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12.10.2020 16:00

Erwin-Schrödinger-Preis 2020 geht ans Helmholtz Zentrum München

Verena Schulz Kommunikation
Helmholtz Zentrum München - Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt

    Wissenschaftler des Helmholtz Zentrums München erhalten den diesjährigen Erwin-Schrödinger-Preis für ihre Bemühungen, Parasitenkrankheiten wie die Chagas-Krankheit mit einem neuen Wirkstoff zu heilen. Dafür arbeiten sie mit Wissenschaftlern der Universität Bochum zusammen, mit denen sie sich den mit 50.000 Euro dotierten Preis teilen. In diesem Jahr fand die Verleihung virtuell auf der Jahrestagung der Helmholtz-Gemeinschaft statt.

    Zum Video über das Gewinnerprojekt: https://www.youtube.com/watch?v=tyMDj6AE6WY&feature=youtu.be

    Parasitenkrankheiten wie die Chagas-Krankheit nehmen weltweit zu. Ursprünglich in tropischen Regionen beheimatet, breiten sie sich zunehmend in kühleren Gebieten wie Nordamerika und Europa aus. Gegenwärtig gibt es keine Heilungsmöglichkeiten und verfügbare Medikamente linderen die Symptome nur mit starken Nebenwirkungen.

    Bei der Chagas-Krankheit stechen Raubwanzen Menschen in die Haut und übertragen den Parasiten über die Stichwunde. Nach der ersten Infektion, bricht die Chagas-Krankheit oftmals erst nach einer langen Latenzzeit (Jahre bis Jahrzehnte) aus. Zunächst äußert sie sich durch grippeähnliche Symptome, kann jedoch durch Komplikationen am Herzen und im Magen-Darm-Bereich bis zum Tod führen. In manchen Fällen kommt es noch viele Jahre später zu Komplikationen wie Herzmuskelentzündungen. Größte Herausforderung ist es, Infizierte ohne Symptome ausfindig zu machen und frühzeitig zu behandeln. Die Krankheit kann sich auch zwischen Menschen über Kontakt mit Blut von Infizierten übertragen.

    Erste Erfolge gegen Parasitenkrankheiten
    Die Strukturbiologen des Helmholtz Zentrums München Prof. Dr. Michael Sattler und Dr. Grzegorz Popowicz, der Chemiker Dr. Maciej Dawidowski (jetzt Universität Warschau) sowie die Zellbiologen Prof. Dr. Ralf Erdmann und Dr. Vishal Kalel der Universität Bochum forschen seit Jahren interdisziplinär an der Entwicklung eines neuen Medikamentes gegen Parasitenkrankheiten wie Chagas.

    Dabei feierte das Forschungsteam bereits erste Erfolge: In einem neuen therapeutischen Ansatz entwickelten die Wissenschaftler ein kleines Molekül, das zielgerichtet Proteine des Chagas-Parasiten blockiert, die für dessen Zuckerstoffwechsel verantwortlich sind, und den Parasiten somit abtötet. Um am Menschen zum Einsatz zu kommen, muss der Wirkstoff weiterentwickelt und letztendlich auf seine Wirksamkeit und Sicherheit in klinischen Studien getestet werden. Der neue Ansatz sollte auch die Bekämpfung weitere Parasitenkrankheiten wie Leishmanosen oder der afrikanischen Schlafkrankheit ermöglichen.

    Mit interdisziplinärer Grundlagenforschung zum Ziel
    „Interdisziplinäre Grundlagenforschung gehört zum Grundverständnis der Helmholtz-Gemeinschaft. Als Teil dieser wollen wir die großen und drängenden Probleme unserer Gesellschaft lösen. Dazu zählen auch die Parasitenerkrankungen“, sagt Popowicz. „Mit zunehmender Globalisierung und in Hinblick auf den Klimawandel werden Parasitenkrankheiten immer häufiger und in mehreren Regionen der Welt auftreten“, ergänzt Erdmann.

    „Wirkstoffforschung kann nur interdisziplinär erfolgen. Man braucht Expertise aus Biologie, Chemie, Medizin und vielen weiteren Bereichen. Diese Zusammenarbeit ist ein gutes Beispiel dafür und könnte vielleicht in nicht allzu ferner Zukunft eine effiziente und sichere Therapie für Chagas und verwandte Parasitenkrankheiten liefern“, sagt Sattler.

    „Ich gratuliere den fünf Preisträgern herzlich. Mit ihrem interdisziplinären Ansatz leisten sie einen wichtigen Schritt bei der Bekämpfung von Parasitenkrankheiten“, sagt Otmar D. Wiestler, Präsident der Helmholtz-Gemeinschaft. „Nun geht es darum, diese exzellente Arbeit in die medizinische Anwendung zu bringen – als Wirkstoff, der Millionen Menschen auf der ganzen Welt helfen könnte. Diese Verbindung von Grundlagenforschung und klinischer Praxis ist ein wichtiges Element der Helmholtz-Spitzenforschung.“

    Prof. Matthias Tschöp, wissenschaftlicher Geschäftsführer am Helmholtz Zentrum München: „An unserem Forschungszentrum arbeiten Hunderte herausragender Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus mehr als 70 Nationen an neuen Lösungen für eine gesündere Gesellschaft in dieser sich rasch verändernden Welt. Der Durchbruch von Professor Sattler und seinem Team ist ein Paradebeispiel dafür, was möglich ist, wenn Forschende von Weltrang disziplinübergreifend zusammenarbeiten. Mithilfe modernster Technologie und Infrastruktur machen sie transformative Entdeckungen, die ein gemeinsames Ziel verfolgen: die Prävention und Heilung umweltbedingter Krankheiten.”

    Über den Erwin-Schrödinger-Preis
    Mit dem Erwin-Schrödinger-Preis – dem Wissenschaftspreis des Stifterverbandes würdigen die Helmholtz-Gemeinschaft und der Stifterverband herausragende wissenschaftliche oder technisch innovative Leistungen, die in Grenzgebieten zwischen verschiedenen Fächern der Medizin, Natur- und Ingenieurwissenschaften erzielt worden sind und an denen Vertreter mindestens zweier Fachrichtungen mitgewirkt haben. www.stifterverband.org & www.helmholtz.de

    Helmholtz Zentrum München
    Das Helmholtz Zentrum München verfolgt als Forschungszentrum die Mission, personalisierte medizinische Lösungen zur Prävention und Therapie von umweltbedingten Krankheiten für eine gesündere Gesellschaft in einer sich schnell verändernden Welt zu entwickeln. Der Hauptsitz des Zentrums liegt in Neuherberg im Norden Münchens. Das Helmholtz Zentrum München beschäftigt rund 2.500 Mitarbeitende und ist Mitglied der Helmholtz-Gemeinschaft, der größten Wissenschaftsorganisation Deutschlands mit mehr als 40.000 Mitarbeitenden in 19 Forschungszentren.


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten, Studierende, Wissenschaftler
    Biologie, Medizin
    überregional
    Wettbewerbe / Auszeichnungen
    Deutsch


    Prof. Michael Sattler


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    Prof. Michael Sattler und Dr. Grzegorz Popowicz


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