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06.05.2021 13:12

Erotische Romane: heiß geliebt

Ina Wittmann Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Max-Planck-Institut für empirische Ästhetik

    Studie zur Leserschaft erotischer Bestseller veröffentlicht

    Nach dem Erscheinen von E.L. James’ „Fifty Shades of Grey“ im Jahr 2015 hat der Buchmarkt eine wahre Flut von erotischen Bestsellern erlebt. Damit kam vielerorts die Frage nach dem Erfolgsgeheimnis dieser Romanvariante auf. Nun hat ein Forschungsteam des Max-Planck-Instituts für empirische Ästhetik (MPIEA) das Lesepublikum erotischer Romane näher beleuchtet und die Gründe für diese literarische Vorliebe untersucht.

    Sowohl in den Medien als auch im wissenschaftlichen Diskurs werden zeitgenössische erotische Romane in der Regel als literarisch minderwertig abgetan. Häufig klassifizieren Kritiker und Wissenschaftler das Publikum als Leserschaft mit mittelmäßigem bis schlechten Geschmack, ohne dabei jedoch die Lesemotivationen und erfahrungen näher zu untersuchen. Vor diesem Hintergrund ging das Team des MPIEA in einer Online-Studie der Frage nach, wer eigentlich erotische Romane liest – und warum. Die Ergebnisse wurden kürzlich als Open-Access-Artikel im Fachjournal Humanities & Social Sciences Communications veröffentlicht.

    In die Studie gingen Datensätze von rund 420 Teilnehmerinnen ein. Die Mehrheit der Befragten waren heterosexuelle Frauen in festen Beziehungen mit einem überdurchschnittlichen Bildungsniveau. Sie beschrieben sich selbst als begeisterte Vielleserinnen, die ihre Leseerfahrungen gerne mit anderen teilen. Die meisten der Studienteilnehmerinnen waren zwischen 20 und 40 Jahren alt.

    Der Großteil gab an, erotische Romane zur Ablenkung zu lesen. Häufig wurden Gefühle von Leichtigkeit als Motivationsgrund genannt. Die sexuelle Explizitheit der Romane und ihr Potenzial, Orientierung im eigenen Leben zu geben, spielten für die Teilnehmerinnen ebenfalls eine Rolle – wenn auch eine geringere, als in früheren Untersuchungen angenommen.

    Überraschend erscheint auch die Einordnung der Geschlechterdarstellungen. Diese steht im Gegensatz zu weit verbreiteten, eher kritischen Ansichten gegenüber zeitgenössischen Erotik-Bestsellern: „Viele der Studieneilnehmerinnen empfanden erotische Romane, zumindest zu einem gewissen Grad, als emanzipiert, feministisch und progressiv. Wir führen diesen Befund vor allem auf die eher traditionellen Vorstellungen der Befragten bezüglich männlicher und weiblicher Geschlechterrollen zurück“, erklärt die Erstautorin Maria Kraxenberger.

    Die Studie ist die erste, die empirisch die Leserschaft und Lesemotivation erforscht hat, die einem aktuellen kulturellen Großphänomen zugrunde liegen. Obwohl diese Leserschaft einen erheblichen Einfluss auf den internationalen Buchmarkt hat, ist der Mainstream-Diskurs über Literatur und Lesen immer noch denjenigen vorbehalten, die vermeintlich bessere, wenn auch weniger gelesene, Literatur bevorzugen. Die Ergebnisse der Studie unterstreichen die Notwendigkeit zukünftiger Untersuchungen abseits des literarischen Kanons.


    Wissenschaftliche Ansprechpartner:

    Dr. Maria E. Kraxenberger
    maria-elisabeth.kraxenberger@ae.mpg.de


    Originalpublikation:

    Kraxenberger, M., Knoop, C. A., & Menninghaus, W. (2021). Who reads contemporary erotic novels and why? Humanities and Social Sciences Communications, 8, Article 96. doi:10.1057/s41599-021-00764-3


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten, jedermann
    Sprache / Literatur
    überregional
    Buntes aus der Wissenschaft, Forschungsergebnisse
    Deutsch


    Ein Forschungsteam des Max-Planck-Instituts für empirische Ästhetik hat das Lesepublikum erotischer Romane näher beleuchtet


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