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18.01.2021 10:00

Bodenreport: Wie Landwirtschaft und Naturschutz gemeinsam die Vielfalt im Boden fördern können

Ruth Birkhölzer Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Bundesamt für Naturschutz

    • Bundesamt für Naturschutz legt ersten Report zur biologischen Vielfalt in landwirtschaftlich genutzten Böden vor
    • BfN-Präsidentin: Schutz des Bodenlebens stärker in den Blick nehmen

    Bonn, 18. Januar 2021: Heute hat das Bundesamt für Naturschutz (BfN) erstmals einen umfassenden Bodenreport zur biologischen Vielfalt in landwirtschaftlich genutzten Böden veröffentlicht. Zwar ist bislang lediglich ein Bruchteil der Arten in Böden wissenschaftlich erfasst, deren Ökosystemleistungen sind für Landwirtschaft und Natur jedoch essenziell.

    Der Report beschreibt die Bedeutung des Bodenlebens, fasst Kenntnisse zu dessen Zustand und Gefährdung zusammen und stellt Maßnahmen vor, wie das natürliche Bodenleben gezielt gefördert werden kann. Dabei wird unter anderem auf rechtliche Grundlagen, Verpflichtungen der Politik sowie Werkzeuge zur Förderung und Finanzierung eingegangen.
    „Mit diesem neuen Report richten wir den Blick in die Tiefe und zeigen, welch immense Bedeutung ein diverses und aktives Bodenleben für die Landwirtschaft, für unsere Ernährung und die Natur hat. Der Bericht belegt eindrücklich, dass der Schutz des Bodenlebens eine gemeinsame Aufgabe von Naturschutz und Landwirtschaft sein muss“, erklärt BfN-Präsidentin Prof. Beate Jessel. „Dabei werden sich viele der im Bodenreport vorgestellten Maßnahmen für diejenigen, die Land bewirtschaften, vor allem langfristig auszahlen. Deshalb ist es notwendig, die Neuausrichtung hin zu einer nachhaltigeren Bodenbewirtschaftung auch mit entsprechenden Fördermaßnahmen zu untermauern.“
    90 Prozent aller Landarten sind in ihrem Lebenszyklus zumindest zeitweise an den Boden als Lebensraum gebunden. Die meisten dieser Arten sind sehr klein, zugleich sind es aber sehr viele. In einer Hand voll fruchtbaren Ackerbodens finden sich mehr Bodenorganismen als es Menschen auf der Erde gibt. Diese Organismen fördern die Bodenstruktur, zersetzen und bauen Stoffe ab. Sie tragen zur Pflanzengesundheit sowie zur Regulierung des Wasserhaushalts bei und schaffen die Voraussetzung dafür, das Pflanzen wachsen und angebaut werden können: einen fruchtbaren Boden. Diese natürliche Grundlage gilt es zu schützen. Der Rückgang der Artenvielfalt, der für die oberirdischen Arten der Agrarlandschaft bereits gut dokumentiert ist, zeigt sich auch bei den in den bundesweiten Roten Listen geführten Bodenorganismen.
    „Hier besteht dringender Handlungsbedarf. Wir müssen stärker auch ‚unter den Tellerrand‘, also unter die Bodenoberfläche, schauen und den Schutz des Bodenlebens stärker in den Blick nehmen. Denn sollten Arten in unseren Böden aussterben, die uns teilweise noch gar nicht bekannt sind, so sind die Folgen für die Ökosysteme, aber auch für die Landwirtschaft in ihrer Tragweite noch gar nicht abzusehen“, so BfN-Präsidentin Jessel.
    Die heute auf großer Fläche dominierende intensive Landwirtschaft beeinträchtigt den Le-bensraum Boden mitsamt dem Bodenleben erheblich und versucht den damit einhergehenden Verlust natürlicher Prozesse teils durch vermehrten Einsatz von Technik und Agrochemie zu kompensieren. Mineralische Düngemittel, synthetische Pflanzenschutzmittel und weitere Stoffeinträge reichern sich im Boden an und schädigen die dort lebenden und wirkenden Organismen. Auch der Einsatz von immer schwererer Technik verdichtet und verändert das Bodengefüge in einem Maße, in dem es vielen Bodenlebewesen keinen angemessenen Lebensraum mehr bietet. Der ökologische und ökonomische Schaden, der mit dem Verlust im Boden lebender Arten für den Naturhaushalt, aber auch für die Landwirtschaft einhergeht, ist enorm.
    Der Report unterstreicht die Notwendigkeit, den Schutz des Bodens sowie der darin lebenden und wirkenden Organismen als integriertes Produktionsziel zu erklären, um die Bodenfruchtbarkeit zu erhalten und langfristig zu steigern. Humuserhaltende und humusmehrende Bewirtschaftung, konservierende Bodenbearbeitungsverfahren ohne schädlichen Herbizideinsatz sowie eine Anbaudiversifizierung durch erweiterte Fruchtfolgen, Kulturpflanzendiversität und der Anbau von regionalen Zwischenfruchtmischungen können hierfür laut Bodenreport eine Grundlage sein. Von den vorgestellten Maßnahmen profitieren nicht allein die Bodenfruchtbarkeit, die Umwelt und die biologische Vielfalt über und unter der Erde. Sie machen sich auch für die Landwirtschaft insgesamt bezahlt. So leistet die Förderung des Bodenlebens beispielsweise auch einen wertvollen Beitrag zur Klimaanpassung.
    „Darüber hinaus muss aber auch das Wissen um den Wert des Bodenlebens in Zukunft noch umfassender in die Praxis vermittelt werden – indem auch die Beratungen, Aus- und Fortbildungen in der Landwirtschaft die Bodenbiodiversität stärker in den Blick nehmen“, fordert Prof. Dr. Beate Jessel. „Wir möchten mit dem Report einen gemeinsamen Weg von Naturschutz und Landwirtschaft aufzeigen.“

    Hintergrund
    Forschungsprojekte zum Bodenleben
    Im Januar 2021 starten zwei Projekte zur Erforschung des Bodenlebens, die durch das Bundesamt für Naturschutz gefördert werden:
    In dem Forschungs- und Entwicklungsvorhaben „BioDivSoil“ der RWTH Aachen und des Forschungsinstitut gaiac werden Methoden zur Erfassung und Bewertung von Bodenflora und -fauna und deren Funktionen in Agrarökosystemen untersucht und Vorschläge zur gezielten Förderung von Bodenbiodiversität im integrativen Naturschutz in der Agrarlandschaft entwickelt.
    Im Forschungs- und Entwicklungsvorhaben „DUENAMED“ der Universität Bonn wird erforscht, wie Düngung so ausgerichtet werden kann, dass neben den Kulturpflanzen auch ein aktives und diverses Bodenleben optimal versorgt und gefördert werden.

    Bezugshinweis
    Der Bodenreport steht auf der BfN-Website zum Download bereit: https://www.bfn.de/themen/landwirtschaft/veroeffentlichungen.html

    Bundesamt für Naturschutz (BfN) (2021): Bodenreport. Vielfältiges Bodenleben – Grundlage für Naturschutz und nachhaltige Landwirtschaft, Bonn – Bad Godesberg, 54 Seiten. DOI: 10.19217/rep211


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten
    Umwelt / Ökologie
    überregional
    Buntes aus der Wissenschaft, Wissenschaftliche Publikationen
    Deutsch


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