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17.03.2021 09:03

Die Ordnung der Minerale: Etiketten der Oryktognostischen Sammlung von A. G. Werner werden digitalisiert

Philomena Konstantinidis Pressestelle
Technische Universität Bergakademie Freiberg

    Bisher war die Oryktognostische Sammlung von Abraham Gottlob Werner (1749–1817) der TU Bergakademie Freiberg in Schubladen gesichert aufbewahrt und konnte nur auf Anfrage eingesehen werden. In Kooperation mit der Sächsischen Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek Dresden (SLUB) wurden die ersten 3.000 historischen Etiketten mit ihren Mineralen nun digitalisiert. Die Initiative erfolgte im Rahmen des Landesdigitalisierungsprogramms (LDP) für Wissenschaft und Kultur des Freistaats Sachsen.

    Die Zeit um 1800 war von einer außerordentlich starken Entwicklung der Wissenschaften geprägt.Viele uns heute bekannte Disziplinen bildeten sich als selbstständige Fächer aus, so auch die Mineralogie. Die von Werner erarbeitete Mineralsystematik, die Oryktognosie, stellte einen Durchbruch in den damaligen Geowissenschaften dar und liegt nicht nur in schriftlicher Form vor, sondern auch als gegenständliche Sammlung bestehend aus Mineralstufe und Etikett.

    Die Etiketten – der Schlüssel zur Sammlung

    Im Fokus des Digitalisierungsprojekts stehen die historischen, handschriftlichen Etiketten. Sie stellen das Bindeglied zwischen dem Sammlungsobjekt und den wissenschaftlichen Forschungs- und Lehrkonzepten dar und geben unmittelbar Auskunft über die Objektbezeichnung, den Fundort und den Zeitraum. „Wir können mit den Digitalisaten viel schneller Zusammenhänge zwischen verschiedenen Objekten feststellen und die Kontextualisierung der Mineralstufen sowie die Tiefenerschließung der Sammlungen vorantreiben. Die eigene Sammlungsarbeit wird erheblich erleichtert und KollegInnen anderer Wissenschaftsdisziplinen sowie Studierende können mit diesem geschützten Kulturgut arbeiten“, sagt Prof. Gerhard Heide, Direktor der Geowissenschaftlichen Sammlungen.

    Die SLUB finanzierte das Pilotprojekt aus Mitteln des Landesdigitalisierungsprogramms mit 20.000 Euro und unterstützte damit auch die personelle Absicherung der besonderen kuratorischen Anforderungen. Die Digitalisierung selbst wurde in Freiberg von einem Studierenden und den Mitarbeitenden der Geowissenschaftlichen Sammlungen in nur sechs Wochen durchgeführt. Die verbliebenen Etiketten und Minerale werden noch in diesem Jahr digitalisiert.

    „Nach den in vorangegangenen Kooperationsprojekten digitalisierten 743 Briefen an Werner und seinem 78-bändigen handschriftlichen Nachlass, setzen wir mit der TU Bergakademie Freiberg als Partner die digitale Präsentation von Quellen und Sammlungen dieses berühmten Gelehrten nun mit der oryktognostischen Sammlung fort“, so Dr. Konstantin Hermann, Koordination Landesdigitalisierungsprogramm und landeskundliche Projekte der SLUB. „Unschätzbar wertvoll ist die Flexibilität von Digitalisaten – jederzeit, von jedem Ort können Interessierte nun auf die Freiberger Digitalisate zugreifen, und damit forschen, lernen und lehren. Digitalisierung ist nicht zuletzt auch ein wichtiger Beitrag zum Objekterhalt und -schutz. Ein Großteil der wissenschaftlichen Arbeit kann am Digitalisat erfolgen und das Originalobjekt verbleibt in seiner geschützten Umgebung.“

    Was Goethe von der Ordnung der Minerale lernte

    Und mehr noch: „Sammlungen zeigen die Netzwerke des wissenschaftlichen Austauschs in der damaligen Zeit – unter anderem auch den Einfluss Werners als Berater von Goethe“, erläutert Dr. Thomas Schmuck, Kustos der Naturwissenschaftlichen Sammlungen der Klassik Stiftung Weimar. „Wir können sicher sagen, dass Goethe seine eigene Mineraliensammlung in Weimar nach dem von Werner erarbeiteten System geordnet hat“, so der Experte für Goethes naturwissenschaftliche Studien. „In kaum einer anderen Epoche wurden so begeistert Minerale, Gesteine und Fossilien gesammelt wie im 18. Jahrhundert. Entstehung und Entwicklung, Aufbau und Alter der Erde waren Fragestellungen von allgemeinem Interesse“, fügt Schmuck hinzu. Um die Bedeutung der Etiketten zu erforschen, arbeitet die TU Bergakademie Freiberg seit vielen Jahren eng mit der Klassik Stiftung zusammen.

    Geowissenschaftliche Sammlungen von Abraham Gottlob Werner an der TU Bergakademie Freiberg

    Abraham Gottlob Werner war eine der bedeutendsten Persönlichkeiten der Montan- und Geowissenschaften um 1800. Werner gilt als Mitbegründer der Mineralogie und der Geologie als wissenschaftlich selbständige Disziplinen. Die von ihm gesammelten und bis heute erhaltenen Minerale samt Begleitschriften geben Einblicke in sein System zur Bestimmung und Klassifizierung der Minerale sowie in seine Mineralsystematik. Mehr als 40 Jahre (1775–1817) lehrte Werner an der Bergakademie Freiberg auf den Gebieten der Mineralogie, Geologie, Bergbaukunde und Metallurgie. Von seinen ursprünglich neun geowissenschaftlichen Sammlungen, die er für Lehre und Forschung angelegt hatte, sind die Systematische Oryktognostische Sammlung, die Edelsteinsammlung und die Äußere-Kennzeichen-Sammlung weitgehend unverändert erhalten geblieben. Diese drei Sammlungen Werners sind eine einzigartige gegenständliche Dokumentation des Entwicklungsstandes der Mineralogie und auch der Mineralfunde und mineralischen Rohstoffe der damaligen Zeit.


    Wissenschaftliche Ansprechpartner:

    Prof. Gerhard Heide, Direktor der Geowissenschaftlichen Sammlungen der TU Bergakademie Freiberg, gerhard.heide@tu-freiberg.de

    Dr. Konstantin Hermann, Koordinator des Landesdigitalisierungsprogramms für Wissenschaft und Kultur des Freistaats Sachsen, konstantin.hermann@slub-dresden.de

    Dr. Thomas Schmuck, Kustos der Naturwissenschaftlichen Sammlungen der Klassik Stiftung Weimar, thomas.schmuck@klassik-stiftung.de


    Originalpublikation:

    https://sachsen.digital/sammlungen/oryktognostische-sammlung-von-abraham-gottlob... digitale Sammlung
    https://webapp.senckenberg.de/aquila-freiberg/search Äußere-Kennzeichensammlung
    http://digital.slub-dresden.de/id476178843 Nachlass von Werner
    http://digital.slub-dresden.de/id475078764 Briefe an Werner


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten, Wissenschaftler, jedermann
    Geowissenschaften, Geschichte / Archäologie, Kulturwissenschaften, Kunst / Design
    überregional
    Forschungsprojekte, Kooperationen
    Deutsch


    Fluorit mit Quarz | Fundort: Annaberg | Breite: 5,8 cm | aus Werners Oryktognostischen Sammlung | TU Bergakademie Freiberg | Inv.Nr. 103925.


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    Etikett, Breite: 10,3 cm: " Flussspath, inwendig violenblau ins Rothe übergehend, äusserlich nach einer gewissen Richtung einer Linie stark honiggelb..."


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