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26.11.2020 09:15

Nach wie vor Geschlechterungleichheit, auch an Kunst- und Musikhochschulen

Sophie Zervos Kommunikation
GESIS - Leibniz-Institut für Sozialwissenschaften

    Die „Gläserne Decke“ ist an Kunst- und Musikhochschulen etwas durchlässiger als an Universitäten und Fachhochschulen. Dennoch bestehen strukturelle Diskriminierungen fort und es gibt große Unterschiede zwischen einzelnen Fachrichtungen und Hochschulen, wie eine Studie des Kompetenzzentrums Frauen in Wissenschaft und Forschung CEWS für die Gemeinsame Wissenschaftskonferenz zeigt.

    Die 57 Kunst- und Musikhochschulen in Deutschland weisen spezifische Strukturen und Qualifikationswege auf, die die Geschlechterverhältnisse und die Gleichstellungspolitik beeinflussen. Für diese Hochschulen untersucht Dr. Andrea Löther vom CEWS am GESIS-Leibniz-Institut für Sozialwissenschaften die Teilhabe der Geschlechter am Studium und am Personal sowie die strukturelle Verankerung der Geschlechterforschung. Empirische Grundlage der Studie sind statistische Daten, eine Befragung an den Hochschulen sowie die Auswertung von vorhandenen Studien zu Geschlechterverhältnissen im Kultur- und Medienbetrieb.

    Mit fast 60 Prozent ist der Frauenanteil an Studierenden und Abschlüssen an Kunst- und Musikhochschulen höher als an Universitäten, allerdings mit deutlichen Unterschieden zwischen einzelnen Fächern. So führen Stereotype und kulturelle Codes zu einer geschlechterspezifischen Wahl der Instrumente oder die Zuschreibung von Kreativität und „Meisterschaft“ zu einer unterschiedlichen Geschlechterverteilung in den einzelnen Fächern (z.B. Jazz / Populärmusik, Komposition, Schlagwerk oder Harfe).

    Diese fächerbezogenen Unterschiede setzen sich beim wissenschaftlich-künstlerischen Personal fort. Insgesamt liegt hier der Anteil an Professorinnen bei 32 Prozent (2018), jedoch an Musikhochschulen nur bei 25 Prozent. Auch die „Gläserne Decke“, gemessen am Verhältnis von Studentinnen zu Professorinnen, ist an Musikhochschulen undurchlässiger als an Hochschulen für Bildende Künste.

    Da herausragende künstlerische Leistungen und Renommee außerhalb der Hochschule erworben werden, wirken sich auch strukturelle Diskriminierungen im Kunst- und Kulturbetrieb, wie beispielsweise eine Unterrepräsentanz von Frauen in Orchestern und insbesondere in Leitungsstellen und beim Dirigat, auf die Rekrutierung von Professorinnen aus. Zugleich bestehen für Kunst- und Musikhochschulen aber gerade durch ihre enge Verzahnung mit dem Kulturbetrieb Möglichkeiten, diese Strukturen und Exklusionsmechanismen zu reflektieren und auf sie einzuwirken, um so das Potenzial von Hochschulabsolventinnen bei der Besetzung von Professuren nutzen zu können.

    Mindestens 15 (mehr als ein Viertel) aller Künstlerischen Hochschulen, engagieren sich mit personellen Ressourcen oder anderen Aktivitäten in der Geschlechterforschung. Dennoch beruht deren institutionelle Verankerung vorrangig auf befristeten Stellen sowie dem Engagement einzelner Professor*innen und Mitarbeiter*innen. Lebenszeitprofessuren mit einer (Teil-)Denomination in Geschlechterforschung gibt es derzeit lediglich an der Hochschule für Musik und Theater Hamburg und an der Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover.

    Die Publikation finden Sie hier: https://www.gesis.org/cews/unser-angebot/publikationen/sonstige-veroeffentlichun...

    Ansprechpartner bei GESIS – Leibniz-Institut für Sozialwissenschaften:

    Andrea Usadel (CEWS)
    Andrea.usadel@gesis.org

    Dr. Sophie Zervos
    Wissenschaftskommunikation
    Unter Sachsenhausen 6-8
    50667 Köln
    Tel.: +49 (0)221 – 47694 136
    E-Mail: sophie.zervos@gesis.org

    www.gesis.org
    www.facebook.com/gesis.org
    www.twitter.com/gesis_org

    Als eine der weltweit führenden Infrastruktureinrichtungen für die Sozialwissenschaften steht das GESIS - Leibniz-Institut für Sozialwissenschaften Forscher*innen auf allen Ebenen ihrer Forschungsvorhaben mit seiner Expertise und seinen Dienstleistungen beratend zur Seite, so dass gesellschaftlich relevante Fragen auf der Basis neuester wissenschaftlicher Methoden, qualitativ hochwertiger Daten und Forschungsinformationen beantwortet werden können. Um diesen Service heute und in Zukunft sicherzustellen, verknüpft GESIS seine integrierte Erhebungs- und Dateninfrastruktur mit Methoden, Modellen und Algorithmen der Informatik im Anwendungsfeld Sozialwissenschaften und erweitert konsequent sein Angebotsportfolio im Bereich digitaler Verhaltensdaten. GESIS ist Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft und unterhält institutionelle und projektbezogene Kooperationen mit vielen Universitäten und Forschungseinrichtungen im In- und Ausland. GESIS ist an wichtigen europäischen Projekten wie u.a. dem European Social Survey (ESS), der European Value Study (EVS), dem europäischen Archivverbund CESSDA oder dem OECD-Projekt Programme for the International Assessment of Adult Competencies (PIAAC) beteiligt. Außerdem arbeitet das Institut kontinuierlich daran, das junge Forschungsfeld der Computational Social Science durch internationale Konferenzen, Symposien und Workshops in Deutschland und Europa zu stärken und eine weltweite Vernetzung voranzutreiben.


    Wissenschaftliche Ansprechpartner:

    Dr. Andrea Löther
    Stellv. Leitung des CEWS
    GESIS - Leibniz-Institut für Sozialwissenschaften
    Abteilung Dauerbeobachtung der Gesellschaft
    Kompetenzzentrum Frauen in Wissenschaft und Forschung CEWS
    Unter Sachsenhausen 6-8
    50667 Köln
    Tel. +49 (0)221 47694-256
    andrea.loether@gesis.org
    http://www.gesis.org/cews


    Originalpublikation:

    Löther, Andrea (2020): Geschlechtergleichstellung an Kunst- und Musikhochschulen. Unter Mitarbeit von Maximilian Tolkamp. In: Chancengleichheit in Wissenschaft und Forschung. 24. Fortschreibung des Datenmaterials (2018/2019) zu Frauen in Hochschulen und außerhochschulischen Forschungseinrichtungen. Bonn, S. 1–30, online zugänglich über: https://www.gesis.org/cews/unser-angebot/publikationen/sonstige-veroeffentlichun....


    Weitere Informationen:

    http://www.gesis.org/cews


    Bilder

    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten, Wissenschaftler
    Gesellschaft, Kunst / Design, Musik / Theater, Politik
    überregional
    Forschungsergebnisse, Wissenschaftliche Publikationen
    Deutsch


     

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