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16.11.2020 12:10

Nach 1760 heißt es Harz

Judith Jördens Senckenberg Pressestelle
Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseen

    Senckenberg-Wissenschaftlerin Mónica Solórzano-Kraemer hat, in einer heute im Nature-Fachjournal „Scientific Reports“ erschienenen Studie, feste Zeiträume für die Begriffe Bernstein, Kopal, und Harz definiert. Gemeinsam mit Forschenden von der Universitat de Barcelona, dem Instituto Geológico y Minero de España und der University of Kansas plädiert sie zudem für die Einführung der Bezeichnung „Defaunations-Harz“. Diese nach 1760 entstandenen Versteinerungen fallen in einen maßgeblich vom Menschen beeinflussten Zeitraum. Sie bieten häufig die einzige direkte Möglichkeit Umweltveränderungen und Artenverlust nachzuvollziehen.

    Weltweit sterben täglich Arten aus – besonders hoch ist der Verlust in tropischen Gebieten, wie den Tieflandwäldern. „Genau in diesen Landschaften gab und gibt es eine hohe Anzahl harzproduzierender Bäume“, erklärt Mónica Solórzano-Kraemer vom Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseum in Frankfurt und fährt fort: „In diesen Harzen finden wir Tiere, die über mehrere hundert, sogar tausende Jahre erhalten bleiben und uns so das Bild einer vergangenen, zum Teil nicht mehr existierenden, Tierwelt zeigen.“

    „Defaunations-Harz“ nennen Solórzano-Kraemer und ihre spanischen und US-amerikanischen Kolleg*innen Xavier Delclòs, Enrique Peñalver und Michael Engel diese Versteinerungen in ihrer neu erschienenen Studie. Defaunation bezeichnet den Verlust von Arten und Populationen von Wildtieren analog zum Begriff Deforestation für die Entwaldung. Die Bezeichnung soll künftig für alle Harze, die nach dem Jahr 1760 entstanden sind verwendet werden. „Wir möchten hiermit eine klare Unterscheidung zu den Begriffen ‚Kopal’ und ‚Bernstein’ vornehmen und gleichzeitig die Bedeutung des jungen, in einem massiv von der Menschheit beeinflussten Zeitalter abgelagerten, Harzes betonen“, ergänzt die Frankfurter Forscherin.
    Der gewählte Zeitraum orientiert sich dabei an das – noch informellen – Zeitalter des Anthropozäns, das mit dem Beginn der Industriellen Revolution startete und durch Entwaldung, Verlust der Artenvielfalt und weiterer menschlich verursachte Umweltveränderungen geprägt ist. „Neben historischen Sammlungen bieten diese vergleichsweise jungen Harze häufig die einzige Möglichkeit vergangene Ökosysteme zu untersuchen den Verlust der Arten zu beziffern“, fügt Solórzano-Kraemer hinzu.

    Für den Begriff „Kopal“ schlägt das Forscher*innen-Team eine Alterseinordnung von 2,58 Millionen Jahre bis 1760 vor; Bernstein sollen künftig nur noch Versteinerungen genannt werden, die älter als 2,58 Millionen Jahre sind. „Diese klare Abgrenzung ist für uns sehr wichtig, um eine Vergleichbarkeit zu gewährleisten. Allein aus ostafrikanischen und madagassischen ‚Kopalen’ wurden schon über neue 120 Arten beschrieben, viele weitere werden folgen – es benötigt daher eine einheitliche und klare Terminologie, die sich zeitlich zuordnen lässt“, schließt Solórzano-Kraemer.


    Wissenschaftliche Ansprechpartner:

    Dr. Mónica M. Solórzano Kraemer
    Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseum Frankfurt
    Tel. 069 7542 1127 oder 0162 8718301
    monica.solorzano-kraemer@senckenberg.de


    Originalpublikation:

    Mónica M. Solórzano‑Kraemer, Xavier Delclòs, Michael S. Engel & Enrique Peñalver (2020): A revised definition for copal and its significance for palaeontological and Anthropocene biodiversity‑loss studies, www.nature.com/articles/s41598-020-76808-6


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten
    Geowissenschaften
    überregional
    Forschungsergebnisse
    Deutsch


    Kopal aus dem Holozän von Kolumbien mit eingeschlossenen Insekten und Pflanzenresten.


    Zum Download

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    Im Defaunations-Harz aus Madagaskar eingeschlossene Pilzmücke.


    Zum Download

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