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09.02.2021 11:18

Auf den Bahamas lebte eine ausgestorbene Art, die mit den Galapagos-Schildkröten nahe verwandt war

Judith Jördens Senckenberg Pressestelle
Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseen

    Senckenberg-Wissenschaftler Christian Kehlmaier und Uwe Fritz haben mit einem internationalen Team zehn nahezu vollständige mitochondriale Genome der ausgerotteten Riesenschildkröte Chelonoidis alburyorum von den Bahamas sequenziert und mit anderen Landschildkröten verglichen. Sie zeigen in ihrer heute im Fachjournal „Scientific Reports“ erschienenen Studie, dass die Bahamas-Schildkröte eng mit der Galapagos-Riesenschildkröte verwandt war und dass es nur eine Schildkrötenart pro Inselgruppe gab. Die 15 morphologisch sehr unterschiedlichen Riesenschildkröten der Galapagos-Inseln gehören demnach alle zur selben Art – anders als bislang gedacht.

    Riesenschildkröten – bis zu 400 Kilo schwere Tiere, deren Panzer Längen von mehr als einem Meter erreichen können – sind heute ausschließlich auf den ostpazifischen Galapagos-Inseln und dem Aldabra-Atoll im Indischen Ozean verbreitet. Sie gelten als eine der Tiergruppen, die Charles Darwin zu seiner weltbekannten Evolutionstheorie angeregt haben. „Früher waren Riesenschildkröten wesentlich weiter verbreitet“, erklärt Prof. Dr. Uwe Fritz von den Senckenberg Naturhistorischen Sammlungen in Dresden und fährt fort: „Vor rund 200 Jahren kamen sie noch auf den Maskarenen östlich von Madagaskar vor und bis vor wenigen tausend Jahren auf vielen anderen Inseln, beispielsweise auf den Fidschi-Inseln, den Bahamas, Kuba, Madagaskar, Sizilien oder den Kanarischen Inseln.“

    Heute findet man dort von den imposanten Landwirbeltieren nur noch Überreste. Die Arten wurden überall kurz nach der Ankunft des Menschen ausgerottet. Fritz und sein Team haben mehrere zwischen 700 und 2.700 Jahre alte Funde von sieben Bahamas-Inseln untersucht. „Uns ist es gelungen von sechs dieser Inseln zehn fast vollständige mitochondriale Schildkröten-Genome zu sequenzieren. Unsere Analysen zeigen, dass die Bahamas erst vor etwa 1,5 Millionen Jahren von den Riesenschildkröten besiedelt wurden. Es gab auf den einzelnen Inseln der Bahamas morphologisch sehr unterschiedliche Schildkröten-Typen. Genetisch gehörten die schon vor der Ankunft der ersten Europäer ausgerotteten Riesenschildkröten aber nur zu einer Art“, fasst der Dresdner Biologe die Ergebnisse zusammen.

    Auch die sehr unterschiedlichen Panzerformen der Galapagos-Riesenschildkröten müssen laut der Studie erst kurz nach der Besiedlung der Inselgruppe entstanden sein, welche nach den Befunden des internationalen Teams vor etwa zwei Millionen Jahren stattfand. Fritz fasst zusammen: „Dies widerspricht der derzeit vorherrschenden Lehrmeinung, dass die Galapagos-Riesenschildkröten zu etwa 15 verschiedenen Arten gehören. Alle Galapagos-Schildkröten müssen nach unseren Ergebnissen zu einer Art zusammengefasst werden!“


    Wissenschaftliche Ansprechpartner:

    Prof. Dr. Uwe Fritz
    Senckenberg Naturhistorische Sammlungen Dresden
    Tel. 0351 79584143-28
    uwe.fritz@senckenberg.de


    Originalpublikation:

    Christian Kehlmaier, Nancy A. Albury, David W. Steadman, Eva Graciá, Richard Franz &
    Uwe Fritz (2021): Ancient mitogenomics elucidates diversity of extinct West Indian tortoises. Scientific Reports. https://doi.org/10.1038/s41598-021-82299-w


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten
    Biologie, Geowissenschaften
    überregional
    Forschungsergebnisse
    Deutsch


    Die ausgerotteten Riesenschildkröten der Bahamas waren ebenfalls sehr variabel, aber glichen mehr dem Typ der Galapagos-Schildkröten mit gewölbtem Panzer.


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