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22.10.2021 13:47

Das Nachbeben der COVID-19-Pandemie & Genomdaten für die Globale Gesundheit: BIH diskutiert auf dem World Health Summit

Dr. Stefanie Seltmann Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Berlin Institute of Health in der Charité (BIH)

    Nachdem alle Welt lange Zeit auf Impfstoffe, Infektionsraten und die Belegung der Intensivstationen geblickt hat, gehen BIH-Wissenschaftler*innen davon aus, dass uns die größe Welle noch bevorsteht: Long-COVID. Patient*innen, die die Infektion mit dem Sars-CoV-2 Virus überlebt haben, aber nun unter den Langzeitfolgen leiden, werden das Gesundheitssystem aller Voraussicht nach noch lange beschäftigen. Und nicht nur bei COVID-19 hat sich deutlich die ungleiche globale Verteilung moderner Medizin gezeigt: Die Analyse des Erbgutes hat in wohlhabenden Nationen die Versorgung von Patient*innen wesentlich verbessert, etwa bei Krebs oder Seltenen Erkrankungen.

    In vielen Ländern mit geringerem Einkommen sind diese Fortschritte noch längst nicht angekommen. Auf dem diesjährigen World Health Summit 2021 diskutieren am Montag, den 25.10.2021, Wissenschaftler*innen vom Berlin Institute of Health in der Charité (BIH) in zwei Runden mit internationalen Gästen darüber, was mit der drohenden Long-COVID-Welle auf uns zukommen wird, und wie man die Erkenntnisse aus der Erbgutforschung für die Gesundheit aller Menschen nutzen kann.

    „Die größte Welle steht uns noch bevor“, ist Professor Georg Duda, BIH Chair for Engineering Regenerative Therapies, überzeugt. Viele der Genesenen leiden noch Wochen und Monate unter den Folgen der Infektion: Sie leiden unter Atembeschwerden, Konzentrationsstörungen, Kopfschmerzen, Müdigkeit, Herz-Kreislauf- und Verdauungsproblemen bis hin zu Haarausfall oder Hautausschlägen. Die Folgen sind vielfältig und unterscheiden sich von Patient zu Patient. „Wir müssen uns deshalb Gedanken machen, wie wir diesen vielschichtigen Problemen mit innovativen Ansätzen begegnen“ erklärt Georg Duda.

    Georg Duda hat für diese Diskussion internationale und interdisziplinäre Sprecher*innen eingeladen: Prof. Dr. Carmen Scheibenbogen vom Institut für Medizinische Immunologie der Charité –Universitätsmedizin Berlin untersucht die verschiedenen Facetten von Long-COVID, während Prof. Dr. Ross Zafonte von der Harvard Medical School in Boston sich mit der umfassenden Diagnose von Long-COVID-Patient*innen beschäftigt. Prof. Dr. Yehuda Shoenfeld von der Tel Aviv University in Israel hat die Autoantikörper im Blut von Long-COVID-Patient*innen im Visier, als Möglichkeit, den Betroffenen zu helfen. Das möchte auch Prof. Dr. Nina Babel vom BIH Center for Regenerative Therapies (BCRT), indem sie die zelluläre Immunantwort von Long-COVID-Patient*innen als Therapieziel untersucht.

    Die Diskussion “Long-COVID: The Aftershock of the Pandemic“ (in englischer Sprache) findet am Montag, 25.10.2021, von 11:00 bis 12:30 Uhr statt. Sie kann unter diesem link kostenlos verfolgt werden:

    Digital Session: https://worldhealthsummit.zoom.us/j/85400777756
    Meeting ID: 854 0077 7756

    “Die Erforschung und Sequenzierung des Erbguts hat für die Diagnose und Behandlung von Krebs und Seltenen Erkrankungen enorme Fortschritte gebracht”, sagt Professorin Claudia Langenberg, die im BIH die Abteilung für Computational Medicine leitet. “In wohlhabenden Nationen gehört die Genanalyse schon zum Standard in der Gesundheitsversorgung. Das ist in Ländern mit niedrigem oder mittlerem Einkommen noch längst nicht der Fall.” Als Herausforderung betrachtet Claudia Langenberg auch die Tatsache, dass sich die Forschung häufig auf gesundheitliche Probleme des globalen Nordens bezieht, und Studien mit mehrheitlich europäischstämmigen Probanden durchgeführt werden. Die Ergebnisse aus diesen Untersuchungen sind daher meist nur sehr eingeschränkt auf alle Menschen übertragbar. “Initiativen wie H3Africa haben gezeigt, dass es für die afrikanische, aber auch für die globale Gesundheit durchaus sinnvoll sein kann, genetisch diverse Studienpopulationen zu untersuchen. Das sollten wir bei künftigen Studien berücksichtigen.”

    Claudia Langenberg hat für die Diskussion internationale “Stars” der Genomforschung eingeladen: Prof. Dr. Ewan Birney ist Direktor des European Bionformatics Institute des EMBL, des Europäischen Labors für Molekularbiologie, in England, und stellvertretender Generaldirektor des EMBL. Prof. Dr. Bartha Knoppers ist Juristin und Expertin für die ethischen Aspekte von Genetik, Genomik und Biotechnologie an der kanadischen McGill University. Prof. Dr. Sharon Peacock ist Professorin für Public Health und Mikrobiologie an der Universität Cambridge und Direktorin des COVID-19 Genomics Consortiums (UK). Dr. Charles Rotimi ist Direktor des Zentrums für Genomforschung und Globale Gesundheit der Trans-National Institutes of Health (NIH) der USA und wurde gerade zum nächsten wissenschaftlichen Direktor des National Human Genome Research Institute gewählt. Dr. Soumya Swaminathan ist die leitende Wissenschaftlerin der Weltgesundheitsorganisation (WHO).

    Die Diskussion “How Genomics and Global Genomic Data Sharing Can Benefit Human Health“ (in englischer Sprache) findet am Montag, 25.10.2021, von 14:00 bis 15:30 Uhr statt. Sie kann unter diesem link kostenlos verfolgt werden:

    Digital Session: https://worldhealthsummit.zoom.us/j/83687594010
    Meeting ID: 836 8759 4010

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    Über das Berlin Institute of Health (BIH) in der Charité

    Die Mission des Berlin Institute of Health (BIH) ist die medizinische Translation: Erkenntnisse aus der biomedizinischen Forschung werden in neue Ansätze zur personalisierten Vorhersage, Prävention, Diagnostik und Therapie übertragen, umgekehrt führen Beobachtungen im klinischen Alltag zu neuen Forschungsideen. Ziel ist es, einen relevanten medizinischen Nutzen für Patient*innen und Bürger*innen zu erreichen. Dazu etabliert das BIH als Translationsforschungsbereich in der Charité ein umfassendes translationales Ökosystem, setzt auf ein organübergreifendes Verständnis von Gesundheit und Krankheit und fördert einen translationalen Kulturwandel in der biomedizinischen Forschung. Das BIH wurde 2013 gegründet und wird zu 90 Prozent vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und zu zehn Prozent vom Land Berlin gefördert. Die Gründungsinstitutionen Charité – Universitätsmedizin Berlin und Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) waren bis 2020 eigenständige Gliedkörperschaften im BIH. Seit 2021 ist das BIH als so genannte dritte Säule in die Charité integriert, das MDC ist Privilegierter Partner des BIH.


    Weitere Informationen:

    https://www.bihealth.org/de/aktuell/das-nachbeben-der-covid-19-pandemie-und-geno...


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten, Wissenschaftler, jedermann
    Biologie, Medizin
    überregional
    Wissenschaftliche Tagungen
    Deutsch


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