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05.01.2021 07:35

Rostocker Gewebemediziner sichern deutschlandweite Grundversorgung mit Gewebetransplantaten

Constanze Steinke Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Gesellschaft für Transplantationsmedizin MV gGmbH

    Corona-Pandemie wirkte sich auch auf Spendeaktivitäten aus

    In keinem anderen Bundesland werden jährlich mehr Gewebespenden realisiert als in Mecklenburg-Vorpommern. Einen großen Anteil daran hat die 2015 in Rostock gegründete gemeinnützige Gesellschaft für Transplantationsmedizin Mecklenburg-Vorpommern (GTM-V gGmbH). Seit fünf Jahren realisiert die GTM-V in Zusammenarbeit mit der gemeinnützigen Gewebebank Mecklenburg-Vorpommern (GBM-V) im Biomedizinischen Forschungszentrum (BMFZ) in Rostock eine bundesweite Grundversorgung mit Gewebetransplantaten.

    Das Jahr 2020 war für das Gesundheitswesen eine Herausforderung. Die Corona-Pandemie hat alle Bereiche der Medizin flankiert. Trotzdem konnte die erfolgreiche Entwicklung der Gesellschaft für Transplantationsmedizin Mecklenburg-Vorpommern auch im vergangenen Jahr fortgesetzt werden. Die Zahl der realisierten Gewebespenden im Jahr 2020 ist Corona bedingt um ca. zehn Prozent zum Vorjahr gesunken. Die durch die Pandemie verursachte Reduzierung der Operationskapazitäten hatte einen Einfluss auf die Spendeaktivitäten. Da Augenhornhäute nur etwa einen Monat lagerbar sind, mussten die Entnahmeaktivitäten wegen eingeschränkter Operationskapazitäten reduziert werden.

    Spender waren 23 bis 97 Jahre alt
    Als zentraler Ansprechpartner im Bereich Gewebespende im Nordosten Deutschland erhielt die GTM-V im vergangenen Jahr 3.714 (2019: 3.506) potenzielle Spendermeldungen aus 19 Krankenhäusern in Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg und Sachsen. Nach Prüfung medizinischer Ausschlussgründe, fehlender gesetzlicher Grundlagen für ein Aufklärungsgespräch und logistischer Gründe führten die Mitarbeiter der GTM-V insgesamt 2.054 Gespräche mit Angehörigen. In 42 Prozent aller Gespräche wurde nach entsprechender Aufklärung der Familienmitglieder eine Zustimmung zur Gewebeentnahme gegeben.

    Im Rahmen der 848 Gewebeentnahmen (2019: 961) wurden insgesamt über 3.850 Gewebepräparate (2019: 3.688) gesichert und aufbereitet. Durchschnittlich wurden pro Spende ca. fünf Gewebepräparate gewonnen. Bei 848 Spendern konnten 1.674 Augenhornhäute entnommen werden. Darüber hinaus wurden 128 muskuloskelettale und vier kardiovaskuläre Gewebespenden realisiert. Aus den 128 Knochenentnahmen wurden dem Deutschen Institut für Zell- und Gewebeersatz (DIZG) in Berlin über 2.150 Präparate für die Herstellung von Transplantaten bereitgestellt.
    „Bei der Umsetzung der Gewebespenden spielt die Qualität der Gewebepräparate eine entscheidende Rolle“, betonten die Geschäftsführer Dr. Axel Manecke und Dr. Frank-Peter Nitschke. „Ein umfassendes Erheben von Vorerkrankungen des Spenders, die Testung auf Infektionserkrankungen, inklusive der SARS-Cov-2-Testung, und ein schnelles Überführen der Präparate in die Augenhornhautbank sind Grundvoraussetzungen für eine hohe Qualität.“

    Absolute Altersgrenzen für eine Gewebespende existieren nicht. Gewebespenden sind bis in das hohe Alter, auch über 100 Jahre, möglich. So betrug im Vorjahr das mittlere Alter der Gewebespender 78 Jahre. Der jüngste Spender war 23 und der älteste 97 Jahre alt.

    Corona-Pandemie bremst Transplantationsmedizin aus
    Aktuell wird die Transplantationsmedizin durch die weltweite Corona-Pandemie weiterhin ausgebremst, insbesondere im Bereich der Knochenmarkspende. Auch in der weitaus häufigeren Gewebespende wurden die Prioritäten neu gesetzt. Dort lag der Fokus vor allem auf lebenserhaltende Transplantationen für die Notfallmedizin. „Nach der ersten Corona-Welle hat sich die Lage trotz der momentanen Verschärfung wieder normalisiert“, so Nitschke. „Viele der aufgeschobenen operativen Eingriffe an den Augenhornhäuten wurden nachgeholt.“
    Dabei steht die Sicherheit im Vordergrund. Alle Gewebespender der GTM-V werden auf mögliche Kontakte zu Corona infizierten Patienten bzw. Symptomen einer Infektion geprüft. Seit dem 23. März 2020 werden alle Spender zusätzlich einem standardisierten RT-PCR-Test auf SARS-CoV-2 unterzogen sowie auf eventuell vorhandene Antikörper und eine mögliche überstandene Corona-Infektion untersucht. „Ist der Virusnachweis in einem Zeitfenster von vier Wochen vor der Spende positiv, werden die Gewebe von der Transplantation ausgeschlossen“, betonte Nitschke. „Wir hatten im letzten Monat drei Fälle, bei denen wir einen Virusnachweis diagnostizierten und die Gewebe für die Transplantation ausschließen mussten.“ Bislang gebe es aber keine Hinweise auf eine Übertragung der Corona-Viren durch Implantation, Transplantation, Infusion oder Transfer von menschlichen Zellen oder Gewebe.

    Transplantationsnetzwerk soll wachsen
    Die Gewebemedizin bleibt ein sich rasant entwickelnder Bereich der Transplantationsmedizin. In Deutschland liegt die Zahl der transplantierten Gewebe jährlich bei mehr als 55.000 (*Bericht der Bundesregierung 2018). Neben der Transplantation von Knochenmaterial gehört die Transplantation von Augenhornhäuten mit über 8.000 Transplantationen pro Jahr zu den häufigsten Operationen in Deutschland. Obwohl sich die Versorgungslage in einigen Bereichen verbessert hat, warten über 10.000 Patienten in Deutschland auf ein Gewebetransplantat.
    Auch in Zukunft steht die termingerechte und die Notfallversorgung von Patienten mit qualitativ hochwertigen Transplantaten im Fokus der Rostocker Transplantationsgesellschaft. „Nur durch stetig wachsendes Engagement kann der Mangel an Gewebetransplantaten in Deutschland weiter verringert werden. Vor diesem Hintergrund strebt die GTM-V den Ausbau ihres Kliniknetzwerkes und ein Engagement in weiteren Bundesländern an“, so die beiden Geschäftsführer Manecke und Nitschke.

    Hintergrund
    Die GTM-V gGmbH mit 33 Mitarbeitern ist gemeinnützig und verfolgt keine eigenwirtschaftlichen Zwecke. Überschüsse werden satzungsgemäß zur Förderung der Gewebespende verwandt. Gemäß Satzung wird die Arbeit der GTM-V von einem Fachbeirat kritisch begleitet und kontrolliert. Geleitet wird dieses Gremium von Prof. Dr. Andreas Crusius, Vertreter der Landesärztekammer M-V. Weitere Mitglieder sind der DRK-Landesverband MV, vertreten durch den Präsidenten Werner Kuhn, der Theologe und Mediator Stephan Peter, der Greifswalder Notar Dr. Albert Block und Hermann Winkler.

    Foto Augenhornhäute: Joachim Kloock
    Im Gegensatz zu kardiovaskulären und muskuloskelettalen Geweben, die bis zu fünf Jahren haltbar sind, müssen Augenhornhäute nach maximal 34 Tagen transplantiert werden.

    *Dritter Bericht der Bundesregierung über die Situation der Versorgung der Bevölkerung mit Gewebe und Gewebezubereitungen
    https://dipbt.bundestag.de/doc/btd/19/056/1905675.pdf

    GTM-V - Gesellschaft für Transplantationsmedizin Mecklenburg-Vorpommern gGmbH
    Geschäftsführer: Dr. med. Frank-Peter Nitschke/Dr. med. Axel Manecke
    Wilhelm-Külz-Platz 3, 18055 Rostock
    T +49 381-444 30 50
    E frank-peter.nitschke@gtm-v.de/axel.manecke@gtm-v.de
    http://www.gtm-v.de
    http://www.facebook.com/Gesellschaftfuertransplantationsmedizin


    Bilder

    Im Gegensatz zu kardiovaskulären und muskuloskelettalen Geweben, die bis zu fünf Jahren haltbar sind, müssen Augenhornhäute nach maximal 34 Tagen transplantiert werden.
    Im Gegensatz zu kardiovaskulären und muskuloskelettalen Geweben, die bis zu fünf Jahren haltbar sind ...
    Foto: Joachim Kloock
    Foto: Joachim Kloock


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten, jedermann
    Ernährung / Gesundheit / Pflege, Medizin
    überregional
    Buntes aus der Wissenschaft
    Deutsch


     

    Im Gegensatz zu kardiovaskulären und muskuloskelettalen Geweben, die bis zu fünf Jahren haltbar sind, müssen Augenhornhäute nach maximal 34 Tagen transplantiert werden.


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