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14.10.2021 17:26

TU Berlin: Museen als soziale Orte – Verbundprojekt in Berlin gestartet

Stefanie Terp Stabsstelle Kommunikation, Events und Alumni
Technische Universität Berlin

    Welche Rolle in politischen und gesellschaftlichen Debatten Museen heute spielen können, untersucht das Verbundprojekt „Museums and Society – Mapping the Social“

    Können Museen soziale Beziehungen mitgestalten? Warum besuchen rund 114 Millionen Menschen jährlich eines der rund 6700 Museen allein in Deutschland? Sind diese Institutionen ausschließlich Orte der Wissensvermittlung und der Bewahrung von Kulturerbe? Um die sozialen Aspekte und Perspektiven von Museen zu erforschen, fördert die Berlin University Alliance (BUA), der Berliner Exzellenzverbund, das dreijährige interdisziplinäre Verbundprojekt „Museums and Society – Mapping the Social“ mit 1,2 Millionen Euro. Beteiligt sind Wissenschaftler*innen der TU Berlin, der HU Berlin, des Museums für Naturkunde und des Instituts für Museumsforschung der Staatlichen Museen zu Berlin. Das Projekt ist in die Grand Challenge „Social Cohesion – Sozialer Zusammenhalt“ eingebettet, eine der übergreifenden Initiativen, mit denen Berlin in der Exzellenzstrategie erfolgreich war.

    „Die Debatten um die gesellschaftliche Relevanz und die Verantwortung von Museen sind allgegenwärtig. Aktuelles Beispiel ist das soeben eröffnete Humboldt Forum in Berlin, das im Zentrum von aktivistischen Protesten, Restitutionsforderungen sowie kontroversen wissenschaftlichen und politischen Stellungnahmen steht“, sagt TU-Wissenschaftlerin Dr. Pegah Byroum-Wand. Sie ist im Projekt unter anderem für die Wissenschaftskommunikation zuständig und will dort Partizipationsformate aus einer diskriminierungs- sowie machtkritischen Perspektive entwickeln. „Wir planen eine interaktive Austausch-Plattform und einen ‚Kritischen Beirat‘, in dem wir mit Aktivist*innen aus sozialen Bewegungen und zivilgesellschaftlichen Initiativen zusammenarbeiten.“

    Wer wird ein-, wer ausgeschlossen? Wer wird gehört? Wer diskriminiert?

    Fragen, denen sich die Wissenschaftler*innen des Projekts „Museums and Society“ widmen, sind unter anderem: Inwieweit prägt das Museum als Raum und Institution das Soziale? Wer wird bei der Wissensproduktion ein-, wer ausgeschlossen? Welche Stimmen werden marginalisiert und ausgeblendet? Welche Denker*innen, Theorien und Methodiken werden massiv bevorzugt? Und wie können Sammlungen und Wissen nachhaltig geöffnet werden? Neben den umfassenden Themen zum Umgang mit kolonialem Erbe und Raubkunst rücken in der Forschung auch ökonomische, materielle, sozio-kulturelle und politische Dimensionen in den Fokus. Vier Fallstudien, eng an die teilnehmenden Institutionen angebunden, werden daher eng miteinander verzahnt.

    Enge Zusammenarbeit zwischen Universitäten und Museen – auch Studierende sind beteiligt

    Das Projektteam besteht aus Principal Investigators, Postdocs sowie einer Mitarbeiterin für Wissenschaftskommunikation. Zu den Principal Investigators zählen Prof. Dr. Bénédicte Savoy, die das Fachgebiet Kunstgeschichte der Moderne an der TU Berlin leitet und kürzlich vom US-Magazin TIME in die Liste der 100 einflussreichsten Persönlichkeiten der Welt aufgenommen wurde, Prof. Dr. Meike Hopp, Juniorprofessorin für Digitale Provenienzforschung, und Dr. Andrea Meyer, zu deren Schwerpunkten die Untersuchung der sich verändernden Sammel- und Inszenierungspraxis der Museen gehören. Sie engagiert sich stark in der „forschenden Lehre“, eine Besonderheit des Masterstudiengangs im TU-Fachgebiet. Dazu gehört zum Beispiel die Einbindung von Studierenden in das Kuratieren von Ausstellungen sowie in die Herausgabe von Katalogen und Monographien. Vervollständigt wird das PI-Team schließlich auf Seiten des Museums für Naturkunde durch die Wissenschaftshistorikerin Dr. Ina Heuman und die Wissenschaftssoziologin Prof. Dr. Tahani Nadim (Museum für Naturkunde und Humboldt-Universität zu Berlin). Beide leiten auch das Zentrum „Humanities of Nature“ am Museum für Naturkunde Berlin. Ebenfalls zum PI-Team gehören die Kulturwissenschaftlerin Dr. Mareike Vennen (Humboldt-Universität zu Berlin) sowie Dr. Patricia Rahemipour, Direktorin des Instituts für Museumsforschung und ihre Stellvertreterin Kathrin Grotz.

    Vier Fallstudien untersuchen verschiedene Rollen und Aufgaben von Museen

    „Museen als Experiment und Labor“, untersucht Museen als Räume der wissenschaftlichen und gesellschaftlichen Experimentalisierung. Roos Hopman legt in ihrem Projekt den Schwerpunkt auf Zukunftsentwürfe in Datensammlungen und Digitalisierungspraktiken, die insbesondere im und um das Museum für Naturkunde Berlin zu beobachten sind.

    „Museen als Erfahrungs- und Affekträume“ untersucht die Rolle von Emotionen und Affekten im Museum. Ranjamrittika Bhowmik verknüpft hier Erkenntnisse der Emotionsforschung, der Geschichte von Emotionen sowie Untersuchungen zu materieller Kultur miteinander.

    „Museen und ihre Umwelten“: Ab Januar 2022 beschäftigt sich Dr. Mareike Vennen als Postdoc damit, wie „Natur“ im Museum gesammelt, erforscht und präsentiert wird. Hier stehen Fragen zu den Wechselbeziehungen zwischen Sphären des Biologischen und des Sozialen im Vordergrund. Auch die Art und Weise, wie die Ausstellungsformen von „Naturobjekten“ bestimmte Wissensordnungen von „race“, „class“, „gender“ und „empire“ vermitteln oder festschreiben, wird untersucht.

    „Museale Entgrenzung durch die Digitalisierung“: Im Zentrum des Postdoc-Projekts von Dr. Lukas Fuchsgruber stehen, in enger Zusammenarbeit mit Software-Entwickler*innen, die digitalen Bildwelten, die rund um Museen entstehen und damit die sozialen Aspekte der Interfaces oder Schnittstellen.

    Auf Grundlage der Forschungsergebnisse und der Erkenntnisse der Partizipationsformate wollen die Wissenschaftler*innen Museen nicht nur als Orte des Staunens und der ästhetischen Erfahrung begreifen, sondern als Orte, an denen Konflikte respektvoll ausgetragen und unangenehme Fragen gestellt werden. „Museen sind nicht nur Archive des Menschheitserbes, sondern auch die Orte für Debatten um die kulturelle Deutungshoheit dieses Erbes, um Inklusion, Exklusion, Partizipation und digitale Entgrenzung”, so Bénédicte Savoy.

    http://www.tu-berlin.de/?218677
    Twitter: @society_museums

    Weitere Informationen erteilt Ihnen gern:
    Dr. Pegah Byroum-Wand
    TU Berlin
    Fachgebiet Kunstgeschichte der Moderne
    E-Mail: byroum-wand@tu-berlin.de


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten, Wissenschaftler
    Geschichte / Archäologie, Gesellschaft, Kulturwissenschaften, Kunst / Design
    überregional
    Forschungsprojekte, Kooperationen
    Deutsch


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