DGTI: Erkrankungen durch Blutreinigung heilen

idw – Informationsdienst Wissenschaft

Nachrichten, Termine, Experten

Grafik: idw-Logo
Thema Corona

idw-Abo
Science Video Project



Teilen: 
15.09.2020 15:09

DGTI: Erkrankungen durch Blutreinigung heilen

Medizin - Kommunikation Medizinkommunikation
Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften e.V.

    Gesund durch Blutreinigung? Wie neue Erkenntnisse in der therapeutischen Apherese helfen können, Erkrankungen zu heilen

    Die therapeutische Apherese, im Volksmund auch Blutreinigung genannt, ermöglicht bei einer Vielzahl von Erkrankungen, das Blut außerhalb des Körpers von krankmachenden Bestandteilen zu befreien. Die bekannteste Form der Blutreinigung ist die Nierenersatztherapie (Dialyse), welche bei Nierenversagen eingesetzt wird. Doch auch bei der Organtransplantation leisten neue Verfahren der Apherese einen wichtigen Beitrag dazu, dass die Empfänger ihre erhaltenen neuen Organe nicht abstoßen, betont die Deutsche Gesellschaft für Transfusionsmedizin und Immunhämatologie e.V. (DGTI).

    Schon im Mittelalter wurde versucht, das Blut durch einen regelmäßigen Aderlass zu reinigen. Die erste moderne „Blutreinigung“ ist die Hämodialyse. Weniger bekannt ist die therapeutische Apherese, welche in der Transfusionsmedizin eine große Bedeutung hat. Die Institute für Transfusionsmedizin verfügen heute über Geräte und Therapieansätze, die gezielt krankhafte Bestandteile aus dem Blut entfernen können. Bei der zumeist mehrstündigen Behandlung wird das Blut durch eine Maschine geleitet, um die kranken von den gesunden Blutbestandteilen zu trennen. Die gesunden erhält der Patient als Infusion zurück, die kranken werden verworfen. „Die therapeutische Apherese ist ein erprobtes und höchst effektives Verfahren mit beeindruckenden klinischen Erfolgen“, sagt Professor Dr. med. Nina Worel vom Medizinischen Universitätscampus Wien, die bei der DGTI die Sektion Präparative und therapeutische Hämapherese leitet.

    Eines der Einsatzgebiete der therapeutischen Apherese ist die Transplantationsmedizin.
    Bei einer Blutgruppenunverträglichkeit zwischen potentiellem Organspender und Organempfänger kann es zu Abwehrreaktionen kommen. „Die Antikörper können das transplantierte Organ dann angreifen und es sogar zerstören“, erläutert Worel.

    Damit dieser Fall nicht eintritt, kamen früher nur Blutgruppen-gleiche oder Blutgruppen-verträgliche Organe für eine Transplantation in Frage. Durch eine Aufreinigung des gesamten Plasmas des Empfängers können aber Blutgruppen-Antikörper entfernt werden. „Ein Plasmaaustausch ist zeitaufwändig, aber mit relativ geringem Risiko behaftet“, sagt Worel.

    Heute besteht die Möglichkeit, viel effizienter und auch gezielt diejenigen Antikörper, die gegen Blutgruppen- oder Gewebemerkmale auf transplantierten Organen gerichtet sind, aus dem Blut zu entfernen. Mit Medikamenten lässt sich zudem verhindern, dass neue Antikörper gebildet werden. Professor Worel ist fest überzeugt: „Die Kombination aus therapeutischer Apherese und Medikamenten trägt dazu bei, das Langzeitüberleben nach einer Organtransplantation weiter zu verbessern.“

    Die gezielte Entfernung der Antikörper erfolgt in den Apherese-Geräten mit sogenannten Immunabsorbern, durch die das Plasma der Patienten geleitet wird. Diese Immunabsorber können Transfusionsmediziner heute zur Behandlung verschiedener Krankheitsbilder einsetzen. „Eine therapeutische Apherese ist heute bei der Multiplen Sklerose und anderen Autoimmunerkrankungen möglich, bei denen Antikörper körpereigene Strukturen angreifen“, sagt Worel.

    Derzeit erproben Experten auch den Einsatz von Immunabsorbern bei Allergien, indem sie die verantwortlichen IgE-Antikörper entfernen. „Wegen des hohen technischen Aufwands kommen die Immunabsorber allerdings nur zum Einsatz, wenn mit Medikamenten keine Wirkung erzielt wird“, schränkt Professor Worel die derzeitige Anwendungsmöglichkeit ein. „Insgesamt ist die therapeutische Apherese ein wichtiger Bestandteil im Behandlungsrepertoire der modernen Transfusionsmedizin.“

    ***Bei Abdruck Beleg erbeten***

    Über die DGTI: http://www.dgti.de

    ****************************************************************

    Terminhinweis:

    53. Jahrestagung der DGTI
    Termin: 16. bis 18. September 2020
    Ort: online, Anmeldung per Mail an schoeffmann@medizinkommunikation.org

    ***************************************************************

    Ihr Kontakt für Rückfragen:
    Sabrina Hartmann
    Deutsche Gesellschaft für Transfusionsmedizin und Immunhämatologie (DGTI)
    Pressestelle
    Postfach 33 11 20 | 70451 Stuttgart
    Telefon: 0711 8931-649
    hartmann@medizinkommunikation.org
    https://www.dgti-kongress.de/


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten
    Ernährung / Gesundheit / Pflege, Medizin
    überregional
    Buntes aus der Wissenschaft, Forschungs- / Wissenstransfer
    Deutsch


    Hilfe

    Die Suche / Erweiterte Suche im idw-Archiv
    Verknüpfungen

    Sie können Suchbegriffe mit und, oder und / oder nicht verknüpfen, z. B. Philo nicht logie.

    Klammern

    Verknüpfungen können Sie mit Klammern voneinander trennen, z. B. (Philo nicht logie) oder (Psycho und logie).

    Wortgruppen

    Zusammenhängende Worte werden als Wortgruppe gesucht, wenn Sie sie in Anführungsstriche setzen, z. B. „Bundesrepublik Deutschland“.

    Auswahlkriterien

    Die Erweiterte Suche können Sie auch nutzen, ohne Suchbegriffe einzugeben. Sie orientiert sich dann an den Kriterien, die Sie ausgewählt haben (z. B. nach dem Land oder dem Sachgebiet).

    Haben Sie in einer Kategorie kein Kriterium ausgewählt, wird die gesamte Kategorie durchsucht (z.B. alle Sachgebiete oder alle Länder).

    Cookies optimieren die Bereitstellung unserer Dienste. Durch das Weitersurfen auf idw-online.de erklären Sie sich mit der Verwendung von Cookies einverstanden. Datenschutzerklärung
    Okay