130 Jahre Entwurfslehre an der RWTH Aachen

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20.11.2020 15:35

130 Jahre Entwurfslehre an der RWTH Aachen

Angelika Hamacher Dezernat 3.0 – Presse und Kommunikation
Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen

    Der architektonische und städtebauliche Entwurf als Mittel der Komplexitätsreduktion. Eine dreibändige Veröffentlichung gibt einen Überblick der Entwicklungen an der Aachener Uni.

    Architektur und Städtebau als Profession gestalten unsere bauliche Umwelt. Im Zentrum der künstlerisch-wissenschaftlichen Lehre steht der Entwurf als die Lehre von Problemlösen und Zukunftsgestaltung. Die Hochschulen widmen der Entwurfslehre einen hohen Anteil ihrer Energie. Nun legt eine dreibändige Veröffentlichung aus der Aachener Architekturfakultät einen Überblick über 130 Jahre Entwurfslehre vor – im Jahr des 150-jährigen Jubiläums der RWTH Aachen.

    An den neun großen Technischen Universitäten der Bunderepublik hat sich die Lehre seit den 1970er Jahren in der Breite und Tiefe des Lehrangebotes enorm entwickelt. Lange versäumte Modernisierungen wurden ausgelöst durch die Studierendenproteste in den 1960er Jahren in großem Umfang nachgeholt. Die Hochschulen griffen insbesondere die Kritik am Theoriemangel in ihrer Berufungspolitik auf. Nach wie vor steht aber im Kern der Lehre der Entwurf. Er führt die vielfältigen Anforderungen und theoretischen Möglichkeiten einer Bau- oder Planungsaufgabe zusammen. Das umfasst die Analyse der Situation und der Bedingungen, den Einfluss von Bau- und Ortsgeschichte, die Beachtung rechtlicher Regelungen, die Rolle eines Gebäudes im Kontext seiner Umgebung, Kosten, Konstruktion und Herausarbeitung von Spielräumen und auch das Spannungsverhältnis zwischen Phantasie und Realität. Im Kern geht es um die Erzeugung von Varietät und deren Reduktion in einem Entwurf.

    Selten bleibt bei den hohen Studierendenzahlen Raum, über historische Parallelen und Unterschiede über längere Zeiträume nachzudenken. Nun hat ein Team von aktiven und pensionierten Hochschullehrern die Entwicklung des Entwerfens von 1870 bis 2000 an der Aachener Hochschule in das Zentrum einer Aufarbeitung der eigenen Geschichte gestellt. Hunderte Abbildungen von Entwürfen aller Perioden belegen, welch zentrale Rolle das Entwerfen als Mittel der Zukunftsgestaltung unserer baulichen Umwelt spielt.

    Die drei Bände zeigen 130 Jahre Entwurfslehre und die Veränderungen vom Historismus über die aufkommende Moderne, die Unsicherheit der Nachkriegszeit bis hin zur Gegenwart – die architektonisch wieder in einer Krise ist. Ausgenommen ist die Zeit von 1933 bis 1945, aus der keine Dokumente existieren. Band I+II behandeln in Perioden die inneren und äußeren Bedingungen und die Reaktion darauf in Lehre und Forschung von der Gründung 1870 bis zum Epochenbruch 1945, die Verstrickung von Hochschullehrern mit der Nazidiktatur, die Nachkriegszeit, dem Wiederaufbau, den Einfluss der Studentenrebellion der 1960er Jahre bis hin zur Wiedervereinigung.

    Ein Überblick über die Entwicklung der Studierenden zeigt, dass die Aachener Hochschule nur wenige Jahre nach ihrer Eröffnung aufgrund es „Kulturkampfes“ um ihre Existenz bangen musste. Ihre Randlage im Staatsgebiet war eine geographische Last, die sie nur durch Attraktivität mindern konnte. Keiner konnte erwarten, dass diese Hochschule und auch die Fakultät Architektur inzwischen zu den neun großen Technischen Universitäten gehört. Deren Entwicklung wird im zweiten Band ab 1970 vergleichend dargestellt. Der dritte Band ergänzt diesen Blick von außen durch die Innensicht mit zusammen 100 Rückblicken und Biographien sowie allen Promotionsthemen seit Einführung des Promotionsrechtes 1906.

    Die Studie wurde komplett durch Spenden finanziert.

    Gerhard Curdes: Architektur und Städtebau. 130 Jahre Lehre und Forschung an der RWTH Aachen. Eine Annäherung und Materialverdichtung in drei Bänden. Bd. I 1870–1945; Bd. II 1945–2000; Bd. III Rückblicke, Biographien, Daten. Geymüller Verlag Aachen, 69€. 1.262 Seiten und über 1.000 Abbildungen. https://www.geymueller.de/de/978-3-943164-50-3


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten
    Bauwesen / Architektur
    überregional
    Wissenschaftliche Publikationen
    Deutsch


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