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08.09.2020 10:13

Chinesische Investitionen im Ruhrgebiet - Strukturwandel über die »neue Seidenstraße«?

Claudia Braczko Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Institut Arbeit und Technik

    Das Ruhrgebiet als ehemalige Kohle- und Stahlregion hat in den letzten Jahrzehnten im globalen Wettbewerb deutliche Verluste hinnehmen müssen. China dagegen profitiert eindeutig von der Globalisierung. Flankiert von wirtschafts- und außenpolitischen Reformen verzeichnet das Land seit den 1990er Jahren ein rasantes Wirtschaftswachstum. Deutschland wurde in den letzten Jahren ein wichtiges Zielland für chinesische Direktinvestitionen, so auch NRW und das Ruhrgebiet. Das Institut Arbeit und Technik (IAT/Westfälische Hochschule Gelsenkirchen) hat untersucht, ob damit der »technologische Ausverkauf« der Region zu befürchten ist, oder ob chinesische Unternehmen auch neue Impulse setzen können.

    Tausende chinesische Firmen haben in den letzten Jahren Niederlassungen in Deutschland gegründet. Nordrhein-Westfalen ist mit mehr als 1.200 Firmen zum beliebtesten Bundesland für chinesische Investoren geworden. Im Ruhrgebiet haben sich über 200 Firmen aus China niedergelassen, darunter gab es einige große Firmenübernahmen (z.B. ThyssenKrupp Tailored Blanks GmbH, Schwing-Stetter GmbH, Medion, Aluminiumwerke Unna), in der Mehrheit jedoch Klein- und Kleinstunternehmen. Rund 40 Prozent sind in Duisburg angesiedelt. Im Zuge des chinesischen Großprojektes »Belt and Road Initiative« (BRI) ist Duisburg zu einem wichtigen Knotenpunkt geworden. Die BRI soll auf dem Landweg über die »Neue Seidenstraße« und per Schiff auf der »Maritimen Seidenstraße« die Anbindung von Chinas Westen an Europa und Zentralasien deutlich verbessern, um damit langfristig neue Absatzmärkte und kürzere Transporte zu generieren. Im Duisburger Güterbahnhof enden mehrere Güterzugverbindungen zwischen Deutschland und China. Die Ladung wird in Duisburg verschifft oder auf LKW geladen und nach ganz Europa transportiert. So hat sich die Stadt zu einem wichtigen Logistik-Standort für chinesische Firmen entwickelt, aber auch zu einem Hotspot für Firmen im E-Commerce Bereich.

    Wie das IAT anhand von Fallstudien aufzeigt, können einige krisengeplagte Unternehmen durchaus eine positive Bilanz nach fast zehn Jahren chinesischer Beteiligung ziehen. Die große Angst des technologischen Ausverkaufs deutscher »Hidden Champions« nach China bleibt hier unbegründet, so das Autorenteam Alessio Giustolisi und Dr. Judith Terstriep. Ferner zeigten die Entwicklungen rund um die BRI, dass, wenngleich direkte Arbeitsplatzeffekte durch chinesische Firmen im Ruhrgebiet ausbleiben, durchaus wichtige Impulse in einigen Branchen gesendet werden. So investierten chinesische Unternehmen primär in die Branchen Handel und Logistik. Hier ist besonders der Bereich E-Commerce hervorzuheben, eine Branche, die in den letzten Jahren deutlich gewachsen ist und auch in Zukunft zunehmen wird. Die IAT-Autoren: »Es besteht durchaus Potenzial, dass das Ruhrgebiet, nicht zuletzt aufgrund seiner geographischen Lage und neuer infrastruktureller Entwicklungen, zu einem neuen Hub für den Handel zwischen Europa und Asien wird«.


    Wissenschaftliche Ansprechpartner:

    Judith Terstriep, Tel.: 0209/1707-139, terstriep@iat.eu


    Originalpublikation:

    https://www.iat.eu/media/forschung_aktuell_2020-9.pdf


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten, jedermann
    fachunabhängig
    überregional
    Forschungsprojekte, Wissenschaftliche Publikationen
    Deutsch


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