idw – Informationsdienst Wissenschaft

Nachrichten, Termine, Experten

Grafik: idw-Logo
Thema Corona

Imagefilm
Science Video Project
idw-News App:

AppStore



Teilen: 
03.05.2021 11:59

MERS-Coronavirus: Die Impfstoffentwicklung geht in die nächste Runde

Karola Neubert Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Deutsches Zentrum für Infektionsforschung

    Neben dem aktuell weltweit verbreiteten SARS-Coronavirus-2 lassen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler auch das verwandte MERS-Coronavirus nicht aus dem Blick, könnte es doch zukünftig potentiell auch zu einer überregionalen Gesundheitsgefahr werden. In einer Zusammenarbeit des Deutschen Zentrums für Infektionsforschung (DZIF) und der IDT Biologika GmbH wird bereits seit einigen Jahren ein MERS-Corona-Impfstoff entwickelt, für den nun am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) die geplante internationale Phase-Ib-Studie beginnen kann.

    „Die Fortsetzung der MERS-Impfstoffentwicklung ist ein wichtiger Schritt, auch in Zeiten von SARS-COV-2“, erklärt Studienleiterin Prof. Marylyn Addo, Leiterin der Sektion Infektiologie des UKE und Wissenschaftlerin im DZIF. Und sie fügt hinzu: „Wenn wir etwas aus der gegenwärtigen Pandemie gelernt haben, ist es, dass wir uns nicht früh genug auf neu auftretende Viren vorbereiten können.“ Der Impfstoff MVA-MERS-S hatte sich bereits in einer ersten klinischen Pilotstudie mit 23 Probandinnen und Probanden im vergangenen Jahr als gut verträglich erwiesen und eine anhaltende Bildung von Antikörpern ausgelöst. Nun beginnt die randomisierte, Placebo-kontrollierte Phase-Ib-Studie, in der der Impfstoff an insgesamt 145 Personen getestet werden soll.

    MERS – von Dromedaren auf den Menschen
    Das MERS-Coronavirus, das 2012 zum ersten Mal nachgewiesen wurde, gehört zu einer Liste von Krankheitserregern, die von der Weltgesundheitsorganisation als besonders gefährlich für die öffentliche Gesundheit eingestuft wurden. Es wird von Dromedaren auf den Menschen übertragen und kann von Mensch zu Mensch weitergegeben werden. Die Infektion verursacht eine Atemwegserkrankung, die in bis zu 35 Prozent der Fälle tödlich verläuft. Weltweit sind bis heute etwa 2.500 MERS-Fälle in 27 Ländern bestätigt worden, mit Schwerpunkt in Saudi-Arabien (MERS steht für Middle East Respiratory Syndrome), wo die Überträger-Kamele zu den Haustieren gehören. Bislang gibt es gegen das MERS-Coronavirus keinen wirksamen zugelassenen Impfstoff und kein spezifisch wirkendes Medikament.

    Der Impfstoff-Kandidat MVA-MERS-S
    Um auf größere Ausbrüche vorbereitet zu sein, haben die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler im DZIF bereits 2014 begonnen, einen Impfstoff gegen das MERS-Coronavirus zu entwickeln. Dieser basiert auf einem abgeschwächten Virus (MVA: Modifiziertes Vacciniavirus Ankara), das bereits während der Impfkampagne zur Ausrottung der Pocken zum Einsatz kam und somit gut getestet ist. In das Virus wurden Protein-Bestandteile des MERS-Coronavirus eingebaut. Dieser rekombinante, sogenannte vektorbasierte Impfstoff, wissenschaftlich kurz MVA-MERS-S genannt, soll die Abwehr gegen die MERS-Coronaviren ankurbeln. Prof. Gerd Sutter an der Ludwig-Maximilians-Universität München hatte ihn in Zusammenarbeit mit dem Team um Prof. Stephan Becker an der Philipps-Universität Marburg im DZIF entwickelt.

    Zur Impfstoffstudie der Phase Ib
    Die nun beginnende Impfstoffstudie wird am UKE in Hamburg in Zusammenarbeit mit dem Clinical Trial Center North (CTC North) und am Erasmus Medical Center im niederländischen Rotterdam durchgeführt. Insgesamt erhalten in einer ersten Studienphase zehn Probandinnen und Probanden die Vakzine, anschließend werden 135 weitere Personen geimpft. Die Studie ist Placebo-kontrolliert und doppelt-blind. Sie soll zum einen Auskunft über die Verträglichkeit und Sicherheit geben, zum anderen wird die Immunantwort bestimmt. Werden ausreichend Antikörper und T-Zellen gebildet, um vor einer Infektion gegen das MERS-Coronavirus zu schützen und den Krankheitsverlauf zu bremsen? Diese Tests werden an der Universität Marburg bei Professor Stephan Becker durchgeführt, der im DZIF den Forschungsbereich „Neu auftretende Infektionskrankheiten“ koordiniert und an allen Impfstoffprojekten maßgeblich beteiligt ist.

    Im Verbund zum Impfstoff
    Die internationale Impfstoff-Initiative CEPI (Coalition for Epidemic preparedness Innovation) fördert die Entwicklung des Impfstoffs gegen das MERS-Coronavirus mit bis zu 36 Millionen US-Dollar. IDT Biologika hat diesen Auftrag übernommen und mit einem Konsortium aus Wissenschaft und Klinik, dem neben dem DZIF das Viroscience Department am Erasmus Medical Center und die Klinische Forschungsorganisation CR20 angehören, die Entwicklung vorangetrieben. Das Unternehmen entwickelte eine eigene Zelllinie und Technologie für die großtechnische Produktion des Impfstoffs. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler nutzen den gleichen viralen Impfvektor (MVA) für die Entwicklung eines neuen SARS-CoV-2-Impfstoffs, ebenfalls in Zusammenarbeit zwischen dem DZIF und IDT-Biologika.

    Studienteilnahme noch möglich

    Für die aktuelle MERS-Impfstudie werden in Hamburg noch gesunde Probandinnen und Probanden gesucht. Teilnehmen können sowohl Frauen als auch Männer zwischen 18 und 55 Jahren. Die Studie wird am UKE in Zusammenarbeit mit dem Clinical Trial Center North durchgeführt und umfasst acht ambulante Visiten über einen Zeitraum von sieben Monaten. Eine Teilnahme für Personen, die bereits gegen SARS-COV-2 geimpft sind oder noch geimpft werden wollen, ist erlaubt. Bei Interesse melden Sie sich bitte hier: studienteilnahme@ctc-north.com


    Wissenschaftliche Ansprechpartner:

    Prof. Marylyn Addo
    Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf
    Deutsches Zentrum für Infektionsforschung
    Studienleitung Hamburg
    m.addo@uke.de

    Prof. Stephan Becker
    Universität Marburg
    DZIF-Koordinator „Neu auftretende Infektionskrankheiten“
    becker@staff.uni-marburg.de

    Prof. Gerd Sutter
    LMU München
    Deutsches Zentrum für Infektionsforschung
    gerd.sutter@lmu.de


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten
    Medizin
    überregional
    Forschungsprojekte, Kooperationen
    Deutsch


    Kamele können das MERS-Virus auf den Menschen übertragen.


    Zum Download

    x

    Hilfe

    Die Suche / Erweiterte Suche im idw-Archiv
    Verknüpfungen

    Sie können Suchbegriffe mit und, oder und / oder nicht verknüpfen, z. B. Philo nicht logie.

    Klammern

    Verknüpfungen können Sie mit Klammern voneinander trennen, z. B. (Philo nicht logie) oder (Psycho und logie).

    Wortgruppen

    Zusammenhängende Worte werden als Wortgruppe gesucht, wenn Sie sie in Anführungsstriche setzen, z. B. „Bundesrepublik Deutschland“.

    Auswahlkriterien

    Die Erweiterte Suche können Sie auch nutzen, ohne Suchbegriffe einzugeben. Sie orientiert sich dann an den Kriterien, die Sie ausgewählt haben (z. B. nach dem Land oder dem Sachgebiet).

    Haben Sie in einer Kategorie kein Kriterium ausgewählt, wird die gesamte Kategorie durchsucht (z.B. alle Sachgebiete oder alle Länder).