idw – Informationsdienst Wissenschaft

Nachrichten, Termine, Experten

Grafik: idw-Logo
Thema Corona

Imagefilm
Science Video Project
idw-News App:

AppStore



Teilen: 
08.03.2021 11:37

Forschungsteam unter Leitung des Centrums für Naturkunde entdeckt neue Schlangenart

Abteilung 2 Referat Medien- und Öffentlichkeitsarbeit
Universität Hamburg

    20 Zentimeter groß, auf der Insel Mayotte im Indischen Ozean beheimatet, die Verwandten 300 Kilometer entfernt: Ein internationales Team unter Leitung des Centrums für Naturkunde der Universität Hamburg hat nun erstmals die neue Schlangenart „Madatyphlops eudelini“ beschrieben. Die Erkenntnisse wurden in der Fachzeitschrift „The Anatomical Record“ veröffentlicht.

    Auf den ersten Blick ist Madatyphlops eudelini kaum von einem Regenwurm zu unterscheiden – zumal sie wie ein Wurm unter der Erde lebt. Erst die genauere Betrachtung zeigt, dass das maximal 20 Zentimeter lange Tier, wie andere Reptilien auch, ein festes Schuppenkleid trägt, das auch die verkümmerten Augen bedeckt. Und wie andere Schlangen besitzt sie eine gespaltene Zunge.

    Nun hat ein Forschungsteam unter Leitung des Centrums für Naturkunde (CeNak) der Universität Hamburg herausgefunden, dass es sich bei der auf der Insel Mayotte lebenden Schlange um eine bisher unbeschriebene Art handelt. Mayotte liegt zwischen Mosambik und Madagaskar im Indischen Ozean und ist als französisches Übersee-Department Teil der Europäischen Union. Der französische Biologielehrer Rémy Eudeline hatte das erste Exemplar auf einer Expedition entdeckt. Nach ihm ist die neue Art nun benannt worden.

    „Ich selbst habe die Fundstelle davor schon mindestens zehnmal untersucht, aber die Wurmschlange noch nie zuvor gesehen“, erklärt Dr. Oliver Hawlitschek. Er ist Manager des Molekularlabors am Centrum für Naturkunde (CeNak) und Leiter der Studie. Die Forschenden haben das Tier in einem Mikro-Computertomographen untersucht und wie sich herausstellte, ist die neue Art für eine Schlange extrem klein, besitzt aber ein außergewöhnlich robustes Skelett – mit einem echten Dickschädel: „Die verstärkten Knochen vor allem am Kopf sind eine Anpassung an die grabende Lebensweise", sagt Dr. Mark Scherz von der Universität Potsdam.

    Mithilfe genetischer Analysen untersuchte das Team zudem die Abstammung der neuen Art und entdeckte, dass die Vorfahren der Art auf Madagaskar leben. Kathleen Webster von der Zoologischen Staatssammlung München erklärt: „Tatsächlich kommt es immer wieder vor, dass auch an Land lebende Kleintiere durch Drift auf Treibholz abgelegene Inseln besiedeln.“ Die Vermutung ist, dass das auch bei den prähistorischen Vorfahren von Madatyphlops eudelini der Fall war – über 300 Kilometer offenen Ozean.

    Obwohl die Insel laut Ivan Ineich vom Muséum national d’Histoire naturelle in Paris im Vergleich zu vielen tropischen Regionen eigentlich sehr gut untersucht sei, scheint die kleine Wurmschlange aufgrund ihr unscheinbaren Äußeren und ihrer unterirdischen Lebensweise bisher von Forschenden übersehen worden zu sein. „Ich würde auch die Entdeckung weiterer unbekannter Arten keinesfalls ausschließen“, sagt Frank Glaw von der Zoologischen Staatssammlung München, der seit mehr als 30 Jahren auf Madagaskar arbeitet und auch dort zahlreiche neue Arten entdeckt hat. Auf Mayotte herrscht – wie auf Madagaskar – ein tropisches Klima und die Fauna ist sehr artenreich. Allerdings sind bisher erst zwei Individuen von Madatyphlops eudelini bekannt, was darauf hindeutet, dass es sich um eine gefährdete Art handeln könnte.


    Wissenschaftliche Ansprechpartner:

    Oliver Hawlitschek
    Universität Hamburg
    Centrum für Naturkunde
    Tel.: +49 170 9036994
    E-Mail: Oliver.Hawlitschek@uni-hamburg.de


    Originalpublikation:

    Hawlitschek, O, Scherz, MD, Webster, KC, Ineich, I, Glaw, F. Morphological, osteological, and genetic data support a new species of Madatyphlops (Serpentes: Typhlopidae) endemic to Mayotte Island, Comoros Archipelago. Anat Rec. 2021; 1– 15. https://doi.org/10.1002/ar.24589


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten
    Biologie, Umwelt / Ökologie
    überregional
    Forschungsergebnisse, Forschungsprojekte
    Deutsch


    Hilfe

    Die Suche / Erweiterte Suche im idw-Archiv
    Verknüpfungen

    Sie können Suchbegriffe mit und, oder und / oder nicht verknüpfen, z. B. Philo nicht logie.

    Klammern

    Verknüpfungen können Sie mit Klammern voneinander trennen, z. B. (Philo nicht logie) oder (Psycho und logie).

    Wortgruppen

    Zusammenhängende Worte werden als Wortgruppe gesucht, wenn Sie sie in Anführungsstriche setzen, z. B. „Bundesrepublik Deutschland“.

    Auswahlkriterien

    Die Erweiterte Suche können Sie auch nutzen, ohne Suchbegriffe einzugeben. Sie orientiert sich dann an den Kriterien, die Sie ausgewählt haben (z. B. nach dem Land oder dem Sachgebiet).

    Haben Sie in einer Kategorie kein Kriterium ausgewählt, wird die gesamte Kategorie durchsucht (z.B. alle Sachgebiete oder alle Länder).