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18.03.2021 10:30

Schafe gegen Ziegen: Wer sind die besseren Problemlöser?

Tom Leonhardt Pressestelle
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

    Wenn es darum geht, sich auf neue Situationen einzulassen, haben Ziegen die Nase vorn: Im Vergleich zu Schafen können sie sich deutlich schneller auf veränderte Begebenheiten einstellen und so zum Beispiel zu Nahrungsquellen gelangen. Das legt eine neue Studie von Forschenden der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (MLU) und dem Forschungsinstitut für Nutztierbiologie (FBN) nahe, die im Fachjournal "Royal Society Open Science" erschienen ist. Darin hatten sie untersucht, wie gut es den Tieren gelang, Hindernisse zu umlaufen und zu ihrem Futter zu kommen.

    Schafe und Ziegen haben viele Gemeinsamkeiten: Sie sind genetisch gesehen enge Verwandte, etwa gleich groß, haben ähnliche soziale Strukturen und werden beide vom Menschen als Nutztiere gehalten. Große Unterschiede gibt es aber bei der Nahrungssuche: "Während Schafe eher Weidetiere sind, streifen Ziegen umher und bevorzugen Knospen und frische Triebe", sagt Dr. Camille Raoult von der MLU, die die Studie gemeinsam mit Dr. Christian Nawroth vom FBN geleitet hat. Die Experimente wurden am Forschungszentrum Agroscope in der Schweiz, an der Queen Mary University London (QMUL) sowie am "Buttercups Sanctuary for Goats" in Kent durchgeführt.

    "Die Fähigkeit, auf eine sich verändernde Umwelt zu reagieren, ist lebenswichtig, denn so können Tiere neue Nahrungsquellen erschließen", sagt Nawroth. Das Team wollte deshalb untersuchen, wie beide Tierarten auf neue räumliche Hindernisse reagieren. Der Versuchsaufbau der Studie war dabei relativ einfach: Jeweils ein Tier wurde an das Ende eines kleinen Geheges geführt. Am anderen Ende befand sich eine Person, die Futter anbot. Dazwischen war ein Zaun mit einer Lücke - der direkte Weg war jeweils versperrt. Die Forscherinnen und Forscher beobachteten das Verhalten der Tiere, also ob sie direkt in Richtung der Lücke liefen, und stoppten die Zeit, die sie brauchten, um zu ihrem Futter zu gelangen. Nach einigen Durchläufen wurde die Position der Lücke im Zaun verändert. Anschließend sollten die Tiere den Versuch wiederholen. Insgesamt absolvierten 21 Ziegen und 28 Schafe das Experiment.

    Die Ergebnisse: Den Ziegen gelang es im ersten Durchlauf mit der neuen Lücke deutlich besser und auch schneller, das Hindernis zu umlaufen, obwohl die Schafe im Durchschnitt schneller ans Ziel gelangten. Sowohl Schafe als auch Ziegen waren aber von der neuen Position der Lücke zunächst irritiert und brauchten einige Versuche, um sich auf die neue Situation einzustellen. Anschließend machten sie weniger Fehler. Die Versuche konnten nicht unter exakt identischen Bedingungen an beiden Standorten durchgeführt werden, sie zeigen aber trotzdem deutlich: "Ziegen können sich offensichtlich besser und genauer auf neue Situationen einstellen und die korrekte Richtung einschlagen, um das Hindernis zu umlaufen. Das spricht dafür, dass sie mental flexibler als Schafe sind", sagt Ko-Autorin Dr. Britta Osthaus von der Canterbury Christ Church University zusammenfassend. Ein möglicher Grund für die Unterschiede könnten die unterschiedlichen Strategien bei der Nahrungssuche sein, so die Forscherin.



    Die Studie wurde vom Schweizer Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen, der Deutschen Forschungsgemeinschaft und der US-amerikanischen Tierschutzorganisation "Farm Sanctuary" unterstützt.


    Originalpublikation:

    Studie: Raoult C. M. C. et al. Goats show higher behavioural flexibility than sheep in a spatial detour task. Royal Society Open Science (2021). Doi: 10.1098/rsos.201627
    https://royalsocietypublishing.org/doi/10.1098/rsos.201627


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten, jedermann
    Biologie, Tier / Land / Forst
    überregional
    Forschungsergebnisse
    Deutsch


    Ziegen konnten die Probleme besser lösen als Schafe.


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    Foto vom Versuch mit Schafen


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