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18.08.2020 11:30

Jenaer Psychiater sind Forschungspaten für lettisches Institut

Dr. Uta von der Gönna Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Universitätsklinikum Jena

    Ein Wissenschaftlerteam des Universitätsklinikums Jena kooperiert im Rahmen eines von der EU geförderten Widespread-Verbundes mit dem Lettischen Institut für Organische Synthese, das im Bereich der Wirkstoffentwicklung forscht. Gemeinsam mit Forschenden der Universitäten Tübingen und Uppsala sowie dem österreichischen BioTech-Unternehmen Oroboros Instruments führen die Wissenschaftler Workshops und Forschungsprojekte mit den lettischen Kollegen durch. Ziel der Kooperation ist die Integration des baltischen Instituts in internationale Netzwerke und die Vorbereitung von Verbundforschung zum mitochondrialen Fettsäurestoffwechsel im Gehirn.

    Fettsäuren und ihre Abbauprodukte spielen als Zellbausteine und Neurotransmitter eine zentrale Rolle im Gehirnstoffwechsel. Entsprechend sind Störungen des Fettsäurestoffwechsels mit Beeinträchtigungen der Hirnfunktion verbunden. So werden bei psychischen Erkrankungen wie Depression, Demenz oder auch Schizophrenie Stoffwechselveränderungen im Gehirn beobachtet, deren Mechanismen jedoch nur unvollständig verstanden sind. Der Forschungsverbund Fat4Brain interessiert sich besonders für den Zusammenhang von Entzündungsprozessen und Fettsäurestoffwechsel von Mitochondrien, denen als Zellkraftwerken in den besonders energiebedürftigen Nervenzellen eine wesentliche Bedeutung für die psychische Gesundheit zukommt.

    Neben diesem Forschungsziel verfolgt Fat4Brain noch ein weiteres: Im Rahmen dieses von der EU geförderten Widespread-Verbundes will das Lettische Institut für Organische Synthese in Riga an internationale Netzwerke in diesem Forschungsbereich anknüpfen. Dazu hat sich das Institut renommierte Partner gesucht – den Bereich Funktionelle Pharmakologie der Universität Uppsala in Schweden, das Institut für Medizinische Psychologie und Verhaltensneurobiologie der Universität Tübingen, die Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie des Universitätsklinikums Jena und das BioTech-Unternehmen Oroboros Instruments im österreichischen Innsbruck. Geplant sind Methoden-Workshops, Praxiskurse und Trainings, Mentoring und Gastaufenthalte für Nachwuchswissenschaftler in den Partnereinrichtungen.

    Die Jenaer Partner bringen dabei ihre Erfahrung in der translationalen psychiatrischen Forschung ein und werden einen Workshop zur Vorbereitung und Durchführung von klinischen Studien im europäischen Forschungsraum ausrichten. „Wir konnten zum Beispiel wiederholt Anhaltspunkt finden, dass Omega-3-Fettsäuren bei Jugendlichen mit erhöhtem Psychoserisiko positive Effekte auf Symptomatik und Verlauf haben“, nennt Prof. Dr. Stefan Smesny das Ergebnis einer abgeschlossenen Studie, die sich mit der Nahrungsergänzung von Fettsäuren beschäftigte. Zur Erforschung des Hirnstoffwechsels bei psychischen Erkrankungen setzen Jenaer Wissenschaftler die Magnetresonanzspektroskopie als nicht-invasives Bildgebungsverfahren ein.

    Die Verknüpfung von Untersuchungen des Fettsäurestoffwechsels in Mitochondrien mit Fragestellungen zu Entzündungsmechanismen im Kontext psychischer Erkrankungen soll ein neues Forschungsfeld für den Fat4Brain-Verbund erschließen: „Wir beobachten bei diesen Krankheiten Stoffwechselveränderungen, die mit einer verminderten Sauerstoffkonzentration einhergehen und die auch die Wirkung von Medikamenten beeinflussen“, so Prof. Dr. Martin Walter, Direktor der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie. „Bei deren Untersuchung wollen wir insbesondere die Expertise zu Entzündungsmodellen nutzen, die im Jenaer Sepsis- und Infektionsforschungsschwerpunkt vorhanden ist.“

    Die Forschungsarbeit und Weiterbildungen münden in zwei Symposien, in denen die aussichtsreichsten Ansätze aus der funktionell-pharmakologischen und der translationalen Forschung für die Weiterverfolgung in anschließenden Projekten mit Beteiligung der lettischen Partner ausgewählt werden. Auf diese Weise schafft Fat4Brain den Anschluss des Instituts in Riga an die Community der neuropharmakologischen Forschung und trägt zum besseren Verständnis der Mechanismen psychischer Erkrankungen und neuen Behandlungsansätzen bei. Das auf drei Jahre angelegte Projekt wird mit insgesamt 800.000 Euro von der EU gefördert.


    Wissenschaftliche Ansprechpartner:

    Prof. Dr. Martin Walter
    Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Universitätsklinikum Jena
    Tel.: 03641 9390101
    Martin.Walter@med.uni-jena.de


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten
    Ernährung / Gesundheit / Pflege, Medizin, Psychologie
    überregional
    Forschungsprojekte, Kooperationen
    Deutsch


    Prof. Stefan Smesny und Projektmitarbeiterin Dr. Zümrüt Sen diskutieren die Informationen zum Fettstoffwechsel aus einer MR-spektroskopischen Untersuchung.


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