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11.01.2021 12:24

Zoologe Prof. Dr. Heribert Hofer neuer Vizepräsident und designierter Präsident der GDNÄ 2023 und 2024

Michael Dröscher Pressereferat
Gesellschaft deutscher Naturforscher und Ärzte e. V.

    Prof. Dr. Heribert Hofer, Direktor des Leibniz-Instituts für Zoo- und Wildtierforschung, ist neugewählter Vizepräsident der GDNÄ und designierter GDNÄ-Präsident für 2023 und 2024. Er berichtet über seine Ziele in der GDNÄ und seine Arbeit und Pläne als Wildtierforscher für die nächsten Jahre: „Wir haben eine Menge Ideen für die Zukunft“.

    „Ich bin der GDNÄ ja schon seit vielen Jahren verbunden – zuletzt als Vorsitzender der Gruppe Biologie. Dass ich mich jetzt noch stärker für die älteste und größte interdisziplinäre wissenschaftliche Gesellschaft in Deutschland engagieren kann, empfinde ich als Ehre", sagt der neugewählte Vizepräsident Prof. Hofer. „Bis heute ist die GDNÄ eine feste Größe in unserem Wissenschaftssystem: Hier kommen führende Forscher zusammen, um über Fachgrenzen hinweg miteinander zu diskutieren und dabei die Öffentlichkeit einzubeziehen. Das ist einmalig und dafür bewundere ich die GDNÄ.“

    Die Förderung der jungen Generation liege ihm sehr am Herzen, z.B. die Science Slams für Schüler, die er bei den letzten Versammlungen in Greifswald und Saarbrücken initiiert und moderiert habe. Er möchte das Schülerprogramm der GDNÄ weiter ausbauen und bundesweit verankern, indem erfahrene Wissenschaftler als Mentoren gewonnen werden. Seine Vision ist, dass das Schülerprogramm eine zentrale Einrichtung der GDNÄ wird.

    So etwas habe es leider in den 1960-er und 1970-er Jahren nicht gegeben. Auf seinem Weg zum Studium der Zoologie und zum international anerkannten Wildtierforscher sei er früh von Lehrern aus dem mathematisch-naturwissenschaftlichen Bereich und durch bestimmte Bücher, wie das Buch „Prinzip Eigennutz“ des deutschen Verhaltensforschers Wolfgang Wickler angeregt worden. Sehr wichtig sei auch die Evolutionäre Erkenntnistheorie des Physikers und Philosophen Gerhard Vollmer gewesen.

    Sein wissenschaftliches Interesse habe sich dann auf Raubtiere fokussiert: „Sie sind sehr intelligente Lebewesen und ihr Verhalten im Freiland zu beobachten und daraus Schlüsse zu ziehen, ist unglaublich faszinierend,“ berichtet er. Dabei liegt sein Hauptinteresse auf Tüpfelhyänen in der ostafrikanischen Savanne, die er seit 1986 beobachtet habe. Diese Raubtiere haben ein sehr komplexes Sozialverhalten und leben in weiblich dominierten Gruppen. Damit verhalten sie sich quasi spiegelbildlich zu der bei Säugetieren üblichen männlichen Dominanz. Seit 33 Jahren hält er sich regelmäßig zu Studienzwecken in der Serengeti auf, oft zusammen mit seiner Frau, der Verhaltensökologin Marion East, und Teammitgliedern, am Anfang seiner Laufbahn monatelang, heute noch drei bis vier Wochen im Jahr.

    Sehr wichtig ist Heribert Hofer der wissenschaftsbasierte Naturschutz, der nur durch die vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen Wissenschaftlern und Farmern möglich sei: „Unseren Part sehen wir darin, zusammen mit den Betroffenen Fragen zu sammeln und darauf wissenschaftlich begründete Antworten zu finden. Mit diesem in Afrika erfolgreichen Ansatz versuchen wir in Deutschland gerade, in der Auseinandersetzung um die Wiederbesiedlung von Wölfen zu einer Lösung zu kommen.“

    Der Ausgang sei offen. Der Wolf gehöre berechtigterweise zu den geschützten Arten, andererseits würden die Interessen der Landbevölkerung von Parlamentariern und Ministerien nicht ausreichend beachtet. Daher seien insbesondere die Schafzüchter, die sehr fragile wirtschaftliche Existenzen haben und sich aufwändige Schutzmaßnahmen nicht leisten können, sehr verärgert.

    Prof. Hofer hat viele Ideen für die Zukunft: „In den nächsten Jahren wollen wir zum Beispiel das Potential moderner Fernerkundung verstärkt einsetzen. Mit dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt entwickeln wir derzeit Methoden, um bedrohte Tierarten per Satellit aufzuspüren und in Fast-Echtzeit zu beobachten.“ Mithilfe von Satelliten ließen sich auch Tierwanderungen auf großen Flächen besser beobachten, etwa in der Serengeti-Savanne. In einem anderen Projekt sollen Geier mit intelligenten Funksendern ausgestattet werden, um Kadaver von Elefanten aufzuspüren, die Wilderern zum Opfer fielen. „Neueste molekularbiologische Methoden, maschinelles Lernen und künstliche Intelligenz: Sobald wir all das zusammen einsetzen können, sind wir fit für die Zukunft – mit einem modernen, evidenzbasierten Natur- und Artenschutz.“

    Das vollständige Interview mit spannenden Aussagen zum Sozialverhalten von Tüpfelhyänen und Geparden finden Sie unter www.gdnae.de.

    Zur Person

    Prof. Dr. Heribert Hofer (60) leitet das Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung in Berlin-Friedrichsfelde seit dem Jahr 2000. Bis 2017 war er zudem Leiter der Abteilung für Evolutionäre Ökologie an seinem Institut. Seit 2000 hat Hofer eine Professur für Interdisziplinäre Zoo und Wildtierforschung an der Freien Universität Berlin inne. Vor seiner Berliner Zeit war er von 1986 bis 1999 im Max-Planck-Institut für Verhaltensphysiologie im bayerischen Seewiesen tätig – zunächst als Postdoktorand, später als selbstständiger Wissenschaftler. 1997 habilitierte er sich an der Ludwig-Maximilians-Universität München mit einer Arbeit über das Verhalten von Tüpfelhyänen in der Serengeti-Savanne. Sein Studium der Zoologie begann Heribert Hofer an der Universität des Saarlandes und schloss es an der Universität Oxford mit der Promotion zum „DPhil“ ab.


    Weitere Informationen:

    http://www.izw-berlin.de/de/
    http://www.gdnae.de


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten, Lehrer/Schüler, Studierende, Wissenschaftler
    Biologie, Chemie, Informationstechnik, Tier / Land / Forst, Umwelt / Ökologie
    überregional
    Personalia, Wissenschaftspolitik
    Deutsch


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