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25.01.2021 11:23

Universität Greifswald: Neue Schneckenarten mit prominenten Namenspatronen

Jan Meßerschmidt Presse- und Informationsstelle
Universität Greifswald

    Forscher*innen der Universität Greifswald haben vier neue Arten von kleinen Süßwasserschnecken in Neuseeland entdeckt. Drei der neuen Arten wurden von Dr. Gerlien Verhaegen und Dr. Martin Haase vom Zoologischen Institut und Museum nach Persönlichkeiten des gesellschaftlichen Lebens benannt. Die neu entdeckten Arten werden in der aktuellen Veröffentlichung (18.01.2021) des European Journal of Taxonomy (DOI: https://doi.org/10.5852/ejt.2021.731.1205) beschrieben.

    Die neuen Schneckenarten wurden bereits 2016 von den beiden Wissenschaftler*innen während einer Forschungsreise im Norden der Südinsel Neuseelands entdeckt. Nach methodisch aufwendigen morphologischen und genetischen Analysen wurden die Arten als für die Wissenschaft neu erkannt und nun publiziert.

    Das durch menschliche Eingriffe in die Natur verursachte massenhafte Verschwinden und Aussterben zahlreicher Arten wird zunehmend auch in den Medien thematisiert. Zugleich ist nur ein Bruchteil aller Arten bisher bekannt. Vor diesem Hintergrund ist die Entdeckung unbekannter Arten von besonderer Bedeutung. So entschlossen sich Dr. Gerlien Verhaegen und Dr. Martin Haase die neuen Arten auch nach prominenten Persönlichkeiten zu benennen. Die Benennung neuer Arten nach bekannten Persönlichkeiten hat für sie zwei wesentliche Aspekte. Zum einen ist dies eine Form des Ausdrucks von Respekt, zum anderen gibt es die Möglichkeit, den Themen Biodiversität und Artensterben im Zusammenhang mit dem anthropogenen Klimawandel zu mehr und vielleicht nachhaltigerer Aufmerksamkeit zu verhelfen.

    Widmungsträger der neuen Arten sind unter anderem Greta Thunberg, Klimaaktivistin und Initiatorin der Bewegung „Fridays for Future“, die dem Kampf gegen den Klimawandel qualitativ und quantitativ eine neue Dimension gegeben hat (Opacuincola gretathunbergae), der Musiker und Komponist Jochen A. Modeß, der als Professor für Kirchenmusik über Jahrzehnte das Kulturleben in Greifswald bereichert hat (Catapyrgus jami), sowie Gareth Farr, ein neuseeländischer Komponist, der in vielen seiner Werke musikalische Traditionen der Maori mit europäisch-westlichen zu einer bemerkenswerten Synthese führt (Obtusopyrgus farri).

    Die Schnecken wurden bei der Feldarbeit zur Untersuchung des Anpassungspotenzials einer in Größe und Form sehr variablen neuseeländischen Süßwasserschneckenart, die in weiten Teilen der Welt invasiv auftritt, quasi als Beifang entdeckt. Im Gegensatz zu dieser handelt es sich bei den neu entdeckten Arten um Lebensraumspezialisten. Sie sind nicht einmal drei Millimeter groß und ausschließlich in Quellen und sehr kleinen Bächen zu finden. Zwei von ihnen dürften sogar den Übergangsbereich zum Grundwasser zu ihrem bevorzugten Habitat erkoren haben, wie die Reduktion von Größe, Pigment und Augen nahelegt. Nicht wenige verwandte Arten sind sogar reine Grundwasserbewohner. Die meisten dieser Arten haben eine extrem kleinräumige Verbreitung. Viele von ihnen kennt man nur von wenigen Standorten oder nur aus einem Tal, was sie sehr verwundbar gegen menschliche Eingriffe in die Natur einschließlich des Klimawandels macht.

    Weitere Informationen

    Die Untersuchungen fanden im Rahmen des von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten Graduiertenkollegs „RESPONSE – Biological Responses to Novel and Changing Environments“ an der Universität Greifswald statt: http://www.uni-greifswald.de/response

    Publikation: Verhaegen G. & Haase M. 2020. All-inclusive descriptions of new freshwater snail taxa of the hyperdiverse family Tateidae (Gastropoda, Caenogastropoda) from the South Island of New Zealand. European Journal of Taxonomy. DOI: https://doi.org/10.5852/ejt.2021.731.1205
    https://europeanjournaloftaxonomy.eu/index.php/ejt/article/view/1205

    FOTOS:
    1. Gerlien Verhaegen am Fundort von Obtusopyrgus farri, ©Martin-Haase
    2. Obtusopyrgus farri auf einem Blatt, ©Gerlien-Verhaegen
    3. Martin Haase am Fundort von Obtusopyrgus farri, ©Gerlien-Verhaegen
    4. Schneckenhäuser, © Gerlien Verhaegen & Martin Haase

    Die Fotos können für redaktionelle Zwecke im Zusammenhang mit dieser Medieninformation kostenlos heruntergeladen und genutzt werden. Dabei ist der Name der Bildautorin bzw. des Bildautors zu nennen. Download http://www.uni-greifswald.de/pressefotos

    Ansprechpartner an der Universität Greifswald
    Dr. Martin Haase
    AG Vogelwarte, Zoologisches Institut und Museum
    Soldmannstraße 23, 17489 Greifswald
    Telefon 03834 420 4347
    martin.haase@uni-greifswald.de
    http://www.zoologie.uni-greifswald.de


    Bilder

    Obtusopyrgus farri auf einem Blatt
    Obtusopyrgus farri auf einem Blatt
    Foto: Gerlien Verhaegen

    Schneckenhäuser
    Schneckenhäuser
    Foto: G. Verhaegen & M. Haase


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten, Studierende, Wissenschaftler, jedermann
    Biologie
    überregional
    Buntes aus der Wissenschaft, Wissenschaftliche Publikationen
    Deutsch


     

    Obtusopyrgus farri auf einem Blatt


    Zum Download

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    Schneckenhäuser


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