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14.04.2021 10:56

Universität Jena erhält zwei Thüringer Forschungspreise

Dr. Ute Schönfelder Abteilung Hochschulkommunikation/Bereich Presse und Information
Friedrich-Schiller-Universität Jena

    Teams aus der Soziologie und der Ernährungswissenschaft mit Thüringer Forschungspreisen 2021 in den Kategorien "Grundlagenforschung" und "Angewandte Forschung" ausgezeichnet

    Der Freistaat Thüringen zeichnet jedes Jahr exzellente Forschungsleistungen mit dem Thüringer Forschungspreis aus. In diesem Jahr werden gleich zwei Teams der Friedrich-Schiller-Universität Jena geehrt, wie Thüringens Wissenschaftsminister Wolfgang Tiefensee heute (14. April) bekanntgegeben hat. In der Kategorie „Grundlagenforschung“ erhalten die Soziologen Prof. Dr. Klaus Dörre (Universität Jena), Prof. Dr. Hartmut Rosa (Universität Jena und Universität Erfurt) sowie Prof. Dr. Stefan Lessenich (LMU München) die Auszeichnung für ihre Arbeit zu Postwachstumsgesellschaften. Der Preis in der Kategorie „Angewandte Forschung“ wird in diesem Jahr geteilt: eine Hälfte geht an das Projektteam des Kompetenzclusters für Ernährung und kardiovaskuläre Gesundheit (nutriCARD) unter der Leitung von Prof. Dr. Stefan Lorkowski (Universität Jena), Prof. Dr. Gabriele Stangl (Universität Halle-Wittenberg) und Prof. Dr. Peggy Braun (Universität Leipzig). Zum ausgezeichneten Team gehören außerdem Dr. Claudia Wiacek (Universität Leipzig), Dr. Christine Dawcyznski (Universität Jena), Dr. Toni Meier (Universität Halle-Wittenberg) und Dr. Tobias D. Höhn (Universität Leipzig). Die andere Hälfte des Preises in dieser Kategorie erhält ein Team der Bauhaus-Universität Weimar.

    Das Ende des Wachstums – Preis für Grundlagenforschung

    Der mit 25.000 Euro dotierte Preis würdigt die Forschungsarbeiten der Kollegforschungsgruppe „Landnahme, Beschleunigung, Aktivierung. Zur (De-)Stabilisierung moderner Wachstumsgesellschaften“. Die Soziologinnen und Soziologen haben darin die strukturellen Wachstumszwänge moderner Gesellschaften untersucht und die sozialen Mechanismen des „immer mehr und nie genug“ aufgedeckt. Die Forschungsgruppe ist zwischen 2011 und 2019 von der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefördert worden.

    Die Welt, so die Diagnose der Forschenden, befindet sich in einer ökonomisch-ökologischen Zangenkrise: Wirtschaftswachstum, wie wir es aus der Vergangenheit kennen, ist nicht mehr möglich, ohne die katastrophalen ökologischen Folgen weiter zu verschärfen. Umgekehrt erfordern Klimaschutz und der Erhalt natürlicher Ressourcen die Abkehr von bisherigen Wirtschafts- und Verkehrskonzepten. „Der Zwang zu raschem Wachstum stößt auf einem Planeten mit endlichen Ressourcen an Grenzen. Wachstum, verbunden mit wachsender Ungleichheit und klimaschädlichen Emissionen, verschärft die epochale Krise des Kapitalismus und bietet nicht mehr die Lösung“, unterstreicht Prof. Dr. Klaus Dörre. Der Professor für Arbeits-, Industrie- und Wirtschaftssoziologie der Universität Jena hat den Preis stellvertretend für das gesamte Team des Kollegs in Empfang genommen. Er betont, die aktuelle Corona-Pandemie behindere eine Überwindung der ökonomisch-ökologischen Zangenkrise. Sie lasse aber auch die zugrundeliegenden Mechanismen klarer erkennen: Dass Deutschland im Jahr 2020 seine Klimaziele tatsächlich erreicht hat, sei vor allem den Corona-Lockdowns zu verdanken und nicht so sehr das Ergebnis einer erfolgreichen Strategie. „Das Beispiel zeigt, die Transformation unserer Gesellschaften hat bereits begonnen. Wenn wir den Wandel nicht aktiv selbst gestalten und die Weichen in Richtung demokratischer Postwachstumsgesellschaften stellen, laufen wir Gefahr, dass der Zug entgleist. Der Corona-Pandemie werden dann weitere schwere Krisen und Katastrophen folgen.“
    Die Soziologinnen und Soziologen wollen auch nach Abschluss der Kolleg-Forschungsgruppe dazu beitragen, solch dramatische Fehlentwicklungen zu vermeiden – der Thüringer Forschungspreis ist dafür Anerkennung und Motivation zugleich, wie Dörre sagt.

    Gesunde Ernährung, gesunde Bevölkerung – Preis für Angewandte Forschung

    Einer der beiden mit je 12.500 Euro dotierten Preise für Angewandte Forschung geht an das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderte Verbundprojekt „nutriCARD“. Das Konsortium hat sich zum Ziel gesetzt, die Ernährungsweise der Bevölkerung umfassend und nachhaltig zu verbessern. Dafür arbeiten mehr als 40 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der drei beteiligten Universitäten mit rund 80 weiteren außeruniversitären Partnern eng zusammen.

    Die weltweit häufigste Todesursache sind Herz-Kreislauf-Erkrankungen; mehr als vier Millionen Menschen sterben jährlich in Europa an deren Folgen. Jeder zweite bis dritte vorzeitige Todesfall ließe sich durch eine ausgewogene Ernährung vermeiden. Das sind einige der alarmierenden Befunde aus der Arbeit von nutriCARD. „Wir wissen heute sehr gut Bescheid über die gesundheitsfördernde Wirkung bestimmter Nahrungsmittel und das schädliche Potenzial anderer“, sagt Prof. Dr. Stefan Lorkowski. „Die Herausforderung besteht darin, diese Erkenntnisse aus der Grundlagenforschung in Rezepturen von Lebensmitteln und in Ernährungskonzepte zu überführen und diese verständlich und alltagstauglich an die Verbraucherinnen und Verbraucher zu kommunizieren“, so der Professor für Biochemie und Physiologie der Ernährung der Universität Jena. Genau das ist der Ansatz von nutriCARD. „Langfristiges Ziel ist der Aufbau eines gemeinschaftlich getragenen Mitteldeutschen Zentrums für Ernährung und Gesundheit, das für die gesamte Bevölkerung in allen Lebensphasen Strategien für eine ausgewogenere Ernährung bereitstellt", erläutert Lorkowski. Er dankte stellvertretend für alle Preisträger dem Land Thüringen und sieht den Preis als Ansporn, die Forschungs- und Entwicklungsarbeiten von nutriCARD mit großem Engagement weiterzuführen.

    Richtungsweisende Forschung für mehr Nachhaltigkeit

    Mit den geehrten Jenaer Forschungsteams freut sich auch Uni-Präsident Prof. Dr. Walter Rosenthal über die Auszeichnungen. „Dass in diesem Jahr zwei von drei Forschungspreisen an die Universität Jena gehen, ist ein Beleg für die Forschungsstärke unserer Universität und die Leistungsfähigkeit ihrer Forschungsverbünde“, so Rosenthal. Zum anderen seien die Themen der ausgezeichneten Projekte, weit über den Forschungsstandort hinaus, richtungsweisend. „Es geht um Fragen der Nachhaltigkeit in allen Bereichen unseres Lebens. Das sind die großen Fragen der Zukunft. Dazu leisten unsere Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler einen wichtigen Beitrag.“

    Wegen der anhaltenden Corona-Pandemie fand die Verleihung der Forschungspreise digital statt. Fotos und das Video der virtuellen Preisverleihung durch den Thüringer Wissenschaftsminister Wolfgang Tiefensee sind hier zu finden: http://www.thueringer-forschungspreis.de und http://www.facebook.com/tmwwdg.

    Mehr Informationen zu den ausgezeichneten Projekten und ihren Themen sind zu finden auf der Seite des Forschungskollegs (http://www.kolleg-postwachstum.de/), im Forschungsmagazin LICHTGEDANKEN (https://www.lichtgedanken.uni-jena.de/Ausgabe_07) sowie der Seite des Kompetenzclusters nutriCARD (https://www.nutricard.de/).


    Wissenschaftliche Ansprechpartner:

    Prof. Dr. Klaus Dörre, Prof. Dr. Hartmut Rosa
    Institut für Soziologie der Friedrich-Schiller-Universität Jena
    Carl-Zeiß-Straße 3, 07743 Jena
    Tel.: 03641 / 945521, 03641 / 945510
    E-Mail: klaus.doerre@uni-jena.de, hartmut.rosa@uni-jena.de

    Prof. Dr. Stefan Lorkowski
    Institut für Ernährungswissenschaften der Friedrich-Schiller-Universität Jena
    Dornburger Straße 25, 07743 Jena
    Tel.: 03641 / 949710
    E-Mail: stefan.lorkowski@uni-jena.de


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten, Wissenschaftler
    Ernährung / Gesundheit / Pflege, Gesellschaft, Umwelt / Ökologie, Wirtschaft
    regional
    Forschungs- / Wissenstransfer, Personalia
    Deutsch


    Die Soziologen (v. l.) Prof. Dr. Hartmut Rosa (Jena und Erfurt), Prof. Dr. Klaus Dörre (Jena) sowie Prof. Dr. Stefan Lessenich (München) den Thüringer Forschungspreis 2021 für ihre Arbeit zu Postwachstumsgesellschaft.


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    Das ausgezeichnete Team von nutriCARD (v. r.): Dr. Claudia Wiacek (Leipzig), Dr. Christine Dawcyznski (Jena), Prof. Dr. Stefan Lorkowksi (Jena), Prof. Dr. Gabriele Stangl (Halle-Wittenberg), Prof. Dr. Peggy Braun (Leipzig).


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