren, hat das Institut für islamische Theologie und Religionspädagogik der Pädagogischen Hochschule Karlsruhe in Kooperation mit dem SINUS-Institut Berlin untersucht. Befragt wurden rund 700 Personen im Alter zwischen 14 und 34 Jahren.

    Soziales Engagement hat einen hohen Stellenwert bei bildungsnahen muslimischen Jugendlichen und jungen Erwachsenen in Deutschland. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Instituts für islamische Theologie und Religionspädagogik der Pädagogischen Hochschule Karlsruhe in Kooperation mit dem SINUS-Institut Berlin. Demnach sind 61 Prozent der rund 700 in der Stichprobe befragten bildungsnahen Musliminnen und Muslime im Alter von 14 bis 34 Jahren sozial engagiert, die meisten von ihnen rein ehrenamtlich. Über 20 Prozent würden sich gerne sozial engagieren und 11 Prozent waren in der Vergangenheit aktiv.

    „Diese große Bereitschaft für soziales Engagement unter jungen bildungsnahen Musliminnen und Muslimen sehen wir als Marker für eine positive gesellschaftliche Wirkung von Religiosität“, erläutert Erstautor Jun.-Prof. Dr. Jörg Imran Schröter, Leiter des Instituts für islamische Theologie und Religionspädagogik. „Denn soziales Engagement kann zu stärkerer Teilhabe an der Gesamtgesellschaft führen“, so der Wissenschaftler. Die Untersuchung zeige, dass auch Moschee-Gemeinden Orte gesellschaftlichen Engagements sind. So geben die meisten der Befragten an, in einer institutionell verfassten religiösen Einrichtung, im sozialen Bereich und/oder in der außerschulischen Jugendarbeit oder Bildungsarbeit für Erwachsene aktiv zu sein. Dabei ist die Mehrheit der Befragten nicht an einem religiösen Projekt im engeren Sinne beteiligt. Und von denjenigen, die sich bislang noch nicht sozial engagieren, kann sich eine Mehrheit ein Engagement im sozialen Bereich vorstellen.

    Das Potenzial für Engagement unter muslimischen Jugendlichen ist groß und das Engagement selbst überwiegend altruistisch motiviert“, unterstreicht Schröter. Die drei wichtigsten Gründe, sich sozial zu engagieren, seien: etwas Gutes tun zu wollen (88 Prozent), religiöser Glaube (81 Prozent) und die Gesellschaft im Kleinen mitzugestalten (79 Prozent).

    Moschee-Gemeinden für zivilgesellschaftliches Engagement in den Blick nehmen

    „Auch Musliminnen und Muslime engagieren sich – ebenso wie Angehörige anderer Glaubensgemeinschaften – gerne aus ihrer Religiosität heraus. Und von diesem Engagement kann die Gesellschaft als Ganzes profitieren“, sagt der Juniorprofessor. Zumal der Anteil der Musliminnen und Muslime in Deutschland weiter wachse. Besonders die Gruppe junger bildungsnaher Musliminnen und Muslime erscheine „höchst relevant für die weitere Entwicklung von muslimischer Partizipation in der deutschen Gesellschaft“. Bemerkenswert sei auch, dass sich weitaus mehr Frauen als Männer freiwillig an der Studie beteiligt haben. Junge bildungsnahe Musliminnen könnten somit eine wichtige Zielgruppe für Kampagnen sozialen Engagements bilden. Und insgesamt könne es – so ein Fazit der Untersuchung – durchaus angebracht sein, „Moschee-Gemeinden für zivilgesellschaftliches Engagement in den Blick zu nehmen, die Potenziale dort anzusprechen und auch abzuholen“.

    Nachzulesen ist die Untersuchung „Engagementbereitschaft junger bildungsnaher Muslim*innen in Deutschland. Ergebnisse einer quantitativen Studie des Instituts für islamische Theologie und Religionspädagogik der Pädagogischen Hochschule Karlsruhe in Kooperation mit dem SINUS-Institut Berlin“ (Jörg Imran Schröter und Marc Calmbach, 2020) auf https://ph-ka.de/irp-studie. Gefördert wurde die Studie von der Robert Bosch Stiftung GmbH.

    Islamische Theologie und Religionspädagogik an der PHKA

    Die Pädagogische Hochschule Karlsruhe bietet seit 2008 den Lehramtsstudiengang Islamische Theologie und Religionspädagogik für die Primarstufe sowie für die Sekundarstufe I an. Er befähigt Absolventinnen und Absolventen islamischen Religionsunterricht an Grundschulen sowie an Hauptschulen und Werkrealschulen, Realschulen und Gemeinschaftsschulen zu unterrichten. Im Fokus stehen die diversitäre islamische Wissenstradition, pädagogische und didaktische Inhalte sowie muslimische Lebenswelten im europäischen Kontext. Da es nicht genügend Lehrerinnen und Lehrer für den islamischen Religionsunterricht gibt, nehmen in Baden-Württemberg derzeit von rund 180.000 Schülerinnen und Schülern mit muslimischem Hintergrund nur circa 6.000 Mädchen und Jungen am islamischen Religionsunterricht teil. Wer sich mit dem Fach „Islamische Theologie/Religionspädagogik“ für den islamischen Religionsunterricht qualifiziert, hat derzeit gute Chancen auf Einstellung. Weitere Infos zum Studiengang sind zu finden auf https://www.ph-karlsruhe.de/studieren/studienangebot.


    Wissenschaftliche Ansprechpartner:

    Jun.-Prof. Dr. Jörg Imran Schröter, Leiter des Instituts für islamische Theologie und Religionspädagogik an der Pädagogischen Hochschule Karlsruhe, E-Mail: joerg.imran.schroeter@ph-karlsruhe.de


    Originalpublikation:

    https://ph-ka.de/irp-studie


    Weitere Informationen:

    https://www.ph-karlsruhe.de/hochschule/organisation/fakultaet-a/institut-fuer-is...


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten, jedermann
    Gesellschaft, Pädagogik / Bildung, Religion
    überregional
    Forschungsergebnisse
    Deutsch


    Auch Moschee-Gemeinden sind Orte gesellschaftlichen Engagements.


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    Jun.-Prof. Dr. Jörg Imran Schröter.


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