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12.10.2020 16:14

Aus der Corona-Pandemie für die Eindämmung anderer Infektionen lernen

Karola Neubert Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Deutsches Zentrum für Infektionsforschung

    Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler fordern ein konsequentes Umdenken in der Bekämpfung von Krankenhausinfektionen durch multiresistente Bakterien

    Krankenhausinfektionen nehmen seit Jahren stetig zu und fordern jährlich hunderttausende vermeidbarer Todesopfer. Die Ursache sind vor allem Bakterien, die gegen mehrere Antibiotika resistent geworden sind. Trotz alarmierender Zahlen ist das Thema Antibiotikaresistenz bisher jedoch in der Politik ohne Priorität geblieben. Das muss sich ändern, mahnen Experten aus dem Deutschen Zentrum für Infektionsforschung (DZIF) und anderen internationalen Forschungseinrichtungen in der aktuellen Ausgabe von Lancet Infectious Diseases und rufen zu einem Richtungswechsel auf. Obwohl COVID-19 durch Viren verursacht wird, könne man aus der Erfahrung mit der Pandemie viel für das Management und die Behandlung bakterieller Infektionskrankheiten übernehmen.

    „Wir haben uns zu sehr daran gewöhnt, dass durch unzureichende Hygiene, zu geringes Wissen über die Ausbreitungswege der Erreger, mangelnde ärztliche Ausbildung und fehlendes Interesse der Pharmaindustrie an Antibiotikaforschung viele unserer Risikopatienten schwer erkranken und sterben.“ Mit dieser Mahnung wollen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler um Prof. Maria Vehreschild (Köln), Prof. Andreas Peschel (Tübingen), Prof. Evelina Tacconelli (Verona/Tübingen) und Prof. Christian Giske (Stockholm) eine breite Diskussion anstoßen. Maria Vehreschild, Evelina Tacconelli und Andreas Peschel forschen auch gemeinsam im DZIF-Schwerpunkt „Krankenhauskeime und Antibiotika-resistente Bakterien“.

    „Mit vergleichsweise geringem Aufwand könnten große Fortschritte in der Eindämmung von Krankenhausinfektionen erzielt werden“, so die Überzeugung der Wissenschaftler in ihrem Meinungsbeitrag in der Fachzeitschrift. „Die Frage, mit welchem Engagement und welchen Ressourcen wir lebensbedrohliche, aber vermeidbare Infektionskrankheiten über COVID-19 hinaus künftig behandeln, wird immer drängender.“

    Das Team aus Infektionsmedizinern und Wissenschaftlern des DZIF, des Tübinger Exzellenzclusters Controlling Microbes to Fight Infections (CMFI) und renommierter Forschungseinrichtungen anderer Länder hat hiermit einen an die weltweite Öffentlichkeit gerichteten Aufruf zu einem Paradigmenwechsel im Umgang mit Krankenhausinfektionen gestartet. Obwohl die Risikogruppen für COVID-19 und für Krankenhausinfektionen fast deckungsgleich sind, werde das Thema der Antibiotikaresistenzen seit Jahren sträflich vernachlässigt, so das Team, es mangele bislang an der nötigen gesellschaftlichen Wahrnehmung.

    „Die Corona-Pandemie hat die Infektionskrankheiten zu einem Thema der Politik gemacht. „Wir sollten nach Corona nicht wieder zur Tagesordnung zurückkehren, sondern auch bei anderen schweren, aber vermeidbaren Infektionserkrankungen eine neue Richtung einschlagen“, betont DZIF-Wissenschaftlerin Maria Vehreschild, die den Aufruf mit verfasst hat. Die Verfasser sind davon überzeugt, dass mit vergleichsweise geringem Aufwand große Fortschritte in der Eindämmung von Krankenhausinfektionen erzielt werden können.

    Veröffentlichung
    Vehreschild MJGT, Tacconelli E, Giske CG, Peschel A:
    Beyond COVID-19 – a paradigm shift in infection management?
    Lancet Infectious Diseases, 9.10.2020, DOI: https://doi.org/10.1016/S1473-3099(20)30789-1


    Wissenschaftliche Ansprechpartner:

    Prof. Maria Vehreschild: maria.vehrschild@uk-koeln.de
    Prof. Andreas Peschel: andreas.peschel@uni-tuebingen.de


    Originalpublikation:

    Vehreschild MJGT, Tacconelli E, Giske CG, Peschel A:
    Beyond COVID-19 – a paradigm shift in infection management?
    Lancet Infectious Diseases, 9.10.2020, DOI: https://doi.org/10.1016/S1473-3099(20)30789-1


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten
    Medizin
    überregional
    Wissenschaftliche Publikationen
    Deutsch


    Gefürchtet: Carbapenem-resistente Enterobakterien


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