idw – Informationsdienst Wissenschaft

Nachrichten, Termine, Experten

Grafik: idw-Logo
Thema Corona

Imagefilm
Science Video Project
idw-News App:

AppStore



Teilen: 
21.08.2020 12:08

Ernährungspolitik neu denken: Wissenschaftler*innen empfehlen Transformation des Ernährungssystems

Frank Aischmann Kommunikation, Marketing und Veranstaltungsmanagement
Humboldt-Universität zu Berlin

    Prof. Harald Grethe von der Humboldt-Universität zu Berlin übergab heute ein Gutachten des Wissenschaftlichen Beirats für Agrarpolitik und Ernährung beim Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) an Ministerin Julia Klöckner (CDU).

    Unter der Überschrift „Politik für eine nachhaltigere Ernährung: Eine integrierte Ernährungspolitik entwickeln und faire Ernährungsumgebungen gestalten“ weist der Beirat auf den dringend erforderlichen Umbau unseres Ernährungssystems hin, um nationale wie internationale Nachhaltigkeitsziele zu erreichen.

    „Es geht um einen politischen Paradigmenwechsel“, so Harald Grethe, Vorsitzender des Wissenschaftlichen Beirats, „die gegenwärtige Gestaltung unserer Ernährungsumgebungen macht es Konsumenten und Konsumentinnen zu schwer, sich nachhaltiger zu ernähren. Wir benötigen stärkere politische Steuerungsimpulse für die Unterstützung nachhaltigerer Konsumentscheidungen.”

    Die interdisziplinäre Autorengruppe kommt in ihrem Gutachten zu dem Schluss, dass die Verantwortung für einen nachhaltigen Konsum viel zu stark den Konsument*innen aufgebürdet wird, der Einfluss der Ernährungsumgebung, also der Umwelteinflüsse auf Ernährungsentscheidungen, werde hingegen vernachlässigt. Deutschland sei im internationalen Vergleich eher Nachzügler in Bezug auf eine aktive Ernährungspolitik.

    Das Gutachten definiert vier Zieldimensionen nachhaltiger Ernährung: Gesundheit, Soziales, Umwelt und Tierwohl. Die Wissenschaftler plädieren für die Gestaltung „fairer Ernährungsumgebungen“, die also unseren menschlichen Wahrnehmungs- und Entscheidungsmöglichkeiten entsprechen und eine nachhaltigere Ernährung erleichtern.

    Basierend auf dieser Bewertung empfiehlt der Beirat den Einsatz einer Reihe besser aufeinander abgestimmter und deutlich eingriffstieferer politischer Instrumente, als das bisher in Deutschland der Fall ist. Dazu gehören z. B. eine beitragsfreie und qualitativ hochwertige Kita- und Schulverpflegung sowie durch Lenkungssteuern deutliche Preisanreize für eine nachhaltigere Ernährung, ohne einkommensschwache Haushalte zu stark zu belasten.

    „Die so dringend nötige ökologische Transformation wird nur akzeptiert werden, wenn wir sie sozialverträglich gestalten“, so Harald Grethe. „Es ist ärgerlich, wenn in der politischen Debatte etwa um CO2-Steuern oder die Besteuerung des Konsums tierischer Produkte vorgeschoben wird, das sei nicht möglich, weil einkommensschwachen Haushalten nicht zuzumuten. Denn es gibt viele Modelle, um diese einkommensschwachen Haushalte zu entlasten, beispielsweise durch pauschale Transferzahlungen. Ökologische Transformation und soziale Teilhabe können und müssen Hand in Hand gehen.“

    Das Gutachten kommt denn auch zu dem Fazit: Eine umfassende Transformation des Ernährungssystems ist sinnvoll, möglich und sollte umgehend gestartet werden.

    Zur Gestaltung nachhaltiger Ernährungssysteme wird an der Humboldt-Universität sowie in Zusammenarbeit mit Partnern intensiv geforscht. So z.B. in den Projekten „Ernährungs-systeme der Zukunft“ am Thaer-Institut der Humboldt-Universität (Food for Future, Cubes Circle), in weiteren Forschungsprojekten des Thaer-Instituts sowie im Rahmen des Forschungsverbunds Food Berlin.


    Wissenschaftliche Ansprechpartner:

    Prof. Harald Grethe, Thaer-Institut für Agrar- und Gartenbauwissenschaften der HU
    mail: grethe@hu-berlin.de

    Dr. Julia Schmid, Thaer-Institut für Agrar- und Gartenbauwissenschaften der HU
    mail: j.c.schmid@hu-berlin.de


    Originalpublikation:

    https://nachhaltigere-ernaehrung-gutachten.de/


    Weitere Informationen:

    http://Öffentliche Präsentation des Gutachtens durch die Mitglieder des Beirats: 8.9.2020, 10:00 bis 11:30 Uhr.(digital), mit Registrierung: https://uni-goettingen.zoom.us/webinar/register/WN__uvgxpANRFyC_zyUO1eY7Q


    Anhang
    attachment icon PM HU: Ernährungsgutachten des Wissenschaftlichen Beirats an BMEL übergeben

    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten, jedermann
    Ernährung / Gesundheit / Pflege
    überregional
    Forschungs- / Wissenstransfer, Pressetermine
    Deutsch


    Hilfe

    Die Suche / Erweiterte Suche im idw-Archiv
    Verknüpfungen

    Sie können Suchbegriffe mit und, oder und / oder nicht verknüpfen, z. B. Philo nicht logie.

    Klammern

    Verknüpfungen können Sie mit Klammern voneinander trennen, z. B. (Philo nicht logie) oder (Psycho und logie).

    Wortgruppen

    Zusammenhängende Worte werden als Wortgruppe gesucht, wenn Sie sie in Anführungsstriche setzen, z. B. „Bundesrepublik Deutschland“.

    Auswahlkriterien

    Die Erweiterte Suche können Sie auch nutzen, ohne Suchbegriffe einzugeben. Sie orientiert sich dann an den Kriterien, die Sie ausgewählt haben (z. B. nach dem Land oder dem Sachgebiet).

    Haben Sie in einer Kategorie kein Kriterium ausgewählt, wird die gesamte Kategorie durchsucht (z.B. alle Sachgebiete oder alle Länder).