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05.02.2021 09:50

„Moin und Salam“. AIWG Praxisfellow startet Multimedia-Blog zu muslimischem Leben in Deutschland

Stefanie Golla Pressestelle
Akademie für Islam in Wissenschaft und Gesellschaft (AIWG)

    Frankfurt am Main. Julius Matuschik, Fotojournalist und Praxisfellow an der Akademie für Islam in Wissenschaft und Gesellschaft an der Goethe-Universität, hat heute seinen Blog „Moin und Salam“ gelauncht. In sechs Kapiteln wird der Fotojournalist die Geschichte und Gegenwart des Islams in Deutschland anhand von eigenen Bildern, historischem Bildmaterial sowie Audio- und Videobeiträgen nachzeichnen. Politologin und Religionswissenschaftlerin Dr. Raida Chbib ist Autorin der Texte. Der Blog ist abrufbar unter: www.moinundsalam.de

    Stereotype und Klischees dominieren deutsches Islam-Bild

    Kopftuch tragende Frauen, bärtige Männer ins Gebet vertieft: Die mediale Berichterstattung zu Muslim_innen und zum Islam in Deutschland wird häufig immer noch von Klischees und Stereotypen geprägt. Einzelne Muslim_innen werden auf Fotos oft als Teil einer kollektiven Gruppe dargestellt, werden somit entindividualisiert. „Leider sieht man in deutschen Medien oft sehr stereotype Fotografien, die den Islam bebildern sollen. Die islamische Vielfalt, muslimisches Leben und der Islam als Teil der deutschen Gesellschaft werden zu wenig sichtbar. Ich hoffe, Medienschaffende in Deutschland dazu anregen zu können, verantwortungsbewusster bei der Bildauswahl vorzugehen. Fotografien sind sehr machtvoll. Es ist nicht einfach nur ein Bild, das in die Welt gesendet wird. Immer gleiche Bilder sorgen zusammengenommen für einen Framing-Effekt und reproduzieren den Islam als etwas Fremdes und Exotisches,“ sagt AIWG Praxisfellow Julius Matuschik.

    „Der Islam kam nicht erst mit den Gastarbeiter_innen nach Deutschland“

    Der Fotojournalist aus Hannover will mit seinem Praxisprojekt zu einem aktualisierten Narrativ über den Islam in Deutschland beitragen, das die zahlreichen Identitäten des Islams und der in Deutschland lebenden Muslim_innen abbildet.

    Mit dem jetzt gestarteten Blog soll ein möglichst differenziertes Bild des Islams in Deutschland abseits gängiger Klischees entstehen, die muslimische Vielfalt soll sichtbar gemacht und deutsche Muslim_innen in Porträts vorgestellt werden. In insgesamt sechs Kapiteln beleuchtet die Reportage die Entstehung des Islams in Deutschland, reflektiert gesellschaftliche Debatten und stellt Grundwissen zum Islam und zu deutschen Muslim_innen zur Verfügung.

    Die einzelnen Kapitel werden nach und nach veröffentlicht Die ersten beiden Kapitel beschäftigen sich zunächst mit der Geschichte des Islams in Deutschland und zeigen ausgewählte historische Fotografien oder Illustrationen.

    Neben Fotos und erläuternden Texten beinhaltet der Blog auch ergänzende Audio-Interviews mit Wissenschaftler_innen und Muslim_innen zu ausgewählten Themenschwerpunkten. Die Bildrecherche, Fotografien und Videos übernimmt Julius Matuschik im Rahmen seines Praxisfellowships an der Akademie für Islam in Wissenschaft und Gesellschaft. Die Texte erstellt die Politologin, Religionswissenschaftlerin und Geschäftsführerin an der AIWG Dr. Raida Chbib.

    „Das Innovative und zugleich Knifflige an dem Projekt besteht darin, geleitet vom fotografischen Material, fundierte Informationen in gemeinverständlicher Form einfließen zu lassen. Nicht der Text, sondern Bild-, Video- und Audiomaterialien sind hier die Hauptzugänge, um festgefahrene öffentliche Bilder von Deutschlands Muslim_innen aufzubrechen. Viele von diesen vorherrschenden Bildern basieren noch auf älteren Informationsbeständen oder auf einer einseitigen Betonung problematischer Aspekte, wie dem der Radikalisierung. Diese bilden nicht den fortgeschrittenen wissenschaftlichen Erkenntnisstand zu muslimischem Leben und seiner Geschichte in Deutschland ab. Der Blog präsentiert über vielfältige und lebensnahe Fotografien und entsprechende Begleittexte gewissermaßen ein wissenschaftlich fundiertes Update zum Islam in Deutschland“, so Dr. Chbib.

    Julius Matuschik über die Entstehung seines Praxisprojekts: „Die Idee zur Online-Reportage ist bei der Durchsicht von historischen Fotos aus Archivbeständen von deutschen Muslim_innen in Berlin um die Jahrhundertwende und aus den 1920er-Jahren entstanden. Es war faszinierend für mich, solche Fotos zu sichten. Diese Bilder brechen mit der Erzählung, das der Islam erst mit den Gastarbeiter_innen nach Deutschland gekommen ist. Solche Fotografien sind unser kollektives Erbe. Ich fand die Idee spannend, die Erzählung fotografisch weiterzuführen und neue Fotos mit den historischen Bildern gemeinsam zu präsentieren.“

    Auf dem gleichnamigen Instagram Kanal „Moin und Salam“ kann sich jede/jeder interaktiv einbringen und unter dem Hashtag #moinundsalam eigene Bilder zum Thema teilen. Parallel zur Reportage entsteht eine Bilddatenbank. Die in der Datenbank bereitgestellten Bilder können von Journalist_innen und Wissenschaftler_innen genutzt werden.

    Über die Projektbeteiligten

    Julius Matuschik arbeitet als Fotojournalist für verschiedene On- und Offlinemedien. Er engagiert sich im Cameo Kollektiv e.V., wo er gemeinsam mit anderen Kreativen unter anderem soziokulturelle Projekte realisiert und Maßnahmen der kulturellen und politischen Bildung durchführt. Seit 2013 dokumentiert er fotografisch den Islam in Deutschland.

    Dr. Raida Chbib ist Geschäftsführerin der Akademie für Islam in Wissenschaft und Gesellschaft. Sie studierte Politikwissenschaft, Völkerrecht und Islamwissenschaft an der Friedrich-Wilhelms Universität Bonn und promovierte an der Ruhr-Universität Bochum (RUB) in den Religionswissenschaften. Zu ihren Forschungsschwerpunkten gehören Migration und Religion, religiöse Vielfalt, Organisationsprozesse von Religion, insbesondere des Islams, sowie Politik und Islam in Deutschland.

    Bildmaterial

    Die auf unserer Webseite im Pressebereich (https://aiwg.de/pressemitteilungen/) zum Download angebotenen Bilder dürfen im Rahmen der Berichterstattung über den Blog redaktionell verwendet werden.

    Über das AIWG Praxisfellowship

    Das AIWG-Praxisfellowship richtet sich an ideenreiche Persönlichkeiten mit praktischen Erfahrungen zu Fragen der Religion und der gesellschaftlichen Teilhabe von Muslim_innen in Deutschland. Es unterstützt ihr persönliches Engagement und ihre individuellen Projektideen und ermöglicht ihnen, ihre bisherigen Kenntnisse zu islambezogenen Themen auszubauen und sie in die Wissenschaft einzubinden. Weitere Informationen finden Sie unter: https://aiwg.de/transferformate/#praxisfellowship

    Über die AIWG

    Die AIWG ist eine universitäre Plattform für Forschung und Transfer in islamisch-theologischen Fach- und Gesellschaftsfragen. Sie ermöglicht überregionale Kooperationen und Austausch zwischen Wissenschaftler_innen der islamisch-theologischen Studien und benachbarter Fächer sowie Akteur_innen aus der muslimischen Zivilgesellschaft und weiteren gesellschaftlichen Bereichen. Die AIWG wird gefördert vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und durch die Stiftung Mercator.

    Pressekontakt

    Stefanie Golla
    Koordinatorin Wissenschaftskommunikation
    und Öffentlichkeitsarbeit
    Tel.: 069-798 22459
    E-Mail: golla@aiwg.de


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten, Lehrer/Schüler, Wissenschaftler, jedermann
    Geschichte / Archäologie, Gesellschaft, Pädagogik / Bildung, Religion, Sprache / Literatur
    überregional
    Forschungs- / Wissenstransfer
    Deutsch


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