Historikerverband verurteilt das Gerichtsurteil gegen den russischen Historiker Jurij Dmitrijew

idw – Informationsdienst Wissenschaft

Nachrichten, Termine, Experten

Grafik: idw-Logo
Thema Corona

idw-Abo
Science Video Project



Teilen: 
30.07.2020 09:49

Historikerverband verurteilt das Gerichtsurteil gegen den russischen Historiker Jurij Dmitrijew

Frank Kell Pressestelle
Verband der Historiker und Historikerinnen Deutschlands e.V.

    Der langwierige Prozess gegen den russischen Historiker Jurij Dmitrijew vor dem Stadtgericht von Petrozavodsk fand am 22. Juli 2020 seinen Abschluss. Dmitrijew wurde zu drei Jahren und sechs Monaten Haft verurteilt. Der Verband der Historiker und Historikerinnen Deutschlands e.V. (VHD) verurteilt dieses unübersehbar politische Verfahren mit Nachdruck.

    Das nicht-öffentliche und seit 2016 andauernde Verfahren gegen den russischen Historiker Jurij Dmitrijew und seine Verurteilung am 22. Juli 2020 zu dreieinhalb Jahren Haft ist zu Recht international kritisiert worden. Der VHD verurteilt dieses unübersehbar politische Verfahren mit Nachdruck. Es ist offensichtlich, dass das quälende und stigmatisierende Vorgehen der russischen Justiz und die lange Untersuchungshaft gegen den Historiker einen Versuch darstellen, die historische Erforschung und Aufarbeitung der Massenerschießungen Stalins, das Gedenken an die Opfer und das Wissen um die Täter zu behindern. Die Forschungen Dmitrijews zu sowjetischen Staatsverbrechen, die Entdeckung von Massengräbern in den Wäldern Kareliens wurden offenbar zunehmend gefährlich. Das belastende Erbe der Stalinzeit wird vom russischen Staat seit einiger Zeit schrittweise umgedeutet. Das wurde auch einem Kollegen und Mitstreiter Dmitrijews zum Verhängnis, dem Historiker Sergej Koltyrin, der in diesem Jahr im April in Haft verstarb.

    Der Versuch, die kritische Aufarbeitung der Vergangenheit zu verhindern und diese im Sinne des eigenen Geschichtsbildes umzuschreiben, ist ein mächtiges und vielbedientes Instrument autoritärer Regimes. Sie schmieden damit nicht nur Argumente für die eigene aktuelle Politik, sondern machen allen Untergebenen unmissverständlich deutlich, dass diese gegenwärtig und zukünftig keine Stimme über die Aushandlung der eigenen Geschichte haben werden und nicht auf Gerechtigkeit hoffen können. Die Gerichtsverfahren zielen deshalb nicht zuletzt auf öffentliche Einschüchterung. Das zeigt einmal mehr, wie wenig selbstverständlich die kritische Erforschung der eigenen Vergangenheit und das offene Aushandeln ihrer Deutung – ein hohes und existentielles Gut für jede Gesellschaft – ist.

    ----

    Der VHD ist das Vertretungsorgan der deutschen Geschichtswissenschaft in der Öffentlichkeit. Kernaufgabe des VHD ist die Veranstaltung des Deutschen Historikertages – eine der größten geisteswissenschaftlichen Konferenzen Europas, zuletzt mit mehr als 4.000 Teilnehmern. Als Interessenvertretung setzt sich der Historikerverband in vielfältiger Weise für die Belange seiner Mitglieder ein und steht als Fachverband im ständigen Dialog mit Hochschulen, hochschulnahen Einrichtungen und der Gesellschaft. Der VHD hat zurzeit etwa 3.300 Mitglieder.

    Verband der Historiker und Historikerinnen Deutschlands e.V.
    Markus Goldbeck (Geschäftsführer) / Frank Kell (Presse- und Öffentlichkeitsarbeit)
    c/o Goethe-Universität Frankfurt am Main
    Tel: 069 - 798 32571 /-72
    E-Mail: goldbeck@historikerverband.de / kell@historikerverband.de

    V.i.S.d.P.: Prof. Dr. Eva Schlotheuber (Vorsitzende) / Prof. Dr. Johannes Paulmann (Schriftführer)


    Weitere Informationen:

    https://www.dekoder.org/de/article/dmitrijew-urteil-schlusswort-gerichtsverfahre...
    https://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/dmitrijew-zu-dreieinhalb-jahren-lage...
    https://www.memorial.de/index.php/7834-jurij-dmitriev-zu-dreieinhalb-jahren-haft...


    Anhang
    attachment icon Pressemitteilung als pdf

    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten, Wissenschaftler, jedermann
    Geschichte / Archäologie, Politik
    überregional
    Wissenschaftspolitik
    Deutsch


    Hilfe

    Die Suche / Erweiterte Suche im idw-Archiv
    Verknüpfungen

    Sie können Suchbegriffe mit und, oder und / oder nicht verknüpfen, z. B. Philo nicht logie.

    Klammern

    Verknüpfungen können Sie mit Klammern voneinander trennen, z. B. (Philo nicht logie) oder (Psycho und logie).

    Wortgruppen

    Zusammenhängende Worte werden als Wortgruppe gesucht, wenn Sie sie in Anführungsstriche setzen, z. B. „Bundesrepublik Deutschland“.

    Auswahlkriterien

    Die Erweiterte Suche können Sie auch nutzen, ohne Suchbegriffe einzugeben. Sie orientiert sich dann an den Kriterien, die Sie ausgewählt haben (z. B. nach dem Land oder dem Sachgebiet).

    Haben Sie in einer Kategorie kein Kriterium ausgewählt, wird die gesamte Kategorie durchsucht (z.B. alle Sachgebiete oder alle Länder).

    Cookies optimieren die Bereitstellung unserer Dienste. Durch das Weitersurfen auf idw-online.de erklären Sie sich mit der Verwendung von Cookies einverstanden. Datenschutzerklärung
    Okay