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05.10.2021 17:22

„Deutungskämpfe“ von der Antike bis zur Gegenwart – 53. Deutscher Historikertag ist eröffnet

Frank Kell Pressestelle
Verband der Historiker und Historikerinnen Deutschlands e.V.

    Der 53. Deutsche Historikertag aus der gastgebenden Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) wurde feierlich eröffnet. Vom 5. bis 8. Oktober erwarten die Veranstalter mehr als 2.000 Teilnehmer:innen und rund 600 Referent:innen, die sich zu aktuellen Fragen der Geschichtswissenschaft austauschen. Die Großveranstaltung findet digital über eine Konferenzplattform statt.

    Mit einer Festveranstaltung wurde am Montagabend, 4. Oktober, der 53. Deutsche Historikertag eröffnet. „Es freut mich sehr, dass nun in diesem Jahr der 53. Deutsche Historikertag an der LMU München stattfindet. Mit dem Motto ,Deutungskämpfe‘ und mit Israel als Partnerland stehen zweifellos zwei sehr wichtige Thematiken im Raum, die sowohl für den gesellschaftlich-politischen als auch für den wissenschaftlichen Diskurs von großer Bedeutung sind“, sagte LMU-Präsident Bernd Huber zum Auftakt des Geschichtskongresses, der im vergangenen Jahr wegen der COVID-19-Pandemie verschoben werden musste.

    Deutungskämpfe und Partnerland Israel

    Der Historikertag steht unter dem Motto „Deutungskämpfe“. Historikerinnen und Historiker aus dem In- und Ausland diskutieren auf dem Historikertag, wie Deutungskämpfe historische Entwicklungen von der Antike bis zur Gegenwart bestimmten. „Die Geschichtswissenschaft kann konkurrierende Narrative offenlegen und ein tiefergehendes Verständnis für die Komplexität solcher Prozesse ermöglichen. Die Art und Weise, wie sich Debatten entwickeln, lassen die Frage aufkommen, wie wir uns bei kontroversen Standpunkten auseinandersetzen können und wollen. Untrennbar mit aktuellen Deutungskämpfen zusammen hängt unsere Bewertung der Vergangenheit, die mit dem veränderten Blick der Gegenwart neu bewertet und neu aufgerufen wird. Stets ist umkämpft, was in einer Gesellschaft als wahr, gerecht oder legitim gilt. In diesen gesellschaftlichen Aushandlungsprozessen, die leicht zu ‚Glaubens- oder Meinungsfragen‘ werden, sind die Historikerinnen und Historiker eine wichtige Stimme“, sagt Eva Schlotheber, Vorsitzende des Verbandes der Historiker und Historikerinnen Deutschlands e. V. (VHD), in Ihrer Rede auf der Eröffnungsveranstaltung.

    Das Partnerland Israel und die gesamte Region des Nahen Osten stehen im Zentrum von politischen und kulturellen Deutungskämpfen. Im Programm des Historikertags ist der Nahe Osten als historischer Raum in zahlreichen Veranstaltungen vertreten. Auf der Eröffnungsveranstaltung sagte Carmela Shamir, Generalkonsulin des Staates Israel in München: „For an Israeli diplomat in Germany our common history is always present. The idea of connecting Israel with the conference theme „Deutungskämpfe” is very interesting and fitting, Historical Science is essential in the con-tinuous struggle of societies to interpret their past.”

    Auch im Geschichtsunterricht an den Schulen sind Deutungskämpfe aktuell, betonte der Vorsitzende des mitaustragenden Verbands der Geschichtslehrer Deutschlands (VGD), Peter Johannes Droste: „Unterschiedlichste Narrationen aus den Herkunftsländern vieler Schüler*innen treffen auf diejenigen der europäischen und deutschen Geschichte. Wie eine Synthese aussehnen könnte, ist noch längst nicht ausgemacht.“

    Die Festrede hielt der Mediävist und ehemalige Präsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), Peter Strohschneider. In seiner Rede diagnostizierte Strohschneider einen Überschuss an Moralisierung im gegenwärtigen öffentlichen Austausch: „Je weniger pluralistische Gesellschaften über einen moralischen Konsens integriert werden können, umso größer ist ihr Moralisierungsüberschuss. Auf den Pluralismus von Soziallagen, Sinnwelten und Geltungsansprüchen wird in der einen oder anderen Weise mit der kontrafaktisch-normativen Verabsolutierung der je eigenen Partikularposition revoltiert, mit der gereizten Absage an Ambiguitätstoleranz.“

    Bernd Sibler, Staatsminister für Wissenschaft und Kunst des Freistaats Bayern, ging in seinem Grußwort auf die pandemiebedingte Verschiebung und digitale Durchführung des 53. Deutschen Historikertags ein: „Nicht abgesagt, aber verschoben. Das gilt für den 53. Historikertag hier in München. Zum ersten Mal findet der Historikertag digital statt. Längst nicht alle der Teilnehmerinnen und Teilnehmer können deshalb vor Ort sein. Aber die digitale Durchführung zeigt auch: Die Pandemie hat einen Kulturwandel befördert, der das ganze Potenzial digitaler Formate deutlich macht.“

    53. Deutscher Historikertag – Ein digitaler Besuch in München

    Vom 5. bis 8. Oktober 2021 findet der 53. Deutsche Historikertag unter dem Motto „Deutungskämpfe“ statt. Die Veranstaltungen stehen den Teilnehmer:innen nach der Anmeldung über eine digitale Konferenzplattform offen. Rund 600 Referent:innen aus dem In- und Ausland werden sich in rund 100 Fachsektionen zu aktuellen Forschungsthemen aller Epochen austauschen. Ausgewählte Sonderveranstaltungen aus dem Programm des Historikertages sind als Livestream aus der Großen Aula der LMU über die digitale Kongressplattform zu sehen. Partnerland des diesjährigen Historikertages ist Israel. Ausrichter sind der Verband der Historiker und Historikerinnen Deutschlands (VHD), der Verband der Geschichtslehrer Deutschlands (VGD) und die Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU). Der Kongress geht auf die „erste Versammlung deutscher Historiker“ 1893 in München zurück und findet in diesem Jahr nach 1949 und 1996 zum vierten Mal in München statt. Er wird üblicherweise alle zwei Jahre ausgetragen und widmet sich drängenden Fragen in Geschichtswissenschaft und Gesellschaft.

    Neben den wissenschaftlichen Fachsektionen und den Sonderveranstaltungen im LMU Stream bietet der Historikertag ein vielfältiges Programm mit einer durchgängigen Kongressmoderation, Foren für Schüler:innen und Lehrer:innen, mit Angeboten für Promovierende und Young Professionals, Festveranstaltungen. Außerdem informiert eine digitale Verlags- und Fachausstellung über aktuelle Programme aus Wissenschaft, Kultur und Bildung.

    Das umfangreiche Programm, Informationen zur Anmeldung und zu den Ticketpreisen sowie der Ticketshop sind auf der Kongresswebsite www.historikertag.de abrufbar. Eine Akkreditierung der Pressevertreter:innen erfolgt über den Ticketshop. Nach der Anmeldung können sich Inhaber:innen eines Tickets auf der digitalen Konferenzplatt-form des Historikertags registrieren.

    Weitere Informationen und Rückfragen

    PD Dr. Denise Reitzenstein
    Geschäftsführung des 53. Deutschen Historikertags 2021
    Ludwig-Maximilians-Universität München
    Geschwister-Scholl-Platz 1
    80539 München
    E-Mail info@historikertag.de

    Dr. Leonie Treber
    Geschäftsführung des Verbands der Historiker und Historikerinnen Deutschlands e. V.
    Goethe-Universität Frankfurt am Main
    Juridicum
    Senckenberganlage 31–33
    60325 Frankfurt am Main
    E-Mail info@historikerverband.de

    Der Verband der Historiker und Historikerinnen Deutschlands e. V. (VHD) ist das Vertretungsorgan der deutschen Geschichtswissenschaft in der Öffentlichkeit. Kernaufgabe des VHD ist die Organisation des Deutschen Historikertages, den er zusammen mit dem Verband der Geschichtslehrer Deutschlands alle zwei Jahre veranstaltet. Als Interessenvertretung setzt sich der VHD darüber hinaus in vielfältiger Weise für die Belange seiner Mitglieder ein und steht als Fachverband im ständigen Dialog mit Wissenschaft, Politik und Gesellschaft. Der VHD hat zurzeit etwa 3.500 Mitglieder. Website: www.historikerverband.de.

    V.i.S.d.P.: Prof. Dr. Eva Schlotheuber (Vorsitzende) / Prof. Dr. Johannes Paulmann (Schriftführer)


    Anhang
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    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten
    Geschichte / Archäologie, Gesellschaft, Kulturwissenschaften
    überregional
    Wissenschaftliche Tagungen
    Deutsch


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