„Liberalismus mit Gemeinsinn“: Philosophischer Buchpreis 2020 geht an Buch über den libanesischen Philosophen N. Nassar

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01.09.2020 13:24

„Liberalismus mit Gemeinsinn“: Philosophischer Buchpreis 2020 geht an Buch über den libanesischen Philosophen N. Nassar

Dr. Ana Honnacker Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Forschungsinstitut für Philosophie Hannover

    Das Buch „Liberalismus mit Gemeinsinn. Die politische Philosophie Nassif Nassars im libanesischen Kontext" (Velbrück Wissenschaft 2019) des Islamwissenschaftlers Michael Frey wird mit dem Philosophischen Buchpreis 2020 ausgezeichnet.

    Das Thema des diesjährigen Buchpreises lautet „Erbe und Zukunft politischer Liberalität“. Nassars „Liberalismus mit Gemeinsinn“ ist „ein Liberalismus, der individuelle Freiheitsrechte ebenso einfordert wie zwischenmenschliche Solidarität“. Nassar geht es um nichts Geringeres als eine „Neubegründung des Liberalismus“. Dabei bezieht er sich auf die Philosophie als „Unruhestifterin“. Nassars Liberalismus ist Ausdruck einer arabischen Philosophie, die sich von der europäischen Moderne inspirieren lässt. Dabei folgt er der Methode der „doppelten Kritik“: Kritik an der eigenen kulturellen Tradition und Kritik an der hegemonialen westlichen Tradition. Diesen Liberalismus entwickelt Nassar vor dem Hintergrund der konfliktreichen gesellschaftlichen Situation des Libanon.
    Frey gelingt es mit seinem Buch, die Potenziale arabischer Philosophie offenzulegen und Nassars Denken als Beitrag globalen Philosophieren auszuweisen. Das Buch ist ein Aufruf an westliche Philosoph*innen, sich endlich mit den Herausforderungen arabischer Philosophie ernsthaft auseinanderzusetzen.

    Dr. Michael Frey studierte Islamwissenschaften und Geschichte in Bern, Damaskus und Beirut. Er ist wissenschaftlicher Assistent am Forum Islam und Naher Osten der Universität Bern und Redakteur des Ueberweg-Projekts.

    Der Preis, der mit 3000 € dotiert ist, wird am Freitag, den 11. September 2020, um 19.30 Uhr im St. Clemenshaus in Hannover durch den Vorstandsvorsitzenden der Stiftung „Forschungsinstitut für Philosophie Hannover“, Prof. Dr. Ulrich Hemel, in einer öffentlichen Feier überreicht. Die Laudatio wird Prof. Dr. Markus Kotzur, Professor für Europa- und Völkerrecht an der Universität Hamburg und geschäftsführender Direktor des Institute for European Integration, Hamburg, halten. Für die Veranstaltung ist eine Anmeldung erforderlich. Ein Zusammenschnitt der Veranstaltung wird über h1 am Dienstag, 22. September 2020, 19 Uhr, ausgestrahlt und auf dem Vimeo-Kanal des Forschungsinstituts (https://vimeo.com/channels/fiph) abrufbar sein.

    Mitglieder der Jury:
    Prof. Dr. Ulrich Hemel (Universität Regensburg), Prof. Dr. Markus Kotzur (Universität Hamburg), Prof. Dr. Armin Nassehi (Ludwig-Maximilians-Universität München), Prof. Dr. Birgit Recki (Universität Hamburg), Prof. Dr. Thomas Schmidt (Universität Frankfurt), PD Dr. Jörg-Dieter Wächter (Universität Hildesheim/Bistum Hildesheim)

    Der Philosophische Buchpreis wird alle zwei Jahre vom Forschungsinstitut für Philosophie Hannover vergeben. Damit möchte das fiph die Aufmerksamkeit auf drängende philosophische Gegenwartsfragen lenken. Die Nominierung der Titel erfolgt durch die Buchverlage. Ausgezeichnet wird jeweils die beste Neuerscheinung der letzten drei Jahre zu einem aktuellen Themenbereich der praktischen Philosophie.

    Frühere Preisträger:

    2010
    Prof. Dr. Andreas Lienkamp (Universität Osnabrück): „Klimawandel und Gerechtigkeit. Eine Ethik der Nachhaltigkeit in christlicher Perspektive“ (Paderborn: Schöningh 2009)

    2012
    Prof. Dr. Avishai Margalit (Hebrew University/Princeton University): „Über Kompromisse und faule Kompromisse“ (Berlin: Suhrkamp 2011)

    2014
    Dr. Sascha Dickel (Technische Universität München): „Enhancement-Utopien. Soziologische Analysen zur Konstruktion des Neuen Menschen“ (Baden-Baden: Nomos 2011)

    2016
    Prof. Dr. Albrecht Koschorke (Universität Konstanz): „Hegel und wir“ (Berlin: Suhrkamp 2015)

    2018
    Dr. Isolde Charim (Wien): „Ich und die Anderen. Wie die neue Pluralisierung uns alle verändert“ (Paul Zsolnay Verlag 2018)

    Ausschreibungstext:

    Freiheit: Erbe und Zukunft politischer Liberalität
    Fundamental für die liberale Demokratie sind Rechtsstaatlichkeit und gelebte Liberalität. Liberalität steht für Freiheitlichkeit und Toleranz. Ohne die Haltung der Liberalität ist Demokratie gefährdet. Ein Mangel an Liberalität offenbart sich nicht zuletzt in Exklusionstendenzen gegenwärtiger öffentlicher Auseinandersetzungen. Angesichts dieser Situation erfordert gelebte Liberalität Mut. Ohne Liberalität wird politischer Liberalismus kraftlos. Sie ist Garant negativer und positiver Freiheit. Aber was zeichnet einen liberalen Habitus aus? Auf welche Grundfähigkeiten ist Liberalität angewiesen? Wie kann Liberalität vor der Versuchung geschützt werden, Freiheit zu halbieren? Welches Freiheitsverständnis ist für politische Liberalität grundlegend – individuelle, soziale oder grenzenlose Freiheit? Gründet politische Liberalität in der Furcht vor Gewalt oder in der Möglichkeit, frei wirtschaften zu können? Wie muss eine politische Liberalität aussehen, die gleichzeitig die Freiheit des Marktes und die Freiheit der Gesellschaft fördern will?
    Nicht bloße Darstellungen philosophischer, kultur- und sozialwissenschaftlicher Forschungen stehen im Zentrum der Preisfrage, sondern ein informiertes Bedenken und Weiterdenken in praktisch-philosophischer Absicht.


    Wissenschaftliche Ansprechpartner:

    Prof. Dr. Jürgen Manemann
    Forschungsinstitut für Philosophie Hannover
    Gerberstr. 26
    30169 Hannover
    Tel. 0511-1640930
    E-Mail: wittkamp@fiph.de


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten, Wissenschaftler
    Gesellschaft, Kulturwissenschaften, Philosophie / Ethik, Politik
    überregional
    Wettbewerbe / Auszeichnungen
    Deutsch


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