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06.11.2020 08:06

ERC Synergy Grant für Uni Hohenheim: Kommunikationsprozesse zwischen Pflanzenzellen

Florian Klebs Hochschulkommunikation
Universität Hohenheim

    Hohe Auszeichnung des Europäischen Forschungsrats (ERC) / 10 Mio. Euro für vier Forschungsteams / eines davon leitet Prof. Dr. Waltraud Schulze an der Uni Hohenheim

    Prof. Dr. Waltraud Schulze wird gemeinsam mit Prof. Dr. Wolf B. Frommer und Prof. Dr. Rüdiger Simon von der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf (HHU) und Prof. Dr. Wolfgang Baumeister, Max-Planck-Institut für Biochemie (MPIB) in Martinsried, vom Europäischen Forschungsrat (European Research Council, ERC) gefördert. Mit über 10 Millionen Euro wird nun für die nächsten sechs Jahre das Projekt „SymPore – Plasmodesmata as Symplasmic Pores for Plant Cell-to-Cell Communication“ umgesetzt. Die Mission des Synergy-Projekts ist die Aufklärung von Struktur und Funktion der bisher wenig verstandenen Zell-Zell-Verbindungen von Pflanzen, den sogenannten Plasmodesmata.

    In einem Organismus, der aus vielen differenzierten Zellen aufgebaut ist, die jeweils unterschiedliche Aufgaben erledigen, müssen Zellen miteinander kommunizieren und Stoffe austauschen. Nur so können sie ihre Aufgaben zum Nutzen des Gesamtorganismus untereinander abstimmen.

    Bei Tieren geschieht dies teilweise über Proteinkomplexe, die Zell-verbindende selektive Kanäle ausbilden, sogenannte Gap Junctions. Dagegen sind Plasmodesmata wesentlich komplexer: „Plasmodesmata spielen eine wichtige Rolle, wenn photosynthetische Produkte vom Blatt aus in der Pflanze verteilt werden, und sie sind essenziell bei der Steuerung von Entwicklungsprozessen, wie Blütenbildung oder der Entstehung von Wurzelhaaren“, erklärt Prof. Dr. Schulze. „Somit ist das Verständnis über die Funktionsweise von Plasmodesmata ein besonders wichtiger Baustein, wenn wir verstehen wollen wie Ertrag entsteht oder wie die Pflanze Entwicklungssignale und Information aus der Umwelt integriert.“ Auch Pflanzenviren nutzen Plasmodesmata, um sich von einer Zelle in die nächste zu verbreiten.

    Doch wie das genau das alles geschieht ist bisher unbekannt. Dies liegt nicht zuletzt daran, dass Plasmodesmata auf der einen Seite zu klein selbst für moderne Mikroskopieverfahren sind, gleichzeitig zu groß und zu komplex für die übliche Strukturaufklärung. Sie haben einen Durchmesser zwischen 50 und 160 Nanometern, und sind damit kleiner als die Auflösungsgrenze optischer Mikroskope. Auch herkömmliche Elektronenmikroskope können diese hochkomplexen Strukturen nur unzureichend abbilden.

    Vier Forschungsteams ziehen an einem Strang

    Um diese faszinierenden Strukturen zu verstehen haben sich die vier Arbeitsgruppen unter dem Namen SymPore („Plasmodesmata as Symplasmic Pores for Plant Cell-to-Cell Communication“) zusammengeschlossen und werden unter Kombination unterschiedlichster modernster Methoden in den kommenden sechs Jahren in enger Zusammenarbeit die Struktur, den Aufbau und die Funktionsweise der Plasmodesmata entschlüsseln.

    Die Arbeitsgruppe um Prof. Dr. Waltraud Schulze von der Universität Hohenheim wird die „Bauteile“ der Plasmodesmata identifizieren. Dazu gehören neben Proteinen auch Lipide. Die genauen Komponenten, aus denen die Plasmodesmata bestehen, sind weitgehend unbekannt. „Um die Struktur und Funktion der Plasmodesmata zu verstehen, ist es also erst einmal wichtig zu wissen, was für Proteine und Lipide überhaupt beteiligt sind und wie sie miteinander interagieren“, so Prof. Dr. Schulze.

    Die Vorarbeiten dazu ermöglicht hat die Auszeichnung der Wissenschaftlerin mit dem Forschungspreis „Freiräume für die Forschung“ der Gips-Schüle Stiftung im Jahr 2018. „Der Gips-Schüle Forschungspreis hat mir die nötige Flexibilität gegeben, ein neues Forschungsfeld zu eröffnen und die nötigen Vorarbeiten zu leisten“, betont Prof. Dr. Schulze.

    An der HHU konzentrieren sich die Arbeitsgruppen von Prof. Dr. Simon auf die Erstellung einer Blaupause: wo sind die Bestandteile der Plasmodesmata räumlich und zeitlich lokalisiert. Prof. Dr. Frommer, der Sprecher der Gruppe, entwickelt mit Hilfe ausgeklügelter Biosensortechnologie neue Methoden, um die Funktion der Plasmodesmata in lebenden Pflanzen sichtbar zu machen.

    Prof. Dr. Baumeister und seine Mitarbeiter vom MPIB in Martinsried sind weltweit führend in der Aufklärung komplexer Strukturen mit höchster Auflösung – bis hinunter zu einzelnen Molekülen – durch Kryoelektronentomographie. Neueste Verfahren, die von Prof. Dr. Baumeister am MPIB entwickelt wurden, sollen hier jetzt den Durchbruch schaffen und so zu einem strukturellen Gesamtbild der Plasmodesmata verhelfen.

    Das Team ist sich einig: „Nur gemeinsam kann es uns gelingen ein Gesamtbild der Struktur und Funktion von Plasmodesmata zu erarbeiten. Diese Zusammenarbeit wird uns nun durch den Europäischen Forschungsrat mit einem Synergy-Grant ermöglicht!“

    HINTERGRUND: ERC Synergy Grants

    ERC Synergy Grants sind ein sehr hoch dotiertes Förderinstrument in Europa. Sie ermöglichen einem Team von Spitzenforschern, komplementäre Fähigkeiten, Ideen und Wissen und Infrastrukturen zusammenzubringen, um gemeinsam einige der spannendsten und kompetitivsten Fragen der modernen Wissenschaft zu erforschen. Synergy-Grants sind hochkompetitiv, von 441 eingereichten Anträgen werden 2020 nur 34 gefördert.

    Text: Claussen (HHU) / Elsner


    Wissenschaftliche Ansprechpartner:

    Prof. Dr. Waltraud Schulze, Universität Hohenheim, Fachgebiet Systembiologie der Pflanze
    T 0711 459 24770, E wschulze@uni-hohenheim.de


    Weitere Informationen:

    http://www.eubuero.de/erc-synergy.htm "weitere Informationen"


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten, Wissenschaftler
    Biologie
    regional
    Forschungsprojekte, Wettbewerbe / Auszeichnungen
    Deutsch


    ERC Synergy Grant für Uni Hohenheim: Prof. Dr. Schulze will gemeinsam mit Kollegen von der Heinrich-Heine-Uni Düsseldorf (HHU) und vom Max-Planck-Institut für Biochemie (MPIB) in Martinsried die Struktur, Funktion und Dynamik von Plasmodesmata enträtseln.


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