idw – Informationsdienst Wissenschaft

Nachrichten, Termine, Experten

Grafik: idw-Logo
Thema Corona

Imagefilm
Science Video Project
idw-News App:

AppStore



Teilen: 
01.04.2021 18:11

Ein Dinosaurier-Schwanzwirbel führt Forschende auf die richtige Spur

Johannes Seiler Dezernat 8 - Hochschulkommunikation
Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

    Wissenschaftler der Mahasarakham-Universität (Thailand) und der Universität Bonn haben neu entdeckte Schwanzwirbel eines spinosauriden Dinosauriers untersucht, der zu Siamosaurus suteethorni gehören könnte. Der Vergleich mit Funden auf der ganzen Welt führte zur Erkenntnis, dass der spanische Camarillosaurus auch ein Spinosaurier ist und dass oft mehrere Arten dieser riesigen Raubtiere die gleiche Gegend bewohnt haben. Die Ergebnisse sind bereits online im Journal Historical Biology veröffentlicht, nun ist eine aktualisierte Fassung erschienen.

    Spinosaurier (Familie Spinosauridae) sind große bis riesige fleischfressende Dinosaurier, die spätestens seit dem dritten Film aus der Jurassic Park-Serie einem breiten Publikum vertraut sind und oft größer als Tyrannosaurus rex waren. Sie habe einen langen krokodilartigen Schädel und kegelförmige Zähne, die auch an Krokodile erinnern. Die Tiere haben sich vermutlich von großen Fischen aber auch anderen Dinosauriern ernährt. Spinosaurier kamen fast auf der ganzen Welt vor, und so wurden vor einiger Zeit auch in Thailand Zähne gefunden, die den Namen Siamosaurus suteethorni bekamen. Zähne sind allerdings kaum zur Artbestimmung geeignet und so wurde seitdem oft die Gültigkeit dieser Spinosaurier-Art in Frage gestellt, da Reste des Skelettes nie entdeckt wurden.

    Nun berichtet das internationale Team von einem Dinosaurierschwanz, der zu den Spinosauriern gehört. Dieser Schwanz stammt von einem “nur” etwa vier bis fünf Meter langen Tier und könnte zu Siamosaurus oder einem anderen Spinosaurier gehören. Dieser Fund bestätigt, dass Spinosaurier am Phu Wiang-Berg (Provinz Khon Kaen, Nordost-Thailand) lebten und die Siamosaurus benannten Zähne tatsächlich von Spinosauriern stammen.

    "Als ich Doktorand an der Universität Bonn war, fand ich ein Schwanzstück aus acht Wirbeln, das unbeachtet in einer Schublade im Sirindhorn-Musuem in Thailand lag“, sagt Dr. Adun Samathi, Leiter des Projekts. Der Wirbel sieht dem von Camarillasaurus aus Spanien ähnlich. Camarillasaurus wurde ursprünglich den sogenannten Ceratosauriern zugeordnet, zu der auch Ceratosaurus und Carnotaurus gehören. "Aber diese Zuordnung von Camarillasaurus war problematisch, weil seine Morphologie den Spinosauriden, einschließlich des thailändischen Materials, ähnlicher ist als den Ceratosauriern“, sagt Samathi. Deshalb wurde Camarillasaurus neu untersucht, um den thailändischen Dinosaurier besser zu verstehen.

    Die Dinge wurden klarer, als Prof. Martin Sander von der Universität Bonn, der Samathis Doktorarbeit betreute, nach Thailand reiste und das thailändische Material sichtete. Sander erkannte, dass andere Theropoden-Schwanzwirbel von der gleichen Fundstelle dem berühmten Baryonyx ähneln. Bei Letzterem handelt es sich um einen Spinosaurier, der in Europa zuerst in England und später in Portugal gefunden wurde. Da wurde dem Team klar, dass sie auf der richtigen Spur waren.

    Nach der Untersuchung von Dinosaurier-Fundstücken, die in verschiedenen Museen in den USA, Italien, Deutschland, Portugal und Japan aufbewahrt werden, fand das Team heraus, dass Camarillasaurus tatsächlich zu den Spinosauriern gehört. Die neuen Schwanzwirbel aus Thailand bestätigen so nicht nur die Anwesenheit von Spinosauriern am Phu Wiang-Berg, sondern führten zu einer weiteren Erkenntnis: Anscheinend kam häufiger mehr als eine Art dieser gewaltigen Raubtiere zusammen vor, da auf der iberischen Halbinsel mit Camarillasaurus und Baryonyx zwei Spinosaurier belegt sind, ebenso ist dieses Muster aus Brasilien und Marokko bekannt. Und auch in Südostasien hat neben Siamisaurus mit Ichthyovenator aus Laos ein weiterer Spinosaurier gelebt oder sogar drei Arten, wenn der neue Spinosaurierschwanz nicht zu Siamosaurus gehören sollte. Angesichts der Vielzahl an Beutegreifern eine wenige ermutigende Vorstellung für einen Zeitreisenden. Das Team hofft aber, in Zukunft weitere Fossilien zu finden, die diese Fragen klären.


    Wissenschaftliche Ansprechpartner:

    Prof. Dr. Martin Sander
    Institut für Geowissenschaften
    Universität Bonn
    Tel. +49-(0)228/733105
    E-Mail: martin.sander@uni-bonn.de


    Originalpublikation:

    Adun Samathi, P. Martin Sander, and Phornphen Chanthasit: A spinosaurid from Thailand (Sao Khua Formation, Early Cretaceous) and a reassessment of Camarillasaurus cirugedae from the Early Cretaceous of Spain, Historical Biology, https://doi.org/10.1080/08912963.2021.1874372


    Weitere Informationen:

    https://www.uni-bonn.de/neues/078-2021


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten, jedermann
    Geowissenschaften
    überregional
    Forschungsergebnisse, Wissenschaftliche Publikationen
    Deutsch


    Hilfe

    Die Suche / Erweiterte Suche im idw-Archiv
    Verknüpfungen

    Sie können Suchbegriffe mit und, oder und / oder nicht verknüpfen, z. B. Philo nicht logie.

    Klammern

    Verknüpfungen können Sie mit Klammern voneinander trennen, z. B. (Philo nicht logie) oder (Psycho und logie).

    Wortgruppen

    Zusammenhängende Worte werden als Wortgruppe gesucht, wenn Sie sie in Anführungsstriche setzen, z. B. „Bundesrepublik Deutschland“.

    Auswahlkriterien

    Die Erweiterte Suche können Sie auch nutzen, ohne Suchbegriffe einzugeben. Sie orientiert sich dann an den Kriterien, die Sie ausgewählt haben (z. B. nach dem Land oder dem Sachgebiet).

    Haben Sie in einer Kategorie kein Kriterium ausgewählt, wird die gesamte Kategorie durchsucht (z.B. alle Sachgebiete oder alle Länder).