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11.06.2021 15:37

Betrug bei Corona-Tests: Ökonomen schlagen Änderung der Abrechnung vor

Axel Grehl Pressestelle
Hochschule Pforzheim

    Professoren aus Pforzheim, Berlin und Münster legen Paper vor

    Seit Anfang März müssen sich deutsche Bürger testen lassen – ein Millionengeschäft, alleine in den Monaten April und Mai zahlte der Bund 660 Millionen Euro. Wo so viel Geld unterwegs ist, ist Betrug nicht weit: Recherchen von Journalisten zufolge sind alleine an einer Teststelle in Köln statt 70 wirklich genommener Proben fast 1000 abgerechnet worden, weitere Stichproben in Essen und in Münster hätten ähnliche Ergebnisse erbracht. Die Bundesregierung setzt auf mehr Kontrollen – ein falscher weg, wie die Wirtschaftsprofessoren Elmar Wolfstetter (Humboldt Universität Berlin); Aloys Prinz (Universität Münster) und Hanno Beck (Hochschule Pforzheim) finden. Das gegenwärtige Finanzierungsmodell setze Anreize, billiges Personal einzusetzen und die Zahl der Tests zu maximieren, wenn nicht sogar nur vorzutäuschen. Die Ökonomen schlagen stattdessen zur Bekämpfung des Testbetrugs vor, dass der Bund nicht alle Tests bezahlt, sondern nur Tests, die ein positives Ergebnis zeigen und anschließend mit einem positiven PCR-Test bestätigt werden.

    Diese Finanzierung führt dazu, dass sich erstens betrügerische Tests nicht mehr rechnen und zweitens starke Anreize dafür gibt, Schnelltest mit qualifiziertem Personal sorgfältig durchzuführen – Betrüger und Pfuscher werden nicht mehr bezahlt. Der Betrag pro bestätigten positiven Test müsste dann allerdings wesentlich höher sein als der bisherige Betrag von 21 Euro. Bei einer Positivrate der PCR-Tests von fünf Prozent der insgesamt durchgeführten Schnelltests könnte man – bei einem aktuellen Monatsbudget von 630 Millionen Euro und 30 Millionen Tests im Monat – pro positiv bestätigten Schnelltest 420 Euro zahlen, rechnen die Ökonomen vor. Mit diesem Finanzierungsmodell würde zwar die Zahl der Teststellen sinken, das wäre aber nicht schlimm, da vor allem solche Teststellen verschwinden, die nur wenige (minderwertige) Tests durchführen, im Zweifelsfall aber viele Tests abrechnen. Auf die Testqualität würde sich das nach Ansicht der Professoren vorteilhaft auswirken, da insbesondere solche Stellen entfallen, die mit gering qualifiziertem Personal testen. Eine hohe Zahl von Tests hilft bei der Pandemie-Bekämpfung nicht, wenn diese Tests schlampig durchgeführt oder nur vorgetäuscht werden.


    Wissenschaftliche Ansprechpartner:

    Prof. Dr. Hanno Beck
    Hochschule Pforzheim
    E-Mail: hanno.beck@hs-pforzheim.de


    Anhang
    attachment icon Paper Wolfstetter Beck Prinz

    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten
    Wirtschaft
    überregional
    Forschungsergebnisse, Wissenschaftliche Publikationen
    Deutsch


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