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10.08.2021 14:31

Handelssanktionen können Kooperation zum Klimaschutz schaden

Hans-Christoph Keller Kommunikation, Marketing und Veranstaltungsmanagement
Humboldt-Universität zu Berlin

    Handelssanktionen zur Etablierung eines Klimaclubs mehrerer Länder mit ambitionierten Zielen können kontraproduktiv wirken. Das zeigt eine neue Studie.

    Ein erfolgversprechender Ansatz in der internationalen Klimapolitik ist die Bildung eines sogenannten Klimaclubs. Diese Idee wird auch im Zusammenhang des Green Deal der Europäischen Kommission diskutiert. Angestoßen wurde sie durch eine vielbeachtete Studie des Nobelpreisträgers William Nordhaus. Danach wäre eine Koalition von Ländern mit ambitionierten Klimapolitiken als Klimaclub in der Lage andere Länder durch die Androhung von Handelssanktionen in Form von Importsteuern zum Eintritt in diesen Club und damit zu einem stärkeren Engagement in diesem Politikbereich zu bewegen. Dieses Ergebnis basiert allerdings auf der Annahme, dass die betroffenen Länder keine Gegenmaßnahmen ergreifen.

    In der nun veröffentlichten Studie zeigen die Klimaökonomen Achim Hagen und Jan Schneider, dass derartige Sanktionen für die Entwicklung internationaler Kooperation zum Klimaschutz durchaus abträglich sein können, wenn die Möglichkeit besteht, dass Handelspartner auf die Einführung von Handelssanktionen mit Gegenmaßnahmen in Form von eigenen Importsteuern reagieren.

    In diesem Fall ergeben sich die erwünschten positiven Effekte auf die Kooperation nur, wenn der Klimaclub schon vor der Einführung der Handelssanktionen ausreichend groß ist. Ist der Klimaclub zu klein, so ist es für Nichtmitglieder attraktiver, Gegenmaßnahmen zu ergreifen als dem Klimaclub beizutreten. Insbesondere Europa und die USA sind für die erfolgreiche Einführung von Handelssanktionen unverzichtbare Mitglieder eines Klimaclubs: auf Grund ihrer wirtschaftlichen Größe sind ihre Handelssanktionen besonders wirksam.

    Im besten Fall führt die Androhung von Handelssanktionen zur Kooperation aller Länder, so dass de facto keine Sanktionen eingeführt werden. Kommen hingegen Handelssanktionen sowie Gegenmaßnahmen tatsächlich zum Tragen kann es durch Verzerrungen des internationalen Handels zu erheblichen Wohlfahrtsverlusten der Handelspartner kommen.

    Die Studie mit dem Titel Trade sanctions and the stability of climate coalitions wurde in der renommierten Fachzeitschrift Journal of Environmental Economics and Management veröffentlicht und ist frei zugänglich unter https://doi.org/10.1016/j.jeem.2021.102504


    Wissenschaftliche Ansprechpartner:

    Dr. Achim Hagen, Resource Economics Group, Humboldt-Universität zu Berlin, Mail: achim.hagen@hu-berlin.de

    Dr. Jan Schneider, Department für Wirtschafts- und Rechtswissenschaften, Universität Oldenburg, Mail: jan.schneider@uol.de


    Originalpublikation:

    Hagen, A., & Schneider, J. (2021). Trade sanctions and the stability of climate coalitions. Journal of Environmental Economics and Management, 102504.


    Weitere Informationen:

    https://doi.org/10.1016/j.jeem.2021.102504


    Anhang
    attachment icon PM HU Klimaclub und Handelssanktionen

    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten, Studierende, Wirtschaftsvertreter, Wissenschaftler
    Gesellschaft, Politik, Umwelt / Ökologie, Wirtschaft
    überregional
    Forschungsergebnisse
    Deutsch


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