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19.05.2021 16:09

Hirse, Thymian und Felsenbirnen machen die Lausitzer Landwirtschaft fit für die Zukunft

Ralf-Peter Witzmann Stabsstelle Kommunikation und Marketing
Brandenburgische Technische Universität Cottbus-Senftenberg

    Werden Ackerkulturen oder Grünland gemeinsam mit Gehölzen auf einer Bewirtschaftungsfläche angebaut, können sie die Basis für eine produktive und klimaresiliente Landwirtschaft mit hohem Ertrag sein. Mit einem innovativen Pflanzenbaukasten machen Wissenschaftler*innen in einem neuen Projekt die Vorteile der agroforstlichen Kreislaufwirtschaft für Mensch und Umwelt nutzbar.

    Das Wertschöpfungspotenzial des ländlichen Raums ist in der Lausitz eng an die Erzeugung landwirtschaftlicher Produkte gekoppelt. Ziel des Projekts AgroBaLa ist es, die regionale Landwirtschaft mittel- bis langfristig produktiver zu machen. Dazu untersuchen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler um Dr. Christian Böhm vom Fachgebiet Bodenschutz und Rekultivierung den agroforstlichen Anbau von nicht heimischen Kräutern, Feldfrüchten und Gehölzarten.

    „Viele interessante Kulturpflanzen kommen mit den klimatischen Bedingungen in der Region sehr gut zurecht. So können beispielsweise Hirsearten, Buchweizen und Kräuter wie Thymian und Salbei, aber auch verschiedene Strauch- und Baumarten wie die Felsenbirne oder die Esskastanie auf den trockenen Böden der Region gut wachsen“, sagt Christian Böhm.

    Agroforstsysteme zeichnen sich durch zahlreiche Vorteile aus. „Sie bewirken beispielsweise eine bedeutende Verringerung der Windgeschwindigkeit und tragen auf diese Weise zu einem effektiven Schutz vor einer Abtragung des Bodens durch Wind bei“, weiß Christian Böhm. „Dies ist insbesondere für die sandigen Böden der Lausitz von großer Relevanz.“

    Weitere Vorteile liegen auf der Hand: So kann beispielsweise die starke Verdunstung des im Boden gespeicherten Wassers gemindert und dessen Humusgehalt erhöht werden, sodass künftig mehr Wasser gespeichert wird. Zudem fördern Agroforstsysteme die Lebensraum- und damit Artenvielfalt in Agrarräumen.

    Der von den Forschern zu entwickelnde Pflanzenbaukasten wird es den Landwirtschaftsbetrieben ermöglichen, den agroforstlichen Systemansatz auf ihre Betriebsbedarfe individuell anzupassen. „Damit können sie für sich sinnvolle Module heraussuchen und erhalten umfangreiche Informationen zu pflanzenbaulichen Aspekten, Ökosystemleistungen, Verwertungsoptionen sowie betriebswirtschaftlichen, gesellschaftlichen und rechtlichen Rahmenbedingungen“, so der Projektleiter Dr. Christian Böhm.

    Auch die Perspektive der Produktabnehmer und -verwerter liegt im Fokus der Wissenschaftler. Beispielsweise soll in Zusammenarbeit mit einer Bäckerei untersucht werden, inwieweit trockenheitstolerante Getreidearten wie Teff das Potential für neue Wertschöpfungspfade in der Lausitz besitzen. „Für den wirtschaftlichen Erfolg ist die Vernetzung von sehr unterschiedlichen Akteuren potenzieller Wertschöpfungspfade unabdingbar“, sagt Christian Böhm.

    Ziel der Wissenschaftler*innen ist es, zu einem Umdenken von einem stark sektoral orientierten Reinkulturanbau hin zu einem systemisch-integrativen Pflanzenbauansatz anzuregen.

    Hintergrund Agroforstsysteme

    Als Agroforstsysteme werden Landbauformen bezeichnet, bei denen Ackerkulturen oder Grünland zusammen mit Gehölzen auf einer Bewirtschaftungsfläche angebaut und genutzt werden. Alter, Verteilung und Anordnung der Gehölze können stark variieren.
    In Ländern mit industrialisierter Landwirtschaft werden Agroforstsysteme zumeist in Form von Streifen angebaut. Dadurch können bewährte landwirtschaftliche Bewirtschaftungspraktiken beibehalten und landwirtschaftliche Großtechnik weiterhin für die Bewirtschaftung der zwischen den Gehölzstreifen befindlichen Ackerstreifen eingesetzt werden. Wesentliches Merkmal aller Agroforstsysteme sind existierende Wechselwirkungen zwischen Gehölz- und Ackerkulturen. Die hiermit verbundenen Synergieeffekte werden in der Agroforstwirtschaft gewinnbringend genutzt.

    Projekttitel: AgroBaLa

    Agroforstliche Kreislaufwirtschaft als Basis für eine strukturreiche und klimaresiliente Landwirtschaft mit hohem Wertschöpfungspotential
    Projektverbundpartner: Landwirtschaftsbetrieb Domin (Peickwitz), ZGJ-Landwirtschafts GmbH (Zinnitz), Deutscher Fachverband für Agroforstwirtschaft (DeFAF) e.V. (Cottbus)
    Laufzeit: 01.01.2021 – 31.12.2023
    Fördersumme des Gesamtprojektes: ca. 800T Euro, Bundesprogramm „WIR! – Wandel durch Innovationen in der Region“

    Pressekontakt:
    Kristin Ebert
    Stabsstelle Kommunikation und Marketing
    T +49 (0) 355 69-2115
    kristin.ebert(at)b-tu.de


    Wissenschaftliche Ansprechpartner:

    Dr. rer. silv. Christian Böhm
    Bodenschutz und Rekultivierung
    T +49 (0) 355 69-4145
    boehmc(at)b-tu.de


    Weitere Informationen:

    https://www.b-tu.de/news/artikel/18544-hirse-thymian-und-felsenbirnen-machen-die... - Pressemitteilung mit weiteren Informationen und Links


    Bilder

    Der Anbau von Kräutern wie Kresse und von Bäumen wie Pappeln auf einer Agroforstfläche in Peickwitz bei Senftenberg ermöglicht eine nachhaltige Mehrfachnutzung des Bodens.
    Der Anbau von Kräutern wie Kresse und von Bäumen wie Pappeln auf einer Agroforstfläche in Peickwitz ...
    Foto: Ralf Schuster
    © BTU Cottbus - Senftenberg

    Schematische Darstellung der im Projekt untersuchten Bausteine einer Kreislaufwirtschaft.
    Schematische Darstellung der im Projekt untersuchten Bausteine einer Kreislaufwirtschaft.
    Abbildung: Dr. Christian Böhm
    © BTU Cottbus - Senftenberg


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten, Studierende, Wirtschaftsvertreter, Wissenschaftler
    Tier / Land / Forst, Umwelt / Ökologie
    überregional
    Forschungs- / Wissenstransfer, Forschungsprojekte
    Deutsch


     

    Der Anbau von Kräutern wie Kresse und von Bäumen wie Pappeln auf einer Agroforstfläche in Peickwitz bei Senftenberg ermöglicht eine nachhaltige Mehrfachnutzung des Bodens.


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