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23.08.2021 13:58

Bernstein erhalten und erforschen – nicht nur für Jurassic Park

Dr. Gesine Steiner Pressestelle
Museum für Naturkunde - Leibniz-Institut für Evolutions- und Biodiversitätsforschung

    Bernsteine sind wertvolle Forschungsobjekte, da sie Einschlüsse von Pflanzen und Tieren über Jahrmillionen erhalten und daraus Rückschlüsse auf die Ökosysteme vergangener Zeiten möglich machen. Forschende vom Museum für Naturkunde Berlin und dem American Museum of Natural History New York haben in Kooperation mit fünf weiteren Forschungsinstituten aus Deutschland, Frankreich und Österreich im Wissenschaftsjournal Earth-Science Reviews neue Handlungsempfehlungen veröffentlicht, wie empfindliche Bernsteinsammlungen als globales und wissenschaftliches Erbe für die Nachwelt erhalten und die eingeschlossenen Fossilien dokumentiert werden können.

    Bernstein ist fossiles Baumharz, das vor Millionen Jahren entstand und insbesondere für die hervorragende dreidimensionale Erhaltung von eingeschlossenen Pflanzen, Insekten und Spinnentieren bekannt ist. Sowohl die Einschlüsse - die sogenannten Inklusen - als auch der Bernstein selbst sind für Forschungsdisziplinen wie der Zoologie, Botanik, Paläontologie und Geochemie von großem Interesse. Bernsteinsammlungen sind daher ein wertvolles wissenschaftliches, kulturelles und globales Erbe. Die im Museum für Naturkunde Berlin vorhandene Bernsteinsammlung wird im Rahmen des Zukunftsplanes als globales Erbe erforscht und erhalten, wozu die Ergebnisse der Publikation einen aktuellen und entscheidenden Beitrag leisten. Die Bernsteinsammlung umfasst ca. 37000-43000 Inklusen und mehr als 800 Erstbeschreibungen von fossilen Gliederfüßer-Arten sowie eine Vielzahl von pflanzlichen Einschlüssen.

    Trotz des außergewöhnlichen Erhaltungspotentials von Inklusen ist Bernstein als organisches Material sehr empfindlich gegenüber einer Vielzahl an Faktoren wie Licht, Trockenheit oder Temperaturschwankungen. Das Team unter Leitung von Dr. Eva-Maria Sadowski vom Museum für Naturkunde Berlin und Paul Nascimbene vom American Museum of Natural History New York beschäftigte sich daher mit der Frage, wie Bernsteinsammlungen langfristig erhalten werden können und gleichzeitig für die Forschung zugänglich und nutzbar bleiben.

    Hierfür untersuchten die Forschenden, wie Zerfallsprozesse im Bernstein erkannt werden können und welche Faktoren diese Prozesse verursachen und beschleunigen. Außerdem revidierten sie den bisherigen Kenntnisstand zur Konservierung und Bearbeitung von Bernstein, um Handlungsempfehlungen zum Umgang mit Bernsteinsammlungen geben zu können.
    Dabei zeigte sich, dass es bei ungünstigen Lagerungsbedingungen relativ schnell zu Zerfallserscheinungen wie Rissbildung, Bruch und Farbveränderungen kommen kann. Als besonders gefährdend gilt der Kontakt mit Ölen, Alkoholen und Desinfektionsmitteln sowie anderen Lösungsmitteln, die Bernstein sogar unwiderruflich zerstören können.

    Für einen langfristigen Erhalt ist die Lagerung von Bernstein in Dunkelheit und bei einer gleichbleibenden mittleren Temperatur und Luftfeuchtigkeit am förderlichsten. Zur Stabilisierung der Stücke und zur Vermeidung von durch Oxidation hervorgerufenen Zerfallsprozessen ist eine Einbettung der Bernsteine in Kunstharz zu empfehlen. In dem Review stellen die Forschenden den bisherigen Kenntnisstand zusammen, hinterfragen und diskutieren gängige Methoden und Praktiken und wägen Nutzen und Schaden der einzelnen Konservierungsmethoden gegeneinander ab. Im Anschluss stellen die Forschenden aktualisierte Protokolle mit einzelnen Arbeitsschritten für die Präparation und Einbettung von Bernstein zusammen.

    Um Bernsteinsammlungen für eine moderne Informations- und Forschungsinfrastruktur nutzen zu können, ist eine Digitalisierung von Inklusen unabdingbar. Hierfür gaben die Forschenden Empfehlungen für die Fotografie von Bernstein und für die mikroskopische Untersuchung der Inklusen. „Es ist wichtig, eine Balance zwischen dem Erkenntnisgewinn einerseits und dem Schutz der Bernsteinstücke andererseits zu finden“, so Eva-Maria Sadowski. Der Einsatz von computertomographischen Techniken kann sinnvoll sein, um das Anschleifen von Bernsteinen zur Untersuchung der Inklusen zu umgehen. „Mit Hilfe von röntgentomographischen Bildern lassen sich 3D Modelle der Inklusen erstellen, die an Interessenten als digitale Leihgaben weitergeleitet werden können. Der Aufwand für solche Aufnahmen darf aber nicht unterschätzt werden und konservierende Maßnahmen müssen stets Priorität haben“, so Paul Nascimbene.

    Publikation: Sadowski E.-M., Schmidt A.R., Seyfullah L.J., Solórzano-Kraemer M.M., Neumann C., Perrichot V., Hamann C., Milke R., Nascimbene P.C. 2021. Conservation, preparation and imaging of diverse ambers and their inclusions. Earth-Science Reviews. https://doi.org/10.1016/j.earscirev.2021.103653


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten
    Biologie, Chemie, Geowissenschaften, Werkstoffwissenschaften
    überregional
    Forschungsergebnisse, Wissenschaftliche Publikationen
    Deutsch


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