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25.03.2021 17:05

TU Berlin: Woher kommen die Kunstschätze? - Bénédicte Savoy mit Gauß-Medaille ausgezeichnet

Stefanie Terp Stabsstelle Kommunikation, Events und Alumni
Technische Universität Berlin

    Woher kommen die Kunstschätze? – Große Verdienste um den Anstoß der Restitutionsdebatte

    Kunsthistorikerin Bénédicte Savoy erhält die Carl Friedrich Gauß-Medaille der Braunschweigischen Wissenschaftlichen Gesellschaft

    Die Kunsthistorikerin Prof. Dr. Bénédicte Savoy erhält für ihre exzellenten wissenschaftlichen Beiträge zu einer transnationalen Kunstgeschichte der Moderne die Carl Friedrich Gauß-Medaille 2021 der Braunschweigischen Wissenschaftlichen Gesellschaft (BWG). Die Medaille wird am 30. April 2021 in einer virtuellen Festveranstaltung übergeben und von dem Festkolloquium „Sammeln, Besitzen, Teilen“ begleitet. Die Veranstaltung wird live auf YouTube übertragen.

    Die Verleihung der einmal jährlich an eine/n herausragende/n Wissenschaftlerin oder Wissenschaftler vergebenen Carl Friedrich Gauß-Medaille ist eine ausdrückliche Anerkennung der wissenschaftlichen Leistungen auf nationaler und internationaler Ebene. Vergeben wird die Medaille von der renommierten und traditionsreichen BWG, der Wissenschaftsgesellschaft des Landes Niedersachsen, die nach Struktur und Zielsetzung den Akademien der Wissenschaften analog ist.

    Forschungsinteressen Kulturtransfer, Kunstraub und Beutekunst

    Bénédicte Savoy, die auch Mitglied der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften ist, hat für ihre Forschungsarbeit bereits vielfache Anerkennung erfahren, unter anderem durch die Verleihung des Gottfried Wilhelm Leibniz-Preises der Deutschen Forschungsgemeinschaft 2016. Sie vertritt an der Technischen Universität Berlin das Fachgebiet Kunstgeschichte der Moderne und beschäftigt sich in ihrer Forschung insbesondere mit der transnationalen Museumsgeschichte, mit den unterschiedlichen Formen der intellektuellen und materiellen Aneignung von Kulturgütern in Kriegs- und Friedenszeiten, mit dem Kulturtransfer in Europa, mit Kunstraub und Beutekunst. Aktuelle Projekte, beispielsweise in enger Kooperation mit dem Pitt Rivers Museum der Oxford Universität, beschäftigen sich mit der Entwicklung von Methoden, zwischen legalem Erwerb von Kunstschätzen und deren Raub beziehungsweise Enteignungen zu unterscheiden. Bénédicte Savoy kämpft dafür, Museen nicht nur zu Orten des Staunens, sondern zu Archiven des Menschheitserbes und zu Orten für Debatten um die kulturelle Deutungshoheit dieses Menschheitserbes zu machen.

    Aktuelle Debatte um die Provenienzforschung

    Basierend auf ihren Forschungsinteressen macht sich Bénédicte Savoy bereits seit Jahren stark für die intensive Provenienzforschung, für die Implementierung von Herkunftsinformationen in europäischen Museen und Ausstellungen sowie für die Restitution insbesondere afrikanischer Kulturgüter. 2017 prangerte sie die fehlende Transparenz der im Berliner Humboldt Forum geplanten ethnologischen Dauerausstellung an. Sie forderte, die Herkunft der Objekte, insbesondere derjenigen mit kolonialem Hintergrund, klarer offenzulegen. Aus Protest gegen die Unbeweglichkeit der Museumsszene trat sie damals aus dem prestigeträchtigen Beirat des Humboldt Forums aus und rückte damit die deutschland- und europaweite Debatte um die Provenienz der europäischen musealen Kunstschätze ins Licht der Öffentlichkeit.

    Auch aktuell steht sie wieder im Mittelpunkt der Diskussion um die unmittelbar bevorstehende Eröffnung der Ausstellungen im Humboldt Forum, die sich pandemiebedingt verzögert. Insbesondere geht es dabei um die Benin-Bronzen, die als eine der Hauptattraktionen im neuen Ostflügel des Humboldt Forums gezeigt werden sollten. Sie stammen aus dem Königlichen Palast des Königreichs Benin, der 1887 im Zuge der Kolonialisierung von britischen Soldaten brutal geplündert wurde, und um deren Rückgabe das afrikanische Land sich bereits seit Längerem bemüht. Derzeit wird von den Verantwortlichen noch um eine Entscheidung gerungen.

    Restitutionsbericht für den französischen Staatspräsidenten Emmanuel Macron

    Die gebürtige Französin ist nicht nur Kunsthistorikerin an der TU Berlin, sondern hält gleichzeitig eine internationale Professur für die Kulturgeschichte des europäischen Kunsterbes des 18. bis 20. Jahrhunderts am Pariser Collège de France. Im Jahr 2018 untersuchte sie im Auftrag des französischen Staatspräsidenten Emmanuel Macron und zusammen mit dem senegalesischen Wirtschaftsprofessor Dr. Felwine Sarr die Wege, die Kunst- und Kulturschätze aus den ehemaligen europäischen Kolonien in französische Museen genommen haben. Es entstand der vielbeachtete „Rapport sur la restitution du patrimoine culturel africain. Vers une nouvelle éthique relationelle“, der die Rückgabe der meisten Objekte empfiehlt, falls sie zurückgefordert werden. Eine Restitution solle dabei den Anfang einer neuen Beziehung markieren.

    Afrikas Kampf um seine Kunst

    Soeben veröffentlichte Bénédicte Savoy auch ein neues Buch zum Thema: „Afrikas Kampf um seine Kunst – Geschichte einer postkolonialen Niederlage “ (Verlag C. H. Beck). Darin beschreibt sie, wie viele afrikanische Länder sich bereits seit mehr als 50 Jahren um die Rückgabe ihrer Schätze bemühen, die zu Zehntausenden in europäischen Museen lagern. Dabei hat die Wissenschaftlerin insbesondere die 18 ehemaligen Kolonien betrachtet, die 1960 ihre Unabhängigkeit erlangten. Im Mittelpunkt steht die Frage, welche Akteure, Strukturen und Ideologien damals dafür sorgten, dass das Projekt einer geordneten, fairen Rückgabe von Kulturgütern scheiterte. Dabei arbeitet sie in der Studie heraus, wie die Argumente der damaligen Gegner der Rückgabe denen der heutigen Gegner ähneln.

    Virtuelle Festveranstaltung zur Verleihung der Carl Friedrich Gauß-Medaille

    Die festliche Verleihung der Carl Friedrich Gauß-Medaille durch die Braunschweigische Wissenschaftliche Gesellschaft findet statt am

    Freitag, dem 30. April 2021, 14.00 Uhr

    Der Livestream auf YouTube ist öffentlich:
    https://www.youtube.com/channel/UCSfnS9nG5Vk7_WqdVaanV1w

    Nach einer Begrüßung durch Prof. Dr. Otto Richter, dem Präsidenten der BWG sowie einem Grußwort der Stadt Braunschweig, wird Prof. Dr. Thomas Döring, Leiter des Kupferstichkabinetts des Herzog Anton Ulrich-Museums in Braunschweig die Laudatio halten und die Carl Friedrich Gauß-Medaille feierlich verliehen. Anschließend folgt der

    Festvortrag der Preisträgerin Prof. Dr. Bénédicte Savoy:

    Lost in Lists? Wie Museen Wissen schaffen (oder nicht)

    Zum Festkolloquium „Sammeln, Besitzen, Teilen“, das am Vormittag von 11 bis 12.30 Uhr stattfindet, melden Sie sich bitte spätestens bis zum 23. April 2021 an in der Geschäftsstelle der BWG unter:
    info@bwg.niedersachsen.de

    Weitere Informationen erteilt Ihnen gern:
    Prof. Dr. Bénédicte Savoy
    TU Berlin
    Fakultät Geistes- und Bildungswissenschaften
    Fachgebiet Kunstgeschichte der Moderne
    E-Mail: e.goulko@tu-berlin.de


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten, Wissenschaftler
    Geschichte / Archäologie, Kunst / Design
    überregional
    Buntes aus der Wissenschaft, Personalia
    Deutsch


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