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26.03.2021 14:16

Kompetenzzentrum Digitale Verwaltung der Hochschule Hof ist gestartet!

Rainer Krauß Hochschulkommunikation
Hochschule Hof - University of Applied Sciences

    Hof, 26.03.2021 - Das neue Kompetenzzentrum Digitale Verwaltung der Hochschule Hof ist eröffnet. Bei einem Online-Kick-off vor rund 300 Gästen aus dem gesamten Bundesgebiet berichteten ReferentInnen aus Politik, öffentlicher Verwaltung und Wissenschaft den ganzen Tag über Digitalisierungs-Projekte ihrer Institutionen. Sie teilten dabei ihre Erfahrungen, diskutierten aber auch die Hürden auf dem Weg zu einer bürgerfreundlichen Digitalisierung der deutschen Verwaltung. Bereits jetzt liegen der Hochschule Hof diverse Anfragen für die praktische Umsetzung von Forschungsprojekten vor.

    Hochschulpräsident Prof. Dr. Dr. h.c. Jürgen Lehmann begrüßte alle virtuellen TeilnehmerInnen und zitierte den Bayerischen Ministerpräsidenten Dr. Markus Söder, der aus terminlichen Gründen seine Teilnahme kurzfristig absagen musste: „Er hätte gesagt: Wir müssen die nächste Raketenstufe starten, wir müssen weitermachen, schneller werden, besser werden.“ Und darum gehe es beim neuen Kompetenzzentrum auch. Es sei nicht nur wichtig, geeignete Tools für die Digitalisierung zur Verfügung zu stellen. „Wir müssen vielmehr eine Veränderung in den Köpfen erreichen. Die aktuelle Situation zeigt uns, dass riesiger Handlungsbedarf besteht“, so Prof. Lehmann.

    Wichtige Säule des Digitalcampus Bayern

    Die Bayerische Staatsministerin für Digitales, Judith Gerlach, bezeichnete in Ihrer Grußbotschaft das Kompetenzzentrum Digitale Verwaltung als wichtige Säule des Digitalcampus Bayern. Neben den heißbegehrten IT-ExpertIinnen, die seit über 20 Jahren bereits in Hof ausgebildet werden und die das technologische Rückgrat der Digitalisierung in der Verwaltung bilden, sei es wichtig, dass „jemand da ist, der den digitalen Wandel organisatorisch und rechtlich vorantreibt, jemand mit smarten Methoden, mit sozialen Kompetenzen, um die MitarbeiterInnen im Digitalen Transformationsprozess in der Verwaltung mitzunehmen.“ Genau hier setze auch der Bachelorstudiengang „Digitale Verwaltung“ an, der berufsbegleitend und weitestgehend digital an der Hochschule Hof angeboten wird und für den das Bayerische Staatsministerium für Digitales im Wintersemester 2021/22 30 Teilstipendien auslobt. „Bis zu 370.000 EUR sind für den Aufbau des KDV und das Stipendienprogramm für den Bachelorstudiengang Digitale Verwaltung vorgesehen.“ so die Ministerin.

    Die Herausforderung der Verwaltung heißt „Veränderung“

    Prof. Dr. Thomas Meuche führte aus: „Bürgerzentrierte und agile Verwaltungsführung ist das neue Schlagwort der Zukunft“. Die Strukturen, die vor 100 Jahren von Max Weber für die Verwaltung entwickelt wurden, können in unserer heutigen komplexeren und agileren Umgebung nicht mehr gelten. Es müsse sich auch die Rolle der Führungskräfte ändern, Prozessdenken nicht die Hierarchie prägen die Verwaltung der Zukunft. „Wir brauchen selbststeuernde Teams und müssen die Mitarbeiter*innen viel stärker einbinden, sie müssen Verantwortung übernehmen und im vorgegebenen Rahmen selbständig Entscheidungen treffen.“ so Prof. Meuche. Und auch Fehler gehören zur Arbeit. „Wir brauchen eine andere Fehlerkultur, wenn wir in selbststeuernden Gruppen arbeiten und schnellen Veränderungen folgen wollen, dann muss man auch etwas ausprobieren können. Und ja, wir werden Fehler machen, wir werden stolpern. Aber Stillstand geht gar nicht!“

    Das Potential der Menschen stärker nutzen

    Diese Ansicht teilte auch Thomas Popp, Staatssekretär für Digitale Verwaltung und Verwaltungsmodernisierung und Chef der Sächsischen Staatskanzlei. Er stellte anschaulich dar, dass es eben nicht nur die IT sei, die für die Digitalisierung zuständig sei, sondern dass sich jede Fachabteilung selbst ihre eigenen Prozesse ansehen und in die Pflicht genommen werden müsse. Nach seiner Erfahrung gebe es genug Leute, die an der Digitalisierung der öffentlichen Verwaltung mitarbeiten wollen und die das auch können. „Und genau die müssen wir mitnehmen und wir müssen sie auch laufen lassen!“
    Bei der Ausbildung des Personals stehe das Methodenwissen aber über dem Detailwissen, so Prof. Dr.-Ing. Detlef Rätz, Studiengangsleiter Digitale Verwaltung der Hochschule Meißen. Fachwissen könne bereits nach zwei Jahren veraltet sein, deshalb sei es umso wichtiger, dass man bereit sei, sich neuen Themen und Methoden zu widmen: „Das digitale Arbeitsumfeld wird immer komplexer, wir haben Apps, Portale, Plattformen, Cloud-Lösungen – diese Tools kommen heute in den klassischen Ausbildungsgängen gar nicht vor.

    Messung des digitalen Reifegrades

    Welchen digitalen Reifegrad weisen öffentliche Verwaltungen heute eigentlich auf? Um das messen zu können, wurde vom Kompetenzzentrum Digitale Verwaltung in Zusammenarbeit mit der AKDB ein digitales Reifegradmodell entwickelt, das zum einen den jeweils aktuellen Stand erfasst, zum anderen aber auch den Handlungsbedarf aufzeigt. „Es reicht dabei nicht, den Handlungsbedarf zu kennen. Die Umsetzung ist ein kontinuierlicher Prozess. Und es geht auch um die Messung, ob die Maßnahmen erfolgreich sind und damit die Ziele der Organisation erreicht werden.“ so Prof. Dr. Heike Markus.

    Bei der Digitalisierung sei es wichtig, Prozesse, die in vielen Fällen über die Organisationsgrenzen hinausgehen, von Anfang bis zum Ende zu denken. Ein Prozess kann nur dann gut digitalisiert werden, wenn die komplette Prozesskette durchdacht werde. „Ein weiterer wesentlicher Punkt ist“, so Prof. Dr. Markus, „dass die fachliche Auseinandersetzung mit der Digitalisierung vor dem Einsatz der Technologie kommen muss.

    Weitere spannende Einblicke in der Kurzfassung

    Der Landesbeauftragte für den Datenschutz in Bayern, Prof. Dr. Thomas Petri, betonte die Wichtigkeit des Datenschutzes in Digitalisierungsprozessen. Der Staat habe dabei nicht nur eine Abwehrhaltung, sondern müsse auch Integration und Vertraulichkeit fördern.

    „Ganz klar ist, dass man Mitarbeiter*innen digital weiterbilden muss – aber gleichzeitig muss man auch schauen, was man dafür tun muss, damit sie anschließend nicht weg sind.“ so Dr. Christine Meyer, Leiterin des Personalamtes der Stadt Nürnberg. Albert Roesch, Leiter des Amtes für Informationstechnologie der Stadt Nürnberg führt aus: „Wir wollen flexibler und dynamischer werden, wir wollen wie ein Start-Up denken, bleiben aber eine Stadtverwaltung!“

    Carolin Klein, Tanja Norgall und Bernhard Meier, die bei der Stadt Nürnberg arbeiten und berufsbegleitend im Bachelor Digitale Verwaltung studieren, stellten ihre anwendungsorientierte und sehr herausfordernde Projektarbeit im Modul X-as-a-Service vor. Sie ziehen als Fazit: „Solche Projekte zeigen auf, dass wir mithilfe des Studiengangs in der Lage sind, öffentliche Verwaltungen auf ihrem weiteren Weg in die Digitalisierung maßgeblich zu unterstützen und mit voranzutreiben.“

    Markus Losert, CIO/CDO der Stadt Karlsruhe, der für seine Arbeit mit dem eGovernment Kommunal Award ausgezeichnet und den ersten Preis beim Zukunftskongress Staat und Verwaltung erhielt, teilte spannende Einblicke in die Entwicklung der Stadt-App. „Die Idee hinter unserer App ist, die städtischen mit digitalen privaten Diensten zu kombinieren. Dadurch werden wir bürgernah und erhöhen die Attraktivität der App.“ schwärmt er.
    Die Verwaltung müsse sich viel mehr als Unternehmen sehen und nicht nur verwalten, sondern aktiv mitgestalten. „Wir müssen das Denken in Zuständigkeiten und Hierarchien aufgeben und es schaffen, dass sich unsere Leute als Akteure verstehen, die zu einem Gesamtwerk beizutragen.“ so Thorsten Wilcke, zuständig für Government Innovation, Digitale Strategie und Transformation beim Kreis Nordfriesland. „Eine veränderte Verwaltungskultur muss zukünftig auf Dienstleistung und Entbürokratisierung ausgerichtet sein, um damit Einfachheit und Schnelligkeit zu schaffen, denn letztendlich wird eine effiziente und dienstleistungsorientierte Verwaltung somit selbst zum Wettbewerbsfaktor von Ländern und Regionen werden.“ so Steffen Fuhrmann, Leiter ServiceNow bei der Media Solutions GmbH und Kooperationspartner des Kompetenzzentrums Digitale Verwaltung.

    Digitalisierung als Gemeinschaftsaufgabe

    Alle ReferentInnen der Veranstaltung sind sich in einem Punkt einig: Die Digitalisierung ist kein Thema, das nur die IT-Abteilungen alleine angeht. Vielmehr gehe es darum, die gesamte Organisation einzubinden. Personal, Strategie, Steuerung und Führung seien wichtige Elemente, um die Digitalisierung erfolgreich voranzubringen. „Die Veranstaltung zeigte aber auch, dass noch ein ganzes Stück Weg bis dahin zu gehen ist.“, so Prof Meuche. „Die ReferentInnen haben in ihren Vorträgen viele großartige Ansatzpunkte und Möglichkeiten dafür aufgezeigt, wie spannend dieser Weg sein kann - und das unabhängig davon, ob sich um einen Flächenlandkreis oder um eine Stadt bzw. Kommune handelt“, so Prof. Dr. Heike Markus abschließend.

    Eine ausführliche Zusammenfassung aller Vorträge des Tages sowie eine Schilderung der vorgestellten Digitalisierungsprojekte findet sich im Internet unter https://campuls.hof-university.de. Die Vorträge der ReferentInnen sind unter www.kdv-hof.de abrufbar.


    Wissenschaftliche Ansprechpartner:

    Prof. Dr. Thomas Meuche
    Wirtschaft
    Betriebswirtschaft

    Hochschule Hof
    Alfons-Goppel-Platz 1
    95028 Hof
    Fon: +49 (0) 9281 / 409 4650
    E-Mail: thomas.meuche@hof-university.de

    Prof. Dr. Heike Markus
    Informatik
    Informatik

    Hochschule Hof
    Alfons-Goppel-Platz 1
    95028 Hof

    Fon: +49 (0) 9281 / 409 4901
    E-Mail: heike.markus@hof-university.de


    Anhang
    attachment icon Kompetenzzentrum Digitale Verwaltung eröffnet

    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten, Lehrer/Schüler, Studierende, Wirtschaftsvertreter, Wissenschaftler, jedermann
    Gesellschaft, Informationstechnik, Medien- und Kommunikationswissenschaften, Wirtschaft
    überregional
    Forschungs- / Wissenstransfer, Forschungsprojekte
    Deutsch


    Das Kompetenzzentrum Digitale Verwaltung hat seinen Sitz in Oberfranken.


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    Prof. Dr. Heike Markus und Prof. Dr. Thomas Meuche haben gemeinsam die Leitung des neuen Kompetenzzentrums inne.


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