idw – Informationsdienst Wissenschaft

Nachrichten, Termine, Experten

Grafik: idw-Logo
Thema Corona

Imagefilm
Science Video Project



Teilen: 
11.11.2020 12:22

ElternHotline-Umfrage: Eltern zerrissen zwischen Schulschließung und Offenhalten

Anita Hagedorn Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Forschungsinstitut für Bildungs- und Sozialökonomie (FiBS)

    Eine Twitter-Umfrage der ElternHotline.de zur Frage, ob Eltern die Schulen offen halten oder schließen wollen, hat zu einer hohen Beteiligung und intensiven Diskussion geführt. Während das Abstimmungsergebnis eine deutliche Mehrheit pro Schulschließung erbrachte, zeigte sich in der inhaltlichen Diskussion, dass sich viele Eltern jedoch zwischen den beiden Polen – Offenhalten der Schulen um jeden Preis versus sofortige und umfassende Schließung – bewegen. Deutlich wird zudem großes Unverständnis für das bisherige Vorgehen der Kultusministerien.

    „Eigentlich scheinen Eltern in einer komfortableren Situation als im Frühjahr,“ sagt Dr. Dieter Dohmen, der geschäftsführende Gesellschafter der FiBS ElternHotline gGmbH. „Die Bundeskanzlerin und die Ministerpräsidenten der Länder haben sich für ein möglichst langes Offenhalten der Schulen ausgesprochen, auch um Eltern den Rücken für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf freizuhalten. Anders als im Frühjahr sollen sie nicht in die Doppel- und Dreifachbelastung gezwungen werden.“ Eine Twitter-Umfrage der FiBS ElternHotline gGmbH zeigt aber nun, dass die Vereinbarkeit nicht bei allen Eltern im alleinigen Fokus steht. Neben den über 1.200 Eltern, die abgestimmt und mehrheitlich für Schulschließungen gestimmt haben, haben viele Eltern die Umfrage als weiteren Anstoß für eine intensive Diskussion genutzt, die sich in einem breiten Meinungsspektrum abspielte und meist jenseits der beiden zugespitzten Abstimmungsoptionen.

    „Diese breite und vielfältige Diskussion ist für uns viel wichtiger als das scheinbar deutliche Abstimmungsergebnis auf eine sehr zugespitzte Frage,“ findet Dohmen, der zugleich Direktor des FiBS Forschungsinstituts für Bildungs- und Sozialökonomie (www.fibs.eu) ist. Auf der einen Seite standen Eltern, die das grundsätzliche Offenhalten der Schulen forderten, da Kinder keine Pandemietreiber seien. Auch sollten möglichst alle Maßnahmen, die dem Gesundheitsschutz dienen, aber das Wohlbefinden der Kinder beeinträchtigen könnten, unterbleiben. Vereinzelt wurde sogar bezweifelt, dass Kinder überhaupt an COVID-19 erkranken oder gar daran sterben würden.

    Auf der anderen Seite gab es die Forderung, die Schulen sofort zu schließen, um die Infektionszahlen möglichst schnell zu reduzieren. Erst anschließend, wenn die Fallzahlen wieder geringer sind, sollten die Schulen wieder langsam mit dem Präsenzunterricht beginnen.

    Zwischen diesen beiden Maximalpositionen gab es viele Eltern, die deutlich machten, dass die umfassende Schließung von Schulen eher die Ultima ratio ist und sich die Eltern stattdessen ein anderes Umgehen der Kultusministerien mit der aktuellen Situation wünschen. Das Spektrum der Äußerungen umfasste Eltern, die wünschten, dass sie selbst entscheiden könnten, ob die Kinder zur Schule gehen sollten oder nicht, wie dies in einigen Bundesländern der Fall sei. Andere wünschten sich kleinere, geteilte Klassen und eine Kombination aus Präsenzunterricht und Homeschooling, begleitet durch digitalen Unterricht.

    „Unabhängig von der einzelnen Position wurde sehr deutlich, dass viele Eltern mit den Kultusministerien und deren aktuellen Vorgaben zum Unterricht sehr unzufrieden sind,“ fasst Dohmen ein zentrales Ergebnis zusammen. Die Unzufriedenheit reicht vom uneingeschränkten Unterricht in vollen Klassen und den damit befürchteten gesundheitlichen Belastungen für die Kinder bis hin zu fehlenden Konzepten für die Teilung von Klassen und digitalen Unterricht. Auch wurde moniert, dass die Kultusminister die Empfehlungen des Robert Koch Instituts nicht umsetzen.

    „Auf einen Punkt gebracht: sehr viele Eltern sind verärgert darüber, dass die Kultusministerien die Zeit seit März nicht dazu genutzt haben, die Schulen auf die absehbare zweite Corona-Welle vorzubereiten,“ fasst der ElternHotline-Gründer zusammen. „Die relativ große Zustimmung zur Schließung von Schulen sollte auch vor diesem Hintergrund gesehen werden. Das heißt, Eltern stimmen für eine Schließung, weil sie ihre Kinder, und auch die Lehrkräfte, unzureichend geschützt sehen. Ursächlich dafür ist nach ihrer Einschätzung die mangelnde Vorbereitung der Kultusminister auf die zweite Welle.“


    Wissenschaftliche Ansprechpartner:

    Ansprechpartnerin:
    Dr. Dieter Dohmen, Geschäftsführer
    Tel.: +49 (0) 172/2676825
    Fax.: +49 (0)30 84 71 22 3 -29
    E-Mail: dieter.dohmen@elternhotline.de


    Originalpublikation:

    https://elternhotline.de/static/files/press_releases/elternhotline_pressemitteil...


    Weitere Informationen:

    https://elternhotline.de/static/files/press_releases/elternhotline_pressemitteil...


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten, Lehrer/Schüler, jedermann
    Gesellschaft, Pädagogik / Bildung
    überregional
    Schule und Wissenschaft
    Deutsch


    Twitter-Umfrage


    Zum Download

    x

    Hilfe

    Die Suche / Erweiterte Suche im idw-Archiv
    Verknüpfungen

    Sie können Suchbegriffe mit und, oder und / oder nicht verknüpfen, z. B. Philo nicht logie.

    Klammern

    Verknüpfungen können Sie mit Klammern voneinander trennen, z. B. (Philo nicht logie) oder (Psycho und logie).

    Wortgruppen

    Zusammenhängende Worte werden als Wortgruppe gesucht, wenn Sie sie in Anführungsstriche setzen, z. B. „Bundesrepublik Deutschland“.

    Auswahlkriterien

    Die Erweiterte Suche können Sie auch nutzen, ohne Suchbegriffe einzugeben. Sie orientiert sich dann an den Kriterien, die Sie ausgewählt haben (z. B. nach dem Land oder dem Sachgebiet).

    Haben Sie in einer Kategorie kein Kriterium ausgewählt, wird die gesamte Kategorie durchsucht (z.B. alle Sachgebiete oder alle Länder).