idw – Informationsdienst Wissenschaft

Nachrichten, Termine, Experten

Grafik: idw-Logo
Thema Corona

Science Video Project
idw-Abo

idw-News App:

AppStore

Google Play Store



Magazin
Teilen: 
24.09.2020 09:41

IWM und Universität Tübingen weisen Kritik des Vereins Digitalcourage zurück

Simone Falk von Löwis of Menar Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Leibniz-Institut für Wissensmedien

    Stellungnahme zu „Big Brother Award“ – „Keine Forschungsprojekte, die auf eine Totalüberwachung von Schülerinnen und Schülern abzielen“

    Der Verein Digitalcourage e.V. hat dem Leibniz-WissenschaftsCampus Tübingen (WCT) am 18. September den so genannten Big Brother Award in der Kategorie Bildung verliehen. Bei dem Award handelt es sich um einen Negativpreis für „Datensünder”, der jährlich an Behörden, Personen, Unternehmen und Organisationen verliehen wird.

    Den beteiligten Forscherinnen und Forschern des Leibniz-Instituts für Wissensmedien (IWM) und der Universität Tübingen wird dabei unter anderem vorgeworfen, sie arbeiteten an einer Technik, die eine vollständige Überwachung des Lernverhaltens von Schülerinnen und Schülern im Unterricht mit Hilfe von EEG und Eyetracking möglich mache. Darüber hinaus wird den Forscherinnen und Forschern vorgeworfen, sie würden Bildung einer „maschinell überprüfbaren Leistung“ opfern. Es drohe eine „Dressur mittels Lernsoftware“. Die Rolle von Lehrerinnen und Lehrern werde abgewertet.

    IWM und Universität Tübingen weisen diese Vorwürfe als falsch zurück. „Es gab und gibt an beiden Einrichtungen keine Forschungsprojekte, die auf eine Totalüberwachung und Dressur von Schülerinnen und Schülern im täglichen Unterricht abzielen“, sagte die Direktorin des Leibniz-Instituts, Professorin Ulrike Cress: „Derartige Projekte würden nicht nur unserem Menschenbild, sondern auch unserer Vorstellung von gutem Unterricht diametral widersprechen.“ Der Rektor der Universität Tübingen, Professor Bernd Engler, betonte: „Ziel unserer Universität ist es, angehenden Lehrerinnen und Lehrern das notwendige Rüstzeug für guten Unterricht an die Hand zu geben. Dazu aber ist es wichtig zu verstehen, wie guter Unterricht gelingen kann.“

    Am Leibniz-Institut für Wissensmedien und der Universität Tübingen wird in zahlreichen Projekten erforscht, welche Elemente auf dem Weg zu guter Bildung eine wesentliche Rolle spielen. „Hierzu sind Erkenntnisse aus der Neurowissenschaft und der Kognitionspsychologie ebenso von Bedeutung wie die Entwicklung digitaler Lernmedien und eine wissenschaftlich fundierte Fachdidaktik“, sagte der Leiter der Arbeitsgruppe Multimodale Interaktion am IWM, Professor Peter Gerjets: „Um die Frage beantworten zu können, wie Bildung gelingen kann, sind wir auf belastbare Daten angewiesen. In diesem Zusammenhang helfen uns technische Verfahren wie EEG, Eyetracking oder Kamerabeobachtung wesentlich dabei zu verstehen, wie guter Unterricht funktioniert.“

    Der Direktor des Hector-Instituts für Empirische Bildungsforschung, Professor Ulrich Trautwein, sagte, die Kritiker gingen von einer falschen Vorstellung der Tübinger Projekte sowie guten Unterrichts aus: „Wir sind uns alle einig, dass wir Schülerinnen und Schüler darin stärken müssen, selbstreguliert zu lernen und bestmögliche Teilhabe an einer demokratischen, lebenswerten Gesellschaft zu erwerben“. Nachgewiesenermaßen scheiterten Schule und Unterricht jedoch viel zu oft an diesem Anspruch. Die Forschung der vergangenen Jahre habe deutlich aufgezeigt, an welchen Stellen im Schulalltag Hürden existieren, die guten Unterricht insbesondere auch für leistungsschwächere Schülerinnen und Schüler erschweren. „Eine fundamentale Erkenntnis: Viele Lehrkräfte erkennen nicht, woran das Lernen bei einzelnen Schülerinnen und Schülern oder ganzen Klassen scheitert, und sie nutzen zu selten individuelles Feedback, nicht nur in Corona-Zeiten.“ Die Tübinger Arbeiten erforschen in diesem Sinne letztlich, wie Lehrkräfte darin gestärkt werden können, pädagogisch sinnvoll auf die Lernsituation von Kindern und Jugendlichen einzugehen, um allen ein möglichst selbstreguliertes und gelingendes Lernen zu ermöglichen – mit oder ohne Unterstützung durch digitale Medien.


    Wissenschaftliche Ansprechpartner:

    Professor Peter Gerjets
    Leibniz-Institut für Wissensmedien
    Arbeitsgruppe Multimodale Interaktion
    Telefon +49 7071 979-219
    p.gerjets<at>iwm-tuebingen.de

    Professor Ulrich Trautwein
    Universität Tübingen
    Hector-Institut für Empirische Bildungsforschung
    Telefon +49 7071 29-73931
    ulrich.trautwein<at>uni-tuebingen.de


    Bilder

    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten, Wissenschaftler
    Gesellschaft
    überregional
    Forschungsprojekte
    Deutsch


     

    Hilfe

    Die Suche / Erweiterte Suche im idw-Archiv
    Verknüpfungen

    Sie können Suchbegriffe mit und, oder und / oder nicht verknüpfen, z. B. Philo nicht logie.

    Klammern

    Verknüpfungen können Sie mit Klammern voneinander trennen, z. B. (Philo nicht logie) oder (Psycho und logie).

    Wortgruppen

    Zusammenhängende Worte werden als Wortgruppe gesucht, wenn Sie sie in Anführungsstriche setzen, z. B. „Bundesrepublik Deutschland“.

    Auswahlkriterien

    Die Erweiterte Suche können Sie auch nutzen, ohne Suchbegriffe einzugeben. Sie orientiert sich dann an den Kriterien, die Sie ausgewählt haben (z. B. nach dem Land oder dem Sachgebiet).

    Haben Sie in einer Kategorie kein Kriterium ausgewählt, wird die gesamte Kategorie durchsucht (z.B. alle Sachgebiete oder alle Länder).