idw – Informationsdienst Wissenschaft

Nachrichten, Termine, Experten

Grafik: idw-Logo
Thema Corona

Imagefilm
Science Video Project
idw-News App:

AppStore



Teilen: 
04.08.2021 09:50

Strauß voller Überraschungen

Judith Jördens Senckenberg Pressestelle
Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseen

    Senckenberg-Wissenschaftler Gerald Mayr hat mit seinem Kollegen Nikita Zelenkov Vogelfossilien aus Zentralasien untersucht, die bislang den Kranichartigen zugeordnet wurden. Die Forscher zeigen nun, dass es sich stattdessen um frühe Vertreter der Straußenvögel handelt. Bisher war die frühe Evolutionsgeschichte der Strauße weitgehend unbekannt. Die Neuinterpretation der Fossilfunde zeigt, dass frühe Vorfahren dieser Vögel ein unerwartetes Merkmalsmosaik aufweisen. Laut der heute im Fachjournal „Ornithology“ veröffentlichten Studie lag der Ursprung der Strauße in Asien – heute sind die großen, flugunfähigen Vögel ausschließlich in Afrika heimisch.

    Während die meisten Vögel vier Zehen besitzen, hat der Strauß die Zahl der Zehen im Laufe seiner Evolution auf zwei reduziert. Dieser Fußbau ist unter den heutigen Vögeln einzigartig und verhilft dem afrikanischen Vogel unter anderem zu seiner hohen Laufgeschwindigkeit. „Auch die Arten der Ergilornithidae, einer Vogelgruppe, die vor etwa 35 bis 10 Millionen Jahren in Asien weit verbreitet war, besitzen nur zwei Zehen. Aufgrund dieses Merkmals wurde schon früher über eine Verwandtschaft dieser Vögel mit den Straußen spekuliert. Diese Hypothese fand aber keine breite Anerkennung und die Ergilornithidae wurden den Kranichartigen zugeordnet“, erklärt Dr. Gerald Mayr vom Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseum in Frankfurt.

    Fossilfunde der mittelgroßen und sehr langbeinigen Ergilornithidae sind an einigen asiatischen Fundstellen – insbesondere in der Mongolei – vergleichsweise häufig. Bisher waren aber nur fossile Beinknochen bekannt. Mayr und sein russischer Kollege haben nun weiteres Material dieser Vögel und der mit ihnen nahe verwandten Eogruidae aus einer Sammlung in Moskau untersucht. „Darunter befindet sich auch der erste bekannte Schädelrest dieser Tiere. Die Funde stammen aus den 1970er Jahren – blieben aber bis zu unserer Untersuchung unbearbeitet“, erläutert Mayr und fährt fort: „Wir konnten anhand eindeutiger Skelettmerkmale zeigen, dass es sich bei den Eogruidae und Ergilornithidae tatsächlich um asiatische Straußenvögel handelt!“
    Die Evolutionsgeschichte der Strauße war bislang weitgehend ungeklärt und die ältesten unstrittigen Funde dieser Vögel stammen aus dem Miozän Afrikas und sind etwa 20 Millionen Jahre alt. Der Frankfurter Ornithologe und sein Kollege schließen aus den Funden, dass die Vorfahren der heutigen Strauße im frühen Känozoikum – vor etwa 40 Millionen Jahren – weit über die Nordhalbkugel verbreitet waren. Laut der Studie entwickelten sich die Vögel in den Steppen Zentralasiens zu den modernen, zweizehigen Straußen und besiedelten dann vor etwa 20 Millionen Jahren Afrika, wo sie noch heute heimisch sind. Ein wichtiges Ergebnis der Studie ist zudem, dass sich frühe Vorfahren der Strauße in einigen Merkmalen sehr deutlich von ihren heutigen Verwandten unterschieden.

    „Interessanterweise ähneln die Knochen der Eogruidae und Ergilornithidae denen der ausgestorbenen, knapp einen Meter großen Vogelgattung Palaeotis, die unter anderem in der hessischen Fossilfundstelle Grube Messel gefunden wurde. Deren Verwandtschaftsbeziehungen waren bisher auch umstritten, wenngleich eine Verwandtschaft mit Straußen diskutiert wurde“, ergänzt Mayr und resümiert: „Die Neuinterpretation dieser Funde liefert uns ein neues und in sich schlüssiges Bild der Evolutionsgeschichte der Strauße!“


    Wissenschaftliche Ansprechpartner:

    Dr. Gerald Mayr
    Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseum Frankfurt
    Tel. 069 7542-1348
    gerald.mayr@senckenberg.de


    Originalpublikation:

    Gerald Mayr, Nikita Zelenkov, Extinct crane-like birds (Eogruidae and Ergilornithidae) from the Cenozoic of Central Asia are indeed ostrich precursors, Ornithology, 2021;, ukab048, https://doi.org/10.1093/ornithology/ukab048


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten
    Geowissenschaften
    überregional
    Forschungsergebnisse
    Deutsch


    Fußknochen von Straußenvorfahren aus dem Känozoikum von Europa (Palaeotis) und Asien (Eogrus, Proergilornis, Urmiornis).


    Zum Download

    x

    Skelett von Palaeotis weigelti aus dem frühen Eozän (vor 48 Millionen Jahren) der Grube Messel bei Darmstadt.


    Zum Download

    x

    Hilfe

    Die Suche / Erweiterte Suche im idw-Archiv
    Verknüpfungen

    Sie können Suchbegriffe mit und, oder und / oder nicht verknüpfen, z. B. Philo nicht logie.

    Klammern

    Verknüpfungen können Sie mit Klammern voneinander trennen, z. B. (Philo nicht logie) oder (Psycho und logie).

    Wortgruppen

    Zusammenhängende Worte werden als Wortgruppe gesucht, wenn Sie sie in Anführungsstriche setzen, z. B. „Bundesrepublik Deutschland“.

    Auswahlkriterien

    Die Erweiterte Suche können Sie auch nutzen, ohne Suchbegriffe einzugeben. Sie orientiert sich dann an den Kriterien, die Sie ausgewählt haben (z. B. nach dem Land oder dem Sachgebiet).

    Haben Sie in einer Kategorie kein Kriterium ausgewählt, wird die gesamte Kategorie durchsucht (z.B. alle Sachgebiete oder alle Länder).