idw – Informationsdienst Wissenschaft

Nachrichten, Termine, Experten

Grafik: idw-Logo
Thema Corona

Science Video Project
idw-Abo

idw-News App:

AppStore

Google Play Store



Teilen: 
10.02.2021 13:16

Start-up-Unternehmen im High-Tech-Bereich profitieren von Twitter-Hype

Petra Giegerich Kommunikation und Presse
Johannes Gutenberg-Universität Mainz

    Neue Studie zeigt Zusammenhang zwischen Stimmungslage auf Twitter und der Bewertung eines Start-ups durch Risikokapitalgeber – Patente sind stärkere Indikatoren für langfristigen Erfolg

    Der Kurznachrichtendienst Twitter hat in den vergangenen Wochen und Monaten in der US-Politik eine prominente Rolle gespielt und viel Aufmerksamkeit erregt. Aber auch in der Wirtschaft werden die Tweets der Twitter-Nutzer aufmerksam verfolgt und als Entscheidungsgrundlage genutzt. Eine neue Studie zeigt, dass sich Risikokapitalgeber ebenfalls von der Stimmungslage auf Twitter beeinflussen lassen, wenn sie Start-up-Unternehmen aus dem High-Tech-Sektor bewerten. „Allerdings sagt das Stimmungssignal auf Twitter nichts über den langfristigen Investmenterfolg eines solchen Start-ups aus. Hierfür eignen sich beispielsweise Patentanträge wesentlich besser“, sagt Prof. Dr. Andranik Tumasjan von der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU). Er hat die Studie zusammen mit Prof. Dr. Reiner Braun und Dr. Barbara Stolz von der TU München durchgeführt. Die Ergebnisse wurden in dem renommierten Fachmagazin Journal of Business Venturing veröffentlicht.

    Twitter als Informationsplattform im Technologiebereich weltweit etabliert

    Ausgangspunkt des Teams war die Frage, wie stark sich Risikokapitalgeber durch Medien-Hypes beeinflussen lassen. „Unter den sozialen Medien ist Twitter das Medium, das sich für eine solche Untersuchung im Business- und Technologiesektor am besten eignet“, erklärt Tumasjan. Der 2006 gegründete Kurznachrichtendienst ist mittlerweile für den kurzfristigen Austausch von Informationen über neue Technologien und Trends wie beispielsweise Künstliche Intelligenz und generell geschäftliche Aktivitäten die weltweit wichtigste Social-Media-Plattform. Somit könnten Stimmungslagen auf Twitter auch die Einschätzungen von Risikokapitalgebern beeinflussen. „Gerade junge Unternehmen sind am Anfang ihrer Tätigkeit, wenn noch nichts produziert oder verkauft wird, schwierig zu bewerten. Das heißt, die Risikokapitalgeber entscheiden über Investitionen in Technologie-Start-ups vor dem Hintergrund großer Unsicherheiten“, so Tumasjan.

    Aber können Twitter-Stimmungen die Bewertung und den Erfolg von Start-ups im High-Tech-Bereich vorhersagen? Das Forscherteam hat dazu über 400.000 englischsprachige Tweets zu 37 unterschiedlichen Technologien und mehr als 4.600 Risikokapital-Finanzierungsrunden im Zeitraum von 2008 bis 2017 analysiert. Die Auswertung der Tweets erfolgte mithilfe von VADER, einem Lexikon, das speziell zur Messung von Social-Media-Stimmungen dient. „Das gibt uns einen objektiven Indikator, wie die Stimmungslage auf Twitter ist, also wie über eine bestimmte Technologie ganz konkret gesprochen wird“, erläutert Tumasjan. Insgesamt wurden 4.005 US-Unternehmen einbezogen, die im Durchschnitt knapp 5 Jahre alt waren. Die Berechnung der Bewertung eines Unternehmens erfolgte anhand der sogenannten Vor-Geld-Bewertung. Der Investmenterfolg wiederum wurde am Börsengang oder der Akquisition eines Start-ups gemessen.

    Twitter-Stimmungen als „schwaches Signal“ identifiziert – Patente sind „starkes Signal“

    Tatsächlich, so das Ergebnis, kann die Stimmungslage zu Technologien auf Twitter die Risikokapital-Bewertung von jungen High-Tech-Unternehmen, deren Geschäftsmodell auf diesen Technologien aufbaut, signifikant vorhersagen. Allerdings kann Twitter nicht den langfristigen Investmenterfolg – zum Beispiel durch einen Börsengang oder eine Firmenübernahme des Start-ups – prognostizieren. „Damit erachten wir Twitter zwar als ein neues Signal für die Risikokapitalfinanzierung, allerdings nur als ein schwaches Signal im Gegensatz zu Patenten“, so Tumasjan. Patente und Patentanträge gelten schon seit Jahren als starkes Signal, da sie sowohl mit der Bewertung als auch mit dem langfristigen Investmenterfolg korrelieren. Patentanträge sagen signifikant die Erfolgswahrscheinlichkeit vorher.

    Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass es aus der Sicht von Firmengründerinnen und Firmengründern durchaus von Vorteil sein kann, auf einen Twitter-Hype zu setzen, um somit eine höhere Kapitalbewertung zu erhalten. Risikokapitalgebern allerdings empfiehlt Andranik Tumasjan, sich durch die Stimmungslage auf Twitter nicht beeinflussen zu lassen, sondern auf andere Signale, wie zum Beispiel Patente, zu fokussieren. Dies gilt auch für erfahrene Risikokapitalgeber: Gegen einen Twitter-Hype sind auch sie laut der Studie nicht immun.

    Andranik Tumasjan hat an der Ludwig-Maximilians-Universität München studiert und an der Technischen Universität München im Bereich Management promoviert und habilitiert. Seit 2017 ist er Professor und Leiter der Forschungsgruppe für Management und Digitale Transformation an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz. Seine Forschungsarbeiten befassen sich mit der Frage, wie digitale Technologien die Entstehung neuer Organisations-, Führungs- und Geschäftsmodelle sowie unternehmerischer Gelegenheiten beeinflussen. Ein aktueller Schwerpunkt liegt auf dem Potenzial der Blockchain-Technologie. In früheren Studien untersuchte er bereits, inwieweit die Stimmungslage auf Twitter Ereignisse wie politische Wahlen und Bewegungen an Aktienmärkten vorhersagen kann.

    Weiterführende Links:
    https://mdt.bwl.uni-mainz.de/ - Lehrstuhl für Management und Digitale Transformation an der Gutenberg School of Management and Economics der JGU
    https://www.linkedin.com/posts/andraniktumasjan_twitter-sentiment-as-a-weak-sign... - LinkedIn-Post von Prof. Dr. Andranik Tumasjan
    https://www.professors.wi.tum.de/ef/team/prof-dr-braun/ - Prof. Dr. Reiner Braun, Entrepreneurial Finance 2, Fakultät für Wirtschaftswissenschaften, Technische Universität München

    Lesen Sie mehr:
    https://www.uni-mainz.de/presse/aktuell/11774_DEU_HTML.php - Pressemitteilung „Forschungskolleg ‚DI-GEST‘ der Hochschule Mainz und der Johannes Gutenberg-Universität Mainz gestartet“ (03.07.2020)
    https://www.uni-mainz.de/presse/aktuell/12903_DEU_HTML.php - Pressemitteilung „Ranking der WirtschaftsWoche: Ausgezeichnete Forschung an der Gutenberg School of Management and Economics“ (08.01.2020)


    Wissenschaftliche Ansprechpartner:

    Prof. Dr. Andranik Tumasjan
    Management und Digitale Transformation
    Fachbereich Rechts- und Wirtschaftswissenschaften
    Johannes Gutenberg-Universität Mainz
    55099 Mainz
    Tel. +49 6131 39-21765
    Fax +49 6131 39-27349
    E-Mail: antumasj@uni-mainz.de
    https://mdt.bwl.uni-mainz.de/team/prof-dr-andranik-tumasjan/


    Originalpublikation:

    Andranik Tumasjan, Reiner Braun, Barbara Stolz
    Twitter sentiment as a weak signal in venture capital financing
    Journal of Business Venturing, 29. Januar 2021
    DOI: 10.1016/j.jbusvent.2020.106062
    https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0883902620306704?dgcid=coauth...


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten, Wirtschaftsvertreter, jedermann
    Elektrotechnik, Informationstechnik, Medien- und Kommunikationswissenschaften, Psychologie, Wirtschaft
    überregional
    Forschungsergebnisse, Wissenschaftliche Publikationen
    Deutsch


    Hilfe

    Die Suche / Erweiterte Suche im idw-Archiv
    Verknüpfungen

    Sie können Suchbegriffe mit und, oder und / oder nicht verknüpfen, z. B. Philo nicht logie.

    Klammern

    Verknüpfungen können Sie mit Klammern voneinander trennen, z. B. (Philo nicht logie) oder (Psycho und logie).

    Wortgruppen

    Zusammenhängende Worte werden als Wortgruppe gesucht, wenn Sie sie in Anführungsstriche setzen, z. B. „Bundesrepublik Deutschland“.

    Auswahlkriterien

    Die Erweiterte Suche können Sie auch nutzen, ohne Suchbegriffe einzugeben. Sie orientiert sich dann an den Kriterien, die Sie ausgewählt haben (z. B. nach dem Land oder dem Sachgebiet).

    Haben Sie in einer Kategorie kein Kriterium ausgewählt, wird die gesamte Kategorie durchsucht (z.B. alle Sachgebiete oder alle Länder).