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28.06.2021 16:11

Fossiler Schatz im Naturhistorischen Museum Wien entdeckt: neue Meereskrokodile aus der frühen Kreidezeit

Nikolett Kertész Presse & Marketing
Naturhistorisches Museum Wien

    Alte Sammlungen sind immer für Überraschungen gut! Wissenschafter des Naturhistorischen Museums Wien, des Naturkunde-Museums Bielefeld, der Polnischen Akademie der Wissenschaften, des Instituts für Geological Engineering aus Tschechien und der School of GeoSciences aus England entlocken fossilen Zähnen von kreidezeitlichen Urkrokodilen neue Erkenntnisse.

    Schon im Jahr 1912 gelangten mit verschiedenen Meeresfossilien auch zwei rund 2 cm große Zahnkronen aus den Steinbrüchen der tschechischen Stadt Štramberk ans Naturhistorische Museum Wien, wo sie vorerst ohne nähere Bestimmung in die Sammlung aufgenommen wurden. Mehr als hundert Jahre später erkannte Sven Sachs vom Naturkunde-Museum Bielefeld während einer Studienreise ans NHM Wien die wahre Natur der 138 Millionen Jahre alten Fossilien. Die Zähne stammen von Vertretern der ausgestorbenen Meereskrokodile der Familie Metriorhynchidae. Ihren Namen verdanken diese Meeresreptilien ihrer nur moderat verlängerten Schnauze. Gemeinsam mit den Dinosauriern, Flugsauriern, Krokodilen und Vögeln gehören sie zur Gruppe der Archosaurier. Die Metriorhynchidae waren ein wichtiger Bestandteil in seichten marinen Ökosystemen des mittleren Jura bis in die frühe Kreidezeit. Sie waren von Nord- und Südamerika bis hin zum europäischen Archipel verbreitet und gehörten zu den am besten an das Leben im Wasser angepassten Archosauriern. Die Tiere waren bis zu 7 Meter lang und hatten zu Flossen umgewandelte Gliedmaßen.

    Nun untersuchte ein internationales Team um Alexander Lukeneder, Paläontologe am Naturhistorischen Museum Wien, gemeinsam mit Daniel Madzia, Sven Sachs, Mark T. Young und Petr Skupien, die historischen Funde neu. Analysen des Zahnschmelzes zeigen, dass die Zahnkronen zu zwei verschiedenen Tieren gehörten: Plesiosuchus und Torvoneustes. Beide Gattungen hatten unterschiedliche Ernährungsweisen. So jagte Plesiosuchus andere Meeresreptilen wie Pliosaurier, während Torvoneustes auf Fische und Ammoniten spezialisiert war.
    Die neu beschriebenen Exemplare aus dem Naturhistorischen Museum Wien gehören zu den geologisch jüngsten Vertretern der metriorhynchiden Krokodile weltweit. Noch während der Kreidezeit, lange vor dem Aussterben der Dinosaurier, verschwanden diese Meeresreptilien.

    Die Studie zeigt die Bedeutung von isolierten Zahnfossilien für die Rekonstruktion vergangener Lebensräume und unterstreicht das große Potenzial von historischen naturwissenschaftlichen Sammlungen für die moderne Forschung. Auch Jahrzehnte nach der Akquise vermögen neue Methoden oder der Besuch von Spezialist*innen den Sammlungen neue Informationen zu entlocken.


    Wissenschaftliche Ansprechpartner:

    Priv.-Doz. Dr. Alexander Lukeneder
    Kurator für die Mesozoische Sammlung
    Telefon: +43 (1) 52177 DW 251
    alexander.lukeneder@nhm-wien.ac.at


    Originalpublikation:

    Madzia, D., Sachs, S., Young, M.T., Lukeneder, A., Skupien, P. 2021. Evidence of two lineages of metriorhynchid crocodylomorphs in the Lower Cretaceous of the Czech Republic. Acta Paleontologica Polonica.

    https://doi.org/10.4202/app.00801.2020


    Weitere Informationen:

    https://www.nhm-wien.ac.at/presse/pressemitteilungen2021/meereskrokodile


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten, Wissenschaftler, jedermann
    Biologie, Geowissenschaften, Geschichte / Archäologie
    überregional
    Forschungsergebnisse, Wissenschaftliche Publikationen
    Deutsch


    Ein großer mariner Verwandter der Krokodile (Plesiosuchina) attackiert einen kleineren Plesiosaurier, im Hintergrund ein Torvoneustes.


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    Plesiosuchus und Torvoneustes aus dem NHM Wien


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