Herzklappen-Innovation in Bad Oeynhausen

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25.09.2020 13:07

Herzklappen-Innovation in Bad Oeynhausen

Anna Reiss Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Universitätsklinik der Ruhr-Universität Bochum - Herz- und Diabeteszentrum NRW Bad Oeynhausen

    Schonendes Schlüssellochverfahren: Herzspezialisten am Herz- und Diabeteszentrum NRW (HDZ NRW), Bad Oeynhausen, führen erstmals einen Mitralklappenersatz mittels Katheterverfahren durch

    Die Undichtigkeit der Mitralklappe (Mitralklappeninsuffizienz) ist einer der häufigsten erworbenen Herzklappenfehler. In Deutschland sind schätzungsweise fast eine Million Menschen betroffen. Über lange Zeit konnte die Mitralklappe nur durch eine Herzoperation repariert oder ersetzt werden.
    „Dabei können die Chirurgen in vielen Fällen auf eine Durchtrennung des Brustbeines verzichten und die Mitralklappe über einen kleinen Schnitt seitlich am rechten Brustkorb operieren“, so Prof. Gummert, Direktor der Klinik für Thorax- und Kardiovaskularchirurgie am HDZ NRW.
    In den letzten Jahren hat sich für Risiko - Patienten die kathetergestützte Klappenrekonstruktion mit dem sogenannten MitraClip-Verfahren bewährt. Das HDZ NRW bietet jetzt als derzeit einzige Klinik in Ostwestfalen-Lippe mit dem kathetergestützten Mitralklappenersatz eine weitere Therapiemethode an, die besonders älteren Patienten mit schweren Begleiterkrankungen eine deutlich bessere Lebensqualität verspricht.

    „Im Falle eines notwendigen Klappenersatzes entscheidet im HDZ NRW ein Herzteam aus Herzchirurgen und Kardiologen gemeinsam über das am besten geeignete Verfahren“, erläutert Professor Dr. Volker Rudolph, Direktor der Klinik für Allgemeine und Interventionelle Kardiologie und Angiologie. Die Oberärzte Prof. Dr. Sabine Bleiziffer (Herzchirurgie) und Dr. Kai Friedrichs (Interventionelle Kardiologie) führten erstmals einen kathetergestützten Mitralklappenersatz im Hybrid-OP des HDZ NRW bei einer 86-jährigen Patientin und einem 82-jährigen Patienten durch. Beide haben das jeweils etwa anderthalbstündige Verfahren gut überstanden und werden voraussichtlich in der nächsten Woche entlassen werden. „Eine Operation am offenen Herzen mit Einsatz der Herz-Lungen-Maschine wäre mit zu großen Risiken verbunden gewesen“, betonen die Herzspezialisten.

    Die neue Ersatz-Mitralklappe wird mit Hilfe eines Katheters durch einen kleinen Schnitt seitlich am Brustkorb in das Herz eingeführt und an Stelle der undichten Mitralklappe zwischen dem linken Vorhof und der linken Kammer des Herzens entfaltet. Ein an der Katheterklappe befestigtes Halteband hält die Klappe in Position. „Auf eine Herzlungenmaschine verzichten zu können, ist ein großer Vorteil dieses Verfahrens“, betonen Prof. Bleiziffer und Dr. Friedrichs.

    Der Transkatheter-Mitralklappen-Ersatz (TendyneTM, Hersteller Abbott) steht seit Anfang des Jahres für den klinischen Einsatz in Europa zur Verfügung. Er ist laut Hersteller die erste Behandlungsmöglichkeit dieser Art, um bei Patienten ohne Eingriff am offenen Herzen sowie bei nicht möglicher Transkatheter-Mitralklappenreparatur die Mitralklappe zu ersetzen und somit eine Verbesserung der Symptomatik und Lebensqualität zu erreichen.

    In Nordrhein-Westfalen wird das Verfahren aktuell nur an drei Zentren angeboten. Das Herz- und Diabeteszentrum NRW (HDZ NRW) in Bad Oeynhausen bietet als eines der größten Herzklappenzentren in Deutschland mit 2.000 konventionellen und kathetergestützten Herzklappen-Eingriffen bei Patienten aller Altersstufen das gesamte Spektrum zur Behandlung von Klappenerkrankungen an.

    Eine defekte Klappenfunktion beschreibt Professor Rudolph so: „Wenn eine Herzklappe aufgrund einer Erkrankung, Degeneration oder eines Geburtsfehlers nicht richtig schließt, muss das Herz dauerhaft mehr Kraft aufwenden, um das zurückfließende Blut durch den Körper zu pumpen. Müdigkeit, Kurzatmigkeit und eine Verschlechterung der Herzfunktion sind die Folgen. Medikamente können die zugrundeliegende Ursache allerdings nicht beheben. Daher raten wir in aller Regel zu einer Rekonstruktion oder einem Klappenersatz, der je nach Art und Schwere der Undichtigkeit immer eine individuelle Beratung durch ein erfahrenes Herzteam erfordert und nur an ausgewiesenen Zentren durchgeführt werden sollte.“


    Wissenschaftliche Ansprechpartner:

    Prof. Dr. Jan Gummert, Ärztlicher Direktor und Direktor der Thorax- und Kardiovaskularchirurgie
    Prof. Dr. Volker Rudolph, Direktor der Klinik für Allgemeine und Interventionelle Kardiologie und Angiologie
    Herz- und Diabeteszentrum NRW, Bad Oeynhausen
    Universitätsklinik der Ruhr-Universität Bochum


    Weitere Informationen:

    http://www.hdz-nrw.de


    Anhang
    attachment icon Pressemitteilung HDZ NRW vom 25.09.2020

    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten, jedermann
    Ernährung / Gesundheit / Pflege, Medizin
    überregional
    Buntes aus der Wissenschaft, Forschungs- / Wissenstransfer
    Deutsch


    Den Eingriff im Hybrid-OP-Saal des HDZ NRW führten Dr. Kai Friedrichs und Prof. Dr. Sabine Bleiziffer durch


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