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02.08.2021 10:21

Transformation des Energiesystems für Klimaneutralität bis 2045

Miriam Hegner Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Verband der Hochschullehrer für Betriebswirtschaft e.V.

    Mit dem Green Deal wurde das Ziel der Erreichung einer klimaneutralen Energieversorgung bis zum Jahr 2050 in der EU bzw. mit dem Klimaschutzgesetz in Deutschland bis 2045 politisch definiert. Um dieses politische Ziel zu erreichen, sind zahlreiche Maßnahmen in den nächsten Jahren erforderlich. Die erfolgreiche Transformation des Energiesystems hat eine zentrale Bedeutung, so Prof. Dr. Dominik Möst, Lehrstuhl für Energiewirtschaft der Fakultät Wirtschaftswissenschaften an der Technischen Universität Dresden.

    Erneuerbare Energien spielen zentrale Rolle

    Bei der notwendigen Transformation des Energiesystems spielen Erneuerbare Energien die zentrale Rolle: im Jahr 2020 lag ihr Anteil am Bruttoendenergieverbrauch in Europa knapp unter dem gesetzten Ziel von 20%. In Deutschland wurde das gesteckte Ziel eines Anteils von 18% in 2020 leicht übertroffen. Während sich der Anteil erneuerbarer Energien am Stromverbrauch in den letzten 10 Jahren auf ca. 46% mehr als verdoppelte, haben sich die Anteile in den Bereichen Wärme und Verkehr mit ca. 15% bzw. 7% nur geringfügig erhöht.

    Fünf zentrale Säulen als Basis

    Für die erfolgreiche Transformation des Energiesystems sind folgenden fünf Säulen zentral, mit denen auch Herausforderungen einhergehen:

    • Eine konsequente Lenkungswirkung durch Bepreisung von CO2-Emissionen für alle
    Sektoren unter Berücksichtigung der stark unterschiedlichen Grenzvermeidungskosten
    der verschiedenen Sektoren. Fragen der Verteilungsgerechtigkeit und sozialen
    Akzeptanz sind zu berücksichtigen.
    • Eine erhebliche Erhöhung des Anteils erneuerbarer Energien. Aus Systemperspektive
    stellt sich die Frage, wie fluktuierende (wetterabhängige) erneuerbare Energien
    integriert werden und perspektivisch auch erforderliche Systemdienstleistungen im
    Stromsystem übernehmen können.
    • Reduzierung des Energieverbrauchs durch Erhöhung der Energieeffizienz. Hier ist
    u.a. zu klären, wie sich die gesetzten Ziele zum Primärenergiebedarf bei Gebäuden
    erreichen und die dafür erforderlichen hohe Sanierungs- und Modernisierungsraten
    forcieren lassen.
    • Flexible Power-to-X-Technologien (u.a. Elektromobilität, Wärmepumpen, etc.) werden
    zur besseren Integration von wetterabhängigen erneuerbaren Energien in Zeiten eines
    (künftigen) Überangebotes beitragen. Auch wenn durch die stärkere Elektrifizierung der
    Bereiche Wärme und Verkehr der Investitionsbedarf im Verteilungsnetz sowohl in
    „analoge“ als auch digitale Infrastruktur zunehmen wird, werden die Herausforderungen
    sowohl technisch als auch finanziell beherrschbar bleiben.
    • Einsatz CO2-neutraler grüner Gase für Energieanwendungen mit hoher
    Leistungsdichte, v.a. im Industrie- und Transportsektor. Neben der heute größtenteils
    noch fehlenden Wettbewerbsfähigkeit stellt der Aufbau der Infrastruktur (inländische
    Bereitstellung und Import ausreichender Mengen an CO2-neutralen Gasen, geeignete
    Transportinfrastruktur sowie ausreichende Endanwendungen) die größte
    Herausforderung dar.

    Internationale Herausforderung mit vielen innovativen Lösungen

    Eine erfolgreiche Umsetzung kann dabei nicht als nationaler Alleingang gelingen, sondern nur eingebettet in eine europäische und weltweite Energiepolitik und -wende. Die fünf Säulen sowie die Ausmaße dieser weltweiten erforderlichen Transformation bedeuten für die Energiewirtschaft in den nächsten Jahren weiterhin zahlreiche und spannende Herausforderungen für viele Tätigkeitsfelder. Deutschland und Europa werden eine wichtige Vorreiterrolle einnehmen und mit innovativen Lösungen die Dekarbonisierung des Energiesystems vorantreiben.

    Professor Möst ist einer von über 170 VHB experts des Verbands der Hochschullehrer für Betriebswirtschaft e.V. (VHB). Mit rund 2.800 Mitgliedern ist der Verband eine wachsende, lebendige Plattform für wissenschaftlichen Austausch, Vernetzung und Nachwuchsförderung in allen Bereichen der BWL und darüber hinaus.

    3.744 Zeichen inkl. Leerzeichen, zur Veröffentlichung, honorarfrei

    Literatur
    1. Möst, D., Schreiber, S., Herbst, A., Jakob, M., Martino, A., Poganietz, W.-R. (Eds.), The Future European Energy System - Renewable Energy, Flexibility Options and Technological Progress, Springer, 2021, https://www.springer.com/gp/book/9783030609139


    Wissenschaftliche Ansprechpartner:

    Prof. Dr. Dominik Möst, Lehrstuhl für Energiewirtschaft der Fakultät Wirtschaftswissenschaften an der Technischen Universität Dresden
    dominik.moest@tu-dresden.de


    Weitere Informationen:

    https://vhbonline.org/vhb-experts


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten, Studierende, Wirtschaftsvertreter, Wissenschaftler, jedermann
    Energie, Gesellschaft, Umwelt / Ökologie, Wirtschaft
    überregional
    Buntes aus der Wissenschaft, Forschungs- / Wissenstransfer
    Deutsch


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