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13.01.2021 11:21

Gewebespende trotz Corona stabil: Mehr als 3.000 Menschen stimmten in 2020 einer Gewebespende zu

Nathalie Schwertner Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Deutsche Gesellschaft für Gewebetransplantation gGmbH (DGFG)

    Deutsche Gesellschaft für Gewebetransplantation (DGFG) veröffentlicht Jahreszahlen 2020: 3.029 Mal stimmten Spender:innen bzw. Angehörige im vergangenen Jahr der Spende von Geweben, wie Augenhornhaut, Herzklappen und Blutgefäßen und Amnion (Plazenta) zu. Trotz eines Spendeneinbruchs während des ersten Corona-Lockdowns im Frühjahr, konnte die DGFG das hohe Spendenniveau aus dem Vorjahr halten. Insgesamt vermittelte die DGFG 6.268 Gewebetransplantate an Patient:innen deutschlandweit. Eine Gewebespende gibt Zuversicht auf ein selbstbestimmtes Leben: Hornhautspenden bewahren Patienten vor dem Erblinden, während ein humanes Gefäßtransplantat bisweilen sogar Leben retten kann.

    Die Zustimmungsquote zu einer Gewebespende lag bei rund 41 Prozent. „Allen voran den besonnenen Spenderinnen und Spendern und ihren Angehörigen verdanken wir in diesen herausfordernden Zeiten, dass wir trotz des deutlichen Spendeneinbruchs im April und Mai auch in 2020 das hohe Spendenniveau gegenüber dem Vorjahr halten konnten“, so Martin Börgel, Geschäftsführer der gemeinnützigen DGFG.

    41.327 Meldungen über potenzielle Spender:innen prüften Gewebespende Koordinator:innen der DGFG auf medizinische Kontraindikationen und andere Ausschlussgründe. 7.441 Gespräche mit Angehörigen (bzw. Lebendspender:innen) gingen daraus hervor, in denen die Koordinator:innen über die Möglichkeit der Gewebespende informierten. 3.029 Mal wurde einer Spende von Geweben zugestimmt (2019: 3.007). 5.938 Gewebepräparate konnten aus den realisierten Spenden für die Versorgung von Patient:innen in ganz Deutschland gewonnen werden. Am Spende stärksten zeigten sich die Bundesländer Nordrhein-Westfalen (471 Spender:innen), Mecklenburg-Vorpommern (340 Spender:innen) und Sachsen (320 Spender:innen).

    Neues Spendeprogramm: Mehr Menschen erhalten lebensnotwendige Herzklappen und Blutgefäße

    Herzklappen- und Gefäßtransplantate kommen bei kardiovaskulären Erkrankungen zum Einsatz, bewahren vor Amputationen und retten bisweilen sogar Leben. Insgesamt wurden 537 Herzklappen und Blutgefäße (kardiovaskuläres Gewebe) in 2020 gespendet; in 2019 waren es 584. Erfolgreich zur Transplantation vermittelt wurden in diesem Jahr 164 Herzklappen und 102 Gefäße.

    Anders als bei der Organspende können Gewebe nach dem Stillstand des Herz-Kreislaufs und unabhängig vom irreversiblen Hirnfunktionsausfall (Hirntod) gespendet werden – im Falle von kardiovaskulären Geweben noch bis zu 36 Stunden danach. Bisher findet der Großteil der Herzklappen- und Blutgefäßspende dennoch im Rahmen von Organspenden statt. Da sich die Organspendezahlen seit Jahren auf einem niedrigen Niveau bewegen, kann auch der Bedarf an Herzklappen und Gefäßtransplantaten (jeweils etwa 500 pro Jahr in Deutschland) nicht gedeckt werden. Um mehr solcher Transplantate für Patient:innen verfügbar zu machen, baut die DGFG seit 2017 ein Programm zur Spende von kardiovaskulären Geweben nach dem Herz-Kreislauf-Tod auf. Mit 38 Herz-Kreislauf-verstorbenen Spender:innen (2019: 31) konnte die DGFG ihr von der Organspende unabhängiges Spendeprogramm für kardiovaskuläre Gewebe in 2020 weiter ausbauen.

    Hornhauttransplantation: Schonendes, lamelläres OP-Verfahren immer gefragter

    3.962 Patient:innen konnte die DGFG in 2020 mit einem Augenhornhauttransplantat zur Wiederherstellung oder dem Erhalt ihrer Sehkraft versorgen. Im Durchschnitt werden pro Jahr rund 7.000 Hornhauttransplantationen in Deutschland durchgeführt. „Mehr als jede zweite Hornhaut kommt von der DGFG. Wir können mittlerweile bei der Hornhauttransplantation die meisten Anfragen innerhalb weniger Wochen erfüllen“, sagt Börgel.

    Zu 53 Prozent werden Transplantate für eine DMEK-Operation (Descemet Membrane Endothelial Keratoplasty) angefragt. Bei diesem schonenden Operationsverfahren ersetzen Ärzt:innen nur eine dünne Schicht der Hornhaut – eine sogenannte Lamelle – wodurch sich die Sehfähigkeit der Patient:innen deutlich schneller erholt und das Infektionsrisiko minimal bleibt. Speziell für dieses Transplantationsverfahren entwickelt, vermittelte die DGFG 487 vorpräparierte Hornhautlamellen (LaMEK) (2019: 381).

    Ein doppeltes Geschenk ans Leben: Plazentaspende verhilft Menschen zu Therapie ohne Trauma

    In 2020 konnte die DGFG 20 Plazentaspenden im Rahmen geplanter Kaiserschnittgeburten realisieren. Aus der Plazenta wird die sogenannte Amnionmembran gewonnen, die innere, dem Fötus zugewandte Eihaut. Die hauchdünne Membran können Ärzt:innen in der gynäkologischen Chirurgie, Mund-Kiefer-Chirurgie sowie als temporären Hautersatz bei thermischen Verletzungen und Wundheilungsstörungen einsetzen. Schwerpunktmäßig findet die Amnionmembran bisher in der Ophthalmologie zur Behandlung von schwererkrankten Augenoberflächen Anwendung.

    Eine Therapie ohne zusätzliches Trauma durch Einnähen der Amnionmembran ermöglicht der seit Ende 2019 zugelassene AmnioClip-plus. Die in einen Ring eingespannte Amnionmembran wird – ähnlich wie eine Kontaktlinse – auf das betroffene Auge aufgelegt. In 2020 kamen 98 solcher Präparate Patient:innen zum Erhalt ihres Auges und Sehkraft zu Gute. Insgesamt wurden 1.942 „Wundpflaster“ aus Amnionmembranspenden vermittelt (2019: 1.880).

    Netzwerkstruktur sichert Patient:innenversorgung auch in der Krise

    Dass trotz Corona-Pandemie die Patientenversorgung auch in den schwierigen Monaten März bis Mai gewährleistet werden konnte, ist auf die bundesweite Netzwerkorganisation von DGFG und Partnern zurückzuführen. Zusammenwirkende Kräfte sind Gewebespende-Koordinator:innen, mehr als 100 Spendekrankenhäuser sowie 13 Gewebebanken: Zahlreiche Universitätskliniken, kommunale und konfessionelle Krankenhäuser, aber auch große Klinikverbünde melden potenzielle Gewebespender:innen an die DGFG. Unter anderem schlossen sich das Robert-Bosch-Krankenhaus Stuttgart sowie das Friedrich-Ebert Krankenhaus Neumünster in 2020 dem Netzwerk der DGFG an.

    Bewusst Gewebe spenden: DGFG fördert öffentliche Aufklärung

    Ein Großteil der Entscheidungen, sowohl für als auch wider eine Gewebe­spende, wird von Angehörigen im Sin­ne der oder des Verstorbenen getroffen – jedoch ohne, dass diese den konkreten Willen kennen. Weniger als ein Drittel (rund 28 Prozent) der potenziellen Spender:innen haben ihre Entscheidung zu Lebzeiten schriftlich dokumentiert oder mündlich geäußert.

    Mit einer bildstarken Posterausstellung in Kliniken und öffentlichen Bildungs- und Kultureinrichtungen möchte die DGFG auf die Notwendigkeit und die Möglichkeiten der Gewebespende aufmerksam machen, informieren und zur Entscheidung und Dokumentation dieser bewegen. Die Fotomotive zeigen unter anderem Empfänger:innen von Gewebespenden, die dank der Transplantation wieder sehen und gehen können und Gesundheit, Mobilität und Unabhängigkeit zurückgewonnen haben. Entstanden sind die Portraits, Stillleben und Reportagen in einem mehrsemestrigen Kooperationsprojekt mit Fotografie-Studierenden an der Hochschule Hannover (HsH). Eine Zeitung zur kostenfreien Auslage begleitet die Ausstellung und informiert tiefergehend und anschaulich über die Gewebespende. Unter www.gewebespende-erleben.de können die Poster sowie die Zeitung auch digital angesehen und bestellt werden.

    Über die Deutsche Gesellschaft für Gewebetransplantation (DGFG)

    Die DGFG fördert seit 1997 die Gewebespende und -transplantation in Deutschland. Auf Basis des Gewebegesetzes von 2007 sind alle Tätigkeiten und Ablaufprozesse der Gewebespende gesetzlich geregelt. Für alle Gewebezubereitungen gilt das Handelsverbot. Die DGFG vermittelt ihre Transplantate über eine zentrale Vermittlungsstelle mit einer bundesweiten Warteliste. Jede medizinische Einrichtung in Deutschland kann Gewebe von der DGFG beziehen. Als unabhängige, gemeinnützige Gesellschaft wird die DGFG ausschließlich von öffentlichen Einrichtungen des Gesundheitswesens getragen: Gesellschafter sind das Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden, das Universitätsklinikum Leipzig, die Medizinische Hochschule Hannover, die Universitätsmedizin Rostock sowie das Dietrich-Bonhoeffer-Klinikum Neubrandenburg. Die DGFG ist in ihrer Aufbaustruktur, der Freiwilligkeit der Unterstützung durch die Netzwerkpartner und ihrer Unabhängigkeit von privaten oder kommerziellen Interessen einzigartig in Deutschland.

    Alle Angaben zu den Jahreszahlen 2020 sind vorläufig (Stand 28.12.2020).


    Weitere Informationen:

    https://gewebenetzwerk.de/
    https://gewebenetzwerk.de/gewebespende-trotz-corona-stabil/
    https://gewebenetzwerk.de/presse/
    https://gewebenetzwerk.de/presse-download/


    Anhang
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    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten, Wirtschaftsvertreter, Wissenschaftler, jedermann
    Ernährung / Gesundheit / Pflege, Gesellschaft, Medizin
    überregional
    Buntes aus der Wissenschaft
    Deutsch


    3.962 Patient:innen konnte die DGFG in 2020 mit einem Augenhornhauttransplantat zur Wiederherstellung oder dem Erhalt ihrer Sehkraft versorgen.


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    Die Spende von Herzklappen ist noch bis zu 36 Stunden nach dem Herz-Kreislauf-Tod möglich. In 2020 konnte die DGFG 38 solcher Spenden realisieren.


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