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19.02.2021 12:51

Sprachen lernen sich leichter durch Transfer

Vivien Busse Abteilung Hochschulkommunikation/Bereich Presse und Information
Friedrich-Schiller-Universität Jena

    Lukas Eibensteiner ist neuer Professor für die Didaktik der romanischen Schulsprachen

    Wer mehrere Fremdsprachen erlernt hat, kennt das Phänomen: In Grammatik und Wortschatz finden sich zahlreiche Parallelen zwischen den Sprachen. Schülerinnen und Schüler werfen dabei vielleicht das eine oder andere durcheinander; dennoch sind diese Parallelen wichtig, da sie in den meisten Fällen den Fremdsprachenerwerb erleichtern.

    Dieser Wissenstransfer, also die Aktivierung des Vorwissens aus einer Sprache und dessen Transfer in eine neue Sprache, ist ein wichtiger Bestandteil der Mehrsprachigkeitsdidaktik. Der Juniorprofessor mit Tenure Track Dr. Lukas Eibensteiner hat dieses Gebiet zu seinem Forschungsschwerpunkt gemacht und erachtet es zugleich als seine Leidenschaft. Den Ruf an das Institut für Romanistik der Universität Jena nahm der gebürtige Linzer mit Freude an. „Ich wusste, dass Professor Marcus Reinfried in Jena tätig war. Er ist einer der großen Namen im Bereich der Mehrsprachigkeitsdidaktik. Und hinzu kommt, dass die Universität Jena eine lange, bedeutende Geschichte hat und internationales Ansehen genießt.“ Für ihn Gründe genug, seine Stelle als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität Mannheim zu verlassen und nach Jena zu ziehen, um dort zu lehren und zu forschen.

    Sprachvergleich hilft, Grammatik zu lernen

    Bereits in der Schule und während seines Lehramtsstudiums in Wien für die Fächer Spanisch, Psychologie und Philosophie fielen Eibensteiner die Parallelen zwischen den von ihm gelernten Sprachen auf. Dies weckte sein Interesse an der Didaktik der Mehrsprachigkeit. Die für seine Forschung wohl wichtigste Parallele ist der sogenannte Aspekt. „Aspekte ermöglichen es, eine Situation aus unterschiedlichen Perspektiven zu betrachten“, erklärt Lukas Eibensteiner. „Man kann etwas als abgeschlossen oder eben als nicht abgeschlossen betrachten.“ Genau wie im Englischen. Dort wird beispielsweise unterschieden zwischen Simple Past („I sang a song“) und dem Past Progressive („I was singing a song“). Diese Ähnlichkeiten hinsichtlich des Aspekts machte er zum Thema seiner Promotion an der Universität Mannheim. Es galt herauszufinden, wie hilfreich diese für das Erlernen einer neuen Sprache sind. Seine Untersuchungen ergaben: Haben Schülerinnen und Schüler bereits Vorkenntnisse in einer Fremdsprache, fällt ihnen das Erlernen einer neuen Sprache leichter. Sie ziehen Parallelen und wenden ihr Vorwissen auf die neue Sprache an. Für die Zukunft plant Lukas Eibensteiner eine Eye-Tracking-Studie, um derartige Transfer-Phänomene noch genauer zu untersuchen. Darüber hinaus interessiert er sich für die Frage, wie man diese Transferleistungen nutzen kann, um die Herkunftssprachen der Lernenden in den Fremdsprachenunterricht zu integrieren. „Man muss bedenken, dass die Schülerschaft immer heterogener wird, immer mehr haben einen Migrationshintergrund. Daher stelle ich mir beispielsweise die Frage, wie man etwaige sprachliche Ähnlichkeiten zwischen dem Türkischen und dem Französischen gewinnbringend einsetzen kann.“

    Zukunftspläne für Lehre und Forschung in Jena

    Wie können Lernende dabei unterstützt werden, ihre Vorkenntnisse zu transferieren? Wie können Lehrende diesen Transfer aktivieren? Diese Fragen beschäftigen den Österreicher weiterhin. „Im Unterricht sollten Sprachvergleiche aktiv gefördert werden“, sagt er. „Negativ-Vergleiche fallen uns sofort auf; positive Parallelen nehmen wir oft nicht bewusst wahr, obwohl sie in der Zahl überwiegen. Deshalb ist es umso wichtiger, diese aktiv zu fördern und das ist unter anderem Aufgabe der Lehrenden.“ Lukas Eibensteiner möchte daher seinen Studierenden nahelegen, Mehrsprachigkeit in die Unterrichtsgestaltung zu integrieren und gibt ihnen dafür Ideen und Möglichkeiten an die Hand. Diese Ausrichtung will er nun für das Studium in Jena durchsetzen und verstärkt Mehrsprachigkeit in die fachdidaktische Ausbildung integrieren. Dazu arbeitet er u. a. gerade daran, einen Online-Aufgabenpool zu erstellen, der allen Studierenden zugänglich gemacht werden soll. Im internationalen Verbundprojekt „Mehrsprachigkeit und zielsprachliche Kompetenz“ mit den Universitäten Mannheim, Saarbrücken und Salzburg möchte Lukas Eibensteiner außerdem empirisch überprüfen, inwiefern sich der Einsatz solcher Aufgaben im Fremdsprachenunterricht auf die zielsprachliche Kompetenz auswirkt.

    Mehrsprachigkeit beschränkt sich für Eibensteiner aber nicht nur auf die Schulfremdsprachen. Teile seines Studiums verbrachte er in Alicante in Spanien, während seiner Promotion an der Universität Mannheim lebte er zeitweise im französischen Straßburg. Dabei begegnete er Klein- bzw. Minderheitensprachen, z. B. dem Katalanischen oder dem Elsässischen. Auch solchen Kleinsprachen will Eibensteiner Raum im Fremdsprachenunterricht geben, beispielsweise durch Stadtspaziergänge (Stichwort „Linguistic Landscaping“), bei denen im Rahmen von schulischen oder universitären Auslandsaufenthalten die Mehrsprachigkeit einer Stadt fotografisch dokumentiert und anschließend im Unterricht analysiert wird.


    Wissenschaftliche Ansprechpartner:

    Jun.- Prof. Dr. Lukas Eibensteiner
    Institut für Romanistik der Friedrich-Schiller-Universität Jena
    Ernst-Abbe-Platz 8, 07743 Jena
    Tel.: 03641 / 944690
    E-Mail: lukas.eibensteiner[at]uni-jena.de


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten
    Pädagogik / Bildung, Sprache / Literatur
    regional
    Personalia
    Deutsch


    Prof. Dr. Lukas Eibensteiner von der Uni Jena erforscht, wie man beim Sprachenlernen auf Kenntnisse aus verwandten Sprachen zurückgreift


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