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03.12.2020 11:02

Else Kröner-Fresenius-Stiftung honoriert Projekt zur Bekämpfung der Afrikanischen Schlafkrankheit mit 100.000 Euro

Bianka Jerke Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Else Kröner-Fresenius-Stiftung

    Bad Homburg v.d. Höhe, 03. Dezember 2020 – Mit dem diesjährigen Else Kröner Fresenius Preis für Medizinische Entwicklungszusammenarbeit in Höhe von 100.000 Euro würdigt die Else Kröner-Fresenius-Stiftung (EKFS) ein Projekt, das sich der Bekämpfung der Afrikanischen Schlafkrankheit (Human African Trypanosomiasis – kurz HAT) widmet – eine der 20 vernachlässigten Tropenkrankheiten.

    Weltweit sind 1,4 Milliarden Menschen in 149 Ländern betroffen – von Krankheiten wie Elephantiasis, Flussblindheit oder Bilharziose (Schistosomiasis). Jedes Jahr sterben eine halbe Million Menschen direkt oder indirekt an vernachlässigten Tropenkrankheiten (neglected tropical diseases – NTDs)*. Anders als Malaria, Tuberkulose oder HIV/AIDS finden sie nur wenig Beachtung in der Forschung und Bekämpfung. Sie haben meist infektiöse Ursachen und treffen häufig gerade den ärmsten Teil der Bevölkerung in Entwicklungsländern.

    „Mit unserem Preis honorieren wir Menschen und Projekte, die auf herausragende Art und Weise der Verbesserung der Gesundheitsversorgung und in diesem Jahr der Bekämpfung von NTDs dienen“, erklärt Dr. Jochen Bitzer, zuständig für die medizinisch-humanitäre Förderung der EKFS. Basierend auf den Empfehlungen unabhängiger externer Fachgutachter wird ein herausragendes Preisträger-Projekt mit dem Else Kröner Fresenius Preis für Medizinische Entwicklungszusammenarbeit 2020 ausgezeichnet:

    Preisträgerprojekt 2020: Bekämpfung der Afrikanischen Schlafkrankheit
    Gewürdigt wird der Preisträger Dr. Florent Mbo mit dem Projekt „Schlafkrankheit in Afrika: Fexinidazol ist jetzt da! Projekt zur Förderung eines einfachen Zugangs zum neuen oralen Medikament gegen die Schlafkrankheit“ der gemeinnützigen Forschungsorganisation DNDi (Drugs for Neglected Diseases initiative).

    „Die DNDi war 2005 Mitbegründer der HAT-Plattform, um sicherzustellen, dass neue Behandlungsmethoden gegen die Schlafkrankheit schnell getestet, registriert und den Patienten zur Verfügung gestellt werden können. Heute ist die Plattform ein Netzwerk von 120 Mitgliedern aus 20 Institutionen. Sie spielt eine zentrale Rolle bei der Koordinierung klinischer Prüfzentren in der Demokratischen Republik Kongo und der Zentralafrikanischen Republik, die Fexinidazol – ein einfaches, orales Heilmittel gegen die Schlafkrankheit in Tablettenform – getestet haben. Dr. Florent Mbo leitet die HAT-Plattform seit 2015 und koordiniert den wissenschaftlichen, klinischen und programmatischen Austausch der verschiedenen Interessengruppen“, erklärt Dr. Bitzer.

    Die Perspektive von Dr. Mbo als praktizierender Arzt, der eng mit den Patienten zusammenarbeitet, und auch als Kenner der lokalen Strukturen des Gesundheitswesens, war entscheidend für den Erfolg des Projekts. „Dr. Mbo spielt eine treibende Rolle – er koordiniert die Ausbildung des Gesundheitspersonals und stellt sicher, dass mehr Patienten Zugang zur Diagnose haben und bei positivem Testergebnis das neue orale Medikament Fexinidazol erhalten“, sagt Dr. Nathalie Strub-Wourgaft, die Direktorin für vernachlässigte Tropenkrankheiten bei der DNDi.

    TseTse-Fliege als Krankheitsüberträger durch Parasiten (Trypanosomen)
    Im vergangenen Jahr wurden mehr als 62 Prozent aller weltweit gemeldeten Fälle der Afrikanischen Schlafkrankheit in der Demokratischen Republik Kongo erfasst. Sie betrifft einige der ärmsten und gefährdetsten Bevölkerungsgruppen, die in abgelegenen Gebieten weit entfernt von medizinischer Versorgung leben. Die TseTse-Fliege überträgt den Erreger durch einen Stich, oft in Flusswäldern oder wenn die Menschen sich am Fluss waschen oder Wasser holen.

    Der Stich einer infizierten TseTse-Fliege kann enorme Folgen haben. Die Parasiten können in das zentrale Nervensystem einwandern und es kommt im fortgeschrittenen Stadium zu einer Vielzahl neuropsychiatrischer Manifestationen: Die Schlafkrankheit führt zu Schlafstörungen, mit akutem Schlafdrang während des Tages und Wachphasen in der Nacht, sowie anderen schweren psychischen Störungen wie Angstzuständen und Aggressivität. Unbehandelt führt die Schlafkrankheit fast immer zum Tod der Patienten.

    Nachhaltige Eliminierung der Krankheit unterstützen
    In der Vergangenheit konnten Patienten nur stationär und mit der Gabe von Infusionen behandelt werden. Es traten zum Teil schwere, manchmal tödliche Nebenwirkungen auf. Mit neuen Tests können nun die meisten Patienten ohne eine schmerzhafte Rückenmarkspunktion diagnostiziert werden. „Der große Vorteil von Fexinidazol ist, dass für die meisten Patienten keine langen Krankenhausaufenthalte mehr nötig sind. Die zehntägige Therapie mit Tabletten kann zu Hause erfolgen – was die Behandlung für die Patienten erleichtert und gleichzeitig die Ausfälle von Schulbesuchen und Arbeit der Familienmitglieder verringert“, sagt Dr. Strub-Wourgaft.

    Der Zugang zu dieser neuen Behandlung soll weiter verbessert werden. „Durch die einfache orale Therapie in Verbindung mit leicht anwendbaren Tests erwarten wir, dass zukünftig jede geschulte Krankenschwester und jeder geschulte Krankenpfleger die Schlafkrankheit diagnostizieren und behandeln kann. Damit rückt die Elimination dieser tödlichen Krankheit in greifbare Nähe“, freut sich Dr. Florent Mbo über diesen Erfolg.

    *https://dntds.de/was-sind-ntds.html

    Link zum Preisträgerfilm:
    https://youtu.be/YxP0dMxOcNM


    Wissenschaftliche Ansprechpartner:

    Dr. Jochen Bitzer
    Else Kröner-Fresenius-Stiftung
    medizinisch-humanitäre Entwicklungszusammenarbeit
    Am Pilgerrain 15
    61352 Bad Homburg v. d. Höhe
    Tel. +49 (6172) 8975-26
    E-Mail: j.bitzer@ekfs.de


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten, Wissenschaftler
    Medizin
    überregional
    Forschungsprojekte, Wettbewerbe / Auszeichnungen
    Deutsch


    Else Kröner Fresenius Preis für Medizinische Entwicklungszusammenarbeit 2020: Preisträger Dr. Florent Mbo


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    Tablette Fexinidazol


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